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Offene Beziehung: Wie exklusiv muss eine Partnerschaft sein?

Offene Beziehung
Wie offen sollte eine Partnerschaft sein? © Darren Jesal / Splash News

Kann eine offene Beziehung wirklich funktionieren?

Hollywood-Star Johnny Depp erlaubt seiner Freundin Amber Heard angeblich, dass sie sich außerhalb der Beziehung austobt. Sie dürfe nebenher Sex mit Frauen haben, wird berichtet. Eine offene Beziehung light kann man das wohl nennen. Aber können Beziehungen, in den sich die Partner die Freiheit auf Sex mit Anderen zugestehen, tatsächlich glücklich machen?

Von Maria Romero

Es hörte sich schön an, was sich damals in den 60er Jahren die fortschrittlichen Studenten und Hippies ausdachten. Zu einer Gesellschaft ohne Zwänge gehörten für sie freie Liebesbeziehungen, in denen sich die Partner nicht mit Verboten einengten. Sex mit Anderen war nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht – nach dem Motto: Wer sich wirklich liebt, der gesteht sich die Freiheit zu, auch mit anderen zu schlafen. Alles andere war Establishment und gehörte somit zur Ideologie einer unterdrückerischen Gesellschaft.

So weit, so gut. Es soll tatsächlich auch Paare geben, die es schaffen, auf diese Art glücklich zu leben, ohne dass einer der beiden leidet, sich minderwertig oder verschmäht fühlt, wenn der Andere sich gerade außerhalb der Beziehung vergnügt. Ohne dass Tränen fließen und Eifersucht zu Wutanfällen führt.

Es soll sie geben, die Frage ist nur wo? Mir zumindest ist kein Paar bekannt, das mit einer offenen Beziehung glücklich ist, selbst nicht vom Hörensagen.

Offene Beziehungen sind oft nicht ausgewogen

Sicher - in Romanen oder Filmen tauchen manchmal Bohemiens auf, die das Beziehungsideal der Hippies zu verwirklichen versuchen. Manchmal gelingt es dort, in der Regel aber enden offene Beziehungen selbst in der Fiktion nicht gut, da sich einer der Partner anderweitig verliebt – oder die Schnauze voll hat von der trügerischen Freiheit.

Denn ein grundsätzliches Problem ist dies: Offene Beziehungen sind oft nicht ausgewogen, das heißt: Während der eine Partner tatsächlich die Freiheit genießt, sich austoben zu dürfen, leidet der andere in Wahrheit und macht das Spiel nur mit, um den Partner nicht zu verlieren. Gleichberechtigung sieht anders aus, glücklich wird man so eher nicht.

Natürlich ist auch eine geschlossene Beziehung, in der Sex nebenher verboten ist, keine Garantie für ein glückliches Leben zu zweit. Aber sie erscheint ehrlicher und praktikabler, da kaum jemand so selbstbewusst ist, dass ihm regelmäßige Seitensprünge des Partners nichts bedeuten und er sich nie die Frage stellt: Was hat er/sie, das ich nicht habe? Zwei derart selbstsichere Menschen finden kaum in einer Beziehung zusammen. Es gibt von dieser Spezies einfach zu wenige.

Wer nun in einer traditionell-geschlossenen Beziehung lebt und sich dennoch einen Seitensprung erlaubt, der muss wissen, was er tut. War er unbedeutend, dann kann es besser sein, ihn nicht zu beichten, um den Partner nicht zu verletzen. War er hingegen so bedeutend, dass man sich ernsthaft neu verliebt, dann wird er sich nicht verheimlichen lassen. Nicht nur eine geschlossene, sondern auch eine offene Beziehung geht dann meist zu Ende.

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