Oase der Toleranz: Juchitan liebt seine Transvestiten

Das Transvestiten-Dorf im katholischen Mexiko

In Juchitan ist nichts so wie es scheint: Umgeben von Katholiken leben hier die 'Muxes' – Männer in Frauenkleidung, die sich als drittes Geschlecht betrachten. Die Transvestiten werden hier akzeptiert und respektiert, viele Dorfbewohner sind sogar stolz auf sie.

Das Wort 'Muxes‘ ist von 'Mujer', dem spanischen Wort für Frau, abgeleitet - Muxes sind Männer, die als Frauen leben. Sie bezeichnen sich selbst als das dritte Geschlecht. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie schwul oder transsexuell sind, sie wollen einfach lieber als Frauen leben. Die ersten Muxes gab es in Juchitan bereits in den 1950er Jahren.

Die Transvestiten sind hier ganz normal: "Die Muxes sind sehr akzeptiert, weil sie sehr arbeitsam sind und sich um die Familien kümmern“, erklärt eine Dorfbewohnerin. "Für jeden ist es wichtig, einen Muxe in der Familie zu haben. Sie sind ein Segen, weil sie sich um alles kümmern“, kommentiert eine andere.

"Für mich als Mann ist das normal, das gehört zur Tradition“ - so lautet auch unter den Männern die gängige Meinung in Juchitan.

Wenn eine Muxe die Beziehung mit einem Mann eingeht, gilt dieser in Juchitan nicht unbedingt als schwul. Die Dorfbewohner haben einen speziellen Begriff für die männlichen Partner der Muxes: Sie heißen 'Mayate‘. Andere Muxes leben mit Frauen zusammen, viele haben auch Kinder.

Die Toleranz in Juchitan geht wohl auf eine sehr alte Tradition zurück: Schon vor der spanischen Kolonisierung gab es in der Oaxaca-Region in Mexikos ein Drei-Geschlechter-System. Zu den bekannteren Muxes aus Juchitan gehört die Politikerin Amaranta Gómez Regalado, die im Jahr 2003 in für die Partei 'México Posible‘ in einer Wahl zum Staatskongress antrat.

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