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Öko-Test: Faszienrollen versprechen viel - aber helfen sie wirklich?

Öko-Test: Was können Faszienrollen?
Öko-Test: Was können Faszienrollen? © picture alliance / Eibner-Presse, Eibner-Pressefoto

Massagerollen - Wunderheilmittel oder Placebo-Effekt?

Was steckt hinter dem Faszien-Hype? Als Faszien beschreibt man das Bindegewebe um Körper, das von Muskeln und Muskelgruppen umhüllt. Wie Öko-Test berichtet, gilt die spezielle Massage dieses Bindegewebes seit dem ersten Faszienforschungskongress 2007 als neuester Schrei in der Fitness-Industrie. Auf dem Kongress an der Harvard Medical School in Boston wurden erstmals Ultraschallbilder gezeigt, die Veränderungen am Bindegewebe zeigen. Seitdem schwört unter anderem die deutsche Fußballnationalmannschaft auf Faszienrollen, die speziell dieses Bindegewebe massieren sollen, um Versteifungen und Verspannungen nach dem Training zu lösen.

Wissenschaftler sind sich einig, dass hinter den vielgepriesenen Erkenntnissen lediglich ein Placebo-Effekt steckt. Eben weil Faszienrollen auch Haut- und Muskelgewebe massieren und die entspannende Wirkung dieser Rollen nicht zweifelsfrei dem Bindegewebe zugeschrieben werden könne. Zumindest gebe es bis heute keine eindeutigen Nachweise dafür. Für Sportler wie Jonas Wohlfarth-Bottermann (Basketball-Bundesligaspieler bei Alba Berlin) sind die Faszienrollen eine willkommene Ergänzung zum Stretching nach dem Training. Dass die Rollen nur das Bindegewebe massieren, glaubt er allerdings nicht. Auch Dr. Andreas Lison (Sportmediziner bei der Bundeswehr in Warendorf) spricht den Massagerollen keinen Wohlfühleffekt ab, der nicht auch durch herkömmliche Massagetechniken abgedeckt werde.

Erhöhte Schadstoffwerte

Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln hält ein spezielles Faszientraining für gesunde Menschen sogar für unnötig. Schließlich stärke Kraft- und Beweglichkeitstraining immer auch das Bindegewebe. Und selbst bei körperlichen Beschwerden ersetzen Faszienmassagen weder Bewegung noch Physiotherapie, ergänzt Christel Flügge vom deutschen Verband für Physiotherapie.

Öko-Test hat schließlich 16 Massagerollen einem Schadstofftest unterzogen und Studien gesucht, die deren Nutzen belegen. Die Testergebnisse sind ernüchternd. Sieben Rollen schnitten mit dem Testergebnis 'mangelhaft' ab, sowohl No-Name-Rollen, als auch Produkte namhafter Sportartikelhersteller wie Adidas und Nike. Alle anderen Rollen waren immerhin ausreichend, darunter auch die Rollen von Marktführer Blackroll. Die Studienlage erwies sich im Test als äußerst dünn. Es wurden lediglich 27 potenziell aussagekräftige Studien gefunden, die aber allesamt auch keine verlässlichen Aussagen über den Nutzen der Faszienmassagen treffen konnten. Viel schlimmer aber: Der Schadstofftest ergab, dass einige Rollen bedenkliche und umstrittene Inhaltsstoffe wie Quecksilber, halogenorganische Verbindungen sowie Spuren von PAKs (polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe) enthalten. Manchen PAKs werden erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften zugeschrieben. Daher die Note 'mangelhaft' für sieben aus 16 Massagerollen, die im Test zum Teil sogar erhöhte PAK-Werte aufwiesen.

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