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Oh, Schreck! Babys Lieblingsteil ist weg!

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Photo of nine month baby crying, isolated
Wenn ein Kind sein Lieblingsspielzeug verliert, fließen die Tränen.

Da passt man eine Sekunde nicht auf...

"Wo ist die Tasche?", schnaufe ich in der tiefsten Eifel. Mein Mann und ich sind mit Kind und befreundetem Paar auf einem ausgedehnten Spaziergang mit extremer Steigung unterwegs, und hätte ich das gewusst, wäre ich nie freiwillig mitgekommen. Mit meinem After-Baby-Body, der inzwischen After-Kleinkind-Body heißen müsste, fühle ich mich gerade wie ein alter quietschender Karren, der nicht voran kommt und kurz vor dem Totalschaden steht. 

Oh, Schreck, die Tasche ist weg!

Und als ob ich nicht schon genug damit zu tun hätte, hat meine Tochter nun offenbar ihre Handtasche verloren. Ihr Ein und Alles, seit wir sie vor einem Jahr in einem kleinen Laden in einem Dorf in Südfrankreich gekauft haben. Ohne sie hat sie in den letzten Monaten nicht mehr das Haus verlassen. Und wie oft habe ich mich kaputt gelacht, wenn die kleine Dame mit Toten-Hosen-Body, Spielzeugstethoskop und ihrem It-Peace an mir vorbeistolziert kam. Vor einer halben Stunde hat sie sie noch stolz in ihrem Buggy spazieren gefahren, und nun liegt sie irgendwo in der Pampa auf den zehn Kilometern, die hinter uns liegen – und natürlich darf man hier nicht mit dem Auto fahren. Top! Wir können nicht zurück, die Situation ist aussichtslos.

Eine Woche später habe ich deshalb nochmal die Ehre, die zehn Kilometer entlang zu hecheln wie eine übertragende Elefantendame vor der Niederkunft. Der Glaube an das Gute im Menschen ist aber leider für die Katz. Denn statt die Tasche ins Fundbüro zu bringen oder sichtbar an einen Ast zu hängen, hat sich der Finder offenbar den Finderlohn direkt mit nach Hause genommen. Die Tasche ist futsch! Eine Suche bei Facebook ist auch erfolglos, wenn auch erstaunlich ist, wie viele Menschen den Suchbeitrag teilen, was das Zeug hält. Wahrscheinlich sind viele Mütter dabei, die sich in meine Lage versetzen können.  

Mama muss es richten

Handtasche verloren Eifel
Die Suche beginnt... © privat, Görgen, Linda [RTL interactive]

Also, was mache ich nun? Kurz nach Frankreich fahren und eine Neue kaufen? Natürlich nicht. Ich kaufe eine Ersatztasche, damit das kleine Herzchen aufhört zu bluten. "Die ist super, die wird sie lieben!", versuche ich mir einzureden. Aber meine Kleine kommt nun mal auf mich. Ihr Blick, als ich ihr feierlich das neue Stück überreiche, spricht Bände. Und schon liegt die Tasche auf dem Boden, und die Kleine steht wie seit Tagen wieder an ihrer Spielzeugkiste und sucht verzweifelt nach ihrem geliebten Stück mit den kleinen Strohpüppchen und dem pinken Henkel, während ihr eine dicke Träne über die Wange läuft. Am liebsten würde ich nochmal die zehn Kilometer entlang hecheln, damit dieses kleine Wesen nicht mehr traurig ist. 

Und so habe ich als Mutti eines gelernt: Eigentlich müsste ich Handtasche, Schnuffeltuch oder Kuscheltier – Sachen, die meinem Kind ans Herz wachsen könnten - immer doppelt kaufen. Zumindest solange es noch keine Louis Vuitton-Tasche sein muss. Aber leider habe ich keinen Goldesel. Also packe ich mir meine kleine Maus, setze ich mich ins Auto und fahre zum dritten Mal in Richtung Eifel.  

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