LEBEN LEBEN

Ohne Kinder im Vorteil: Mütter bekommen weniger Rente als Kinderlose

Close up of a mother going through her financials
Bis zu 102 Euro weniger bekommen Frauen mit Kindern im Alter durch ihre Rente. © Getty Images, Geber86

Ist das noch gerecht?

Na toll. Ich hatte es natürlich schon geahnt, aber jetzt habe ich es schwarz auf weiß: Ich bin einfach zu blöd. Ich habe drei Kinder in diese Welt gesetzt, statt maximal eins oder besser noch – gar keines. Wäre ich nämlich kinderlos geblieben, würden mir immerhin im Schnitt 684 Netto-Rente bleiben. Mit meinen drei Kindern komme ich dagegen nur noch auf 583 Euro durchschnittlich. Mehr Kinder, weniger Rente – das ist die nette Formel, auf die man laut 'BILD'-Zeitung eine neue Statistik der Deutschen Rentenversicherung bringen kann. Man liest und staunt. Denn selbst, wer fünf kleine zukünftige Rentenzahler zu Hause groß zieht, kommt immer noch nicht auf das Durchschnittsrentenniveau einer Kinderlosen. Also ich finde, das klingt echt gerecht. 

Von Merle Wuttke

Mehr Kinder gleich weniger Rente

In den ersten 18 Jahren, die ich meine Kinder großziehe, darf ich zwar durch meinen Konsum die Wirtschaft anheizen, denn so eine fünfköpfige Familie braucht ordentlich Stoff, aber belohnt werde ich dafür nicht. Dafür darf ich vieles teuer bezahlen: Lebensmittel, Klamotten, Spielzeug, höhere Miete für die größere Wohnung, Kosten für ein geräumigeres Auto – bei fünf Leuten, die das alles konsumieren, klingelt die Kasse schon mal anders als bei einem Singlehaushalt. Und das Schöne ist, der Staat verdient an uns Müttern selbst dann noch, wenn die Kinder aus dem Haus sind – denn auch die Wohnung am Studienort und der Unterhalt will und muss von mir als Mutter erwirtschaftet und bezahlt werden.

Aber, hey, kein Problem, habe ich mir ja selbst so ausgesucht. Für das Wohl meiner Kinder hetze ich mich gern zwischen Büro und Schule ab und arbeite Teilzeit, die sich wie Vollzeit anfühlt. Nur, hätte ich da trotzdem eine kurze Frage: Wäre es nicht vielleicht angebracht, die Zeit, die ich in meine Kinder investiere, um aus ihnen wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu machen und in der ich leider nicht so viele Rentenpunkte ansparen kann wie eine kinderlose Frau, die den ganzen Tag im Job verbringt, in irgendeiner Weise auszugleichen? Immerhin ziehe ich ja diejenigen groß, die meinem kinderlosen Pendant später mit ihren Einkünften ein angenehmes Leben im Alter finanzieren...

Kinderkriegen ist keine Privatsache

Dagegen kann ich nur hoffen, dass eines meiner Kinder sich später erbarmt und mich alte arme Mutter bei sich zu Hause aufnimmt, wenn ich nicht unter der Brücke enden soll. Aber wie war das noch? "Selber schuld!“ und "Kinder kriegen ist Privatsache.“ Ja, ja, ich kenne sie zu genüge, die Argumente, wenn es darum geht, Kinder und Kindererziehungszeiten anders zu berücksichtigen. Und ich kann nur sagen: Nein, liebe Leute, stimmt so nicht. Das mit dem Kinderkriegen ist eben nicht meine Privatsache, wenn der Staat mir einen Generationenvertrag vorschreibt, der aber nur von einem Teil der Generation mitgetragen wird und der Rest sich (freiwillig oder unfreiwillig) raushält, die Früchte aber miterntet.

Frauen, die Kinder bekommen und deshalb eine zeitlang weniger oder gar nicht in die Kassen einzahlen können, müssen in der Rentenkasse genauso behandelt werden wie Kinderlose – Punkt, aus. Denn wenn wir schon in einer Solidargemeinschaft leben, dann bitte auch so, dass diese gerecht gelebt wird! Ich kriege jedenfalls jedes Mal die Krise, wenn mir mein voraussichtlicher Rentenbescheid ins Haus flattert – immer mit dem guten Hinweis versehen, doch rechtzeitig zusätzlich etwas für die Altersvorsorge zu tun. Guter Witz, wenn man gerade mal wieder drei Paar neue Kinderschuhe, drei Winterjacken sowie eine neue Runde Klamotten für alle kaufen musste, weil einfach nichts mehr passte. Da bleibt wirklich was übrig für die private (!) Altersvorsorge.

Anzeige