Offene Beziehungen: Können sie funktionieren?

Erotik: Offene Beziehung – ja oder nein?
Erotik: Offene Beziehung – ja oder nein? 00:01:56
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Warum führt man eine offene Beziehung?

Was Änderungen im Umgang mit der Liebe angeht, bin ich von Berufs wegen sehr hellhörig. Meistens deuten sich neue Liebes-Trends schon lange vor ihrem eigentlichen Durchbruch an. Das scheint mir zur Zeit der Fall zu sein. Und zwar in puncto Treue. Immer öfter kriege ich mit, wie eine Frau oder ein Mann ganz nebenbei sagt, dass sie oder er in einer offenen Beziehung lebt. Dass jeder auch andere Partner haben darf. Diese Menschen erzählen mir von sogenanten "Vereinbarungen", die sie innerhalb ihrer Beziehung getroffen haben über die Möglichkeit von Sex außerhalb ihrer Beziehung.

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Neuer Trend: Offene Beziehung
Neuer Trend: Offene Beziehung

Ich frage natürlich sofort nach: Warum macht ihr das? Wie macht ihr das? Und was macht ihr? Die erste Frage zielt nach den Gründen für das Fremdgehen, wobei man strenggenomen gar nicht von Fremdgehen sprechen kann bei diesen Paaren. Denn es geschieht ja mit dem Einverständnis des anderen.

Was mir die Menschen dann erzählen, das lässt sich schnell auf einen Nenner bringen: Man versteht sich blendend mit seinem Partner, man will mit ihm alt werden. Aber: Im Bett passt es nicht. Vielleicht hat es früher gepasst am wilden Anfang der Beziehung. Nun ist der Lack ab, und es passt nicht mehr. Oder es hat nie wirklich gepasst. Das gibt es auch. Häufiger als man denkt!

Meistens arrangieren sich die Leute mit diesem Defizit. Oft geht das aber nach hinten los, es wird fremd gegangen, die Sache fliegt auf. Und die Beziehung geht in die Brüche. Da denken sich viele: So weit lasse ich es nicht kommen. Ich setze mich mit dem Partner an den Küchentisch und schaue, ob wir einen Weg finden. Ob ich meine sexuellen Bedürfnisse nicht woanders erfüllen kann.

Sofort drängt sich der Gedanke an Eifersucht auf. Wie ertragen diese Frauen und Männer das Gefühl, dass ihr Partner mit anderen schläft? Antwort: Indem man aus dem Gefühl einen Gedanken macht. Man lässt sich nicht von Emotionen übermannen. Sondern geht mit dem Kopf an die Sache heran. Nimmt eine vernünftige Haltung dazu ein, bewertet Sex anders, hängt ihn nicht so hoch. Macht eine neue Rechnung auf: Sex muss nicht Liebe sein, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Man wirft seinem Partner ja auch nicht vor, dass er mit einer anderen Person Nudeln isst. Warum also an die Decke gehen, wenn er mit einer anderen Person in Bett geht?

Ich gehe davon aus, dass dieser Liebestrend gewöhnungsbedürftig ist. Die meisten von Euch schütteln sich wahrscheinlich und wollen sich niemals an einen derartigen Trend gewöhnen.

Eine offene Beziehung kostet Kraft

Ich selbst bin unschlüssig. Ich bewerte diesen Trend nicht. Ich finde es gut, wenn Liebende zusammenbleiben. Ich kann mir abstrakt auch vorstellen, dass man einen Mann liebt, aber trotzdem nicht den hundertprozentigen Spaß mit ihm im Bett hat. Natürlich wäre es möglich, auf den hundertprozentigen Spaß zu verzichten. Aus Liebe, um dem Liebsten Verletzungen zu ersparen.

Nur, wie schon gesagt: Vielleicht holt einen die Begierde auf kurz oder lang ein. Man landet mit einem anderen Mann im Bett, der Partner kommt dahinter, Trennung. Auch doof.

Ich komme zu einem entscheidenden und klärenden Punkt, wenn ich mich mit der dritten Frage "Was macht Ihr?" befasse. Was macht man sexuell außerhalb der Beziehung? One Night Stands? Längere Affären? Was, wenn man sich verliebt? Gerade Frauen schütten nach dem Sex gern ein Bindungshormon aus. Je besser der Sex, desto höher die Gefahr, dass sie sich ernsthaft verlieben. Und dann ist der Ofen mit der bestehenden Partnerschaft aus. Oder man hat ein richtiges Problem, sich den neuen Sexualpartner als Lebenspartner aus dem Kopf zu schlagen. Das kostet Kraft.

Abschließend würde ich sagen: Ich beobachte diesen Liebestrend aufmerksam und halte Euch auf dem Laufenden. Vorerst würde ich Euch raten: Zart besaitete Seelen sollten lieber die Finger von diesem Trend lassen!

Eure Birgit