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NRW-Schulministerin will späte Einschulung erleichtern: Warum eigentlich jetzt erst?

Späte Einschulung in NRW möglich
In Nordrhein-Westfalen kommen viele Kinder schon mit fünf Jahren in die Schule, weil der Stichtag Ende September ist und Eltern ihre Kinder nicht zurück stellen lassen können. © dpa, Peter Steffen

Kinder kommen mit fünf Jahren zur Schule

NRWs Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will Eltern und Kindern in Nordrhein-Westfalen eine spätere Einschulung ermöglichen. Bisher ist es nur bei gravierenden gesundheitlichen Gründen möglich, ein Kind für den Schuleintritt zurückzustellen. Entscheiden dürfen das aber nicht die Eltern, sondern der Amtsarzt. Das soll jetzt entfallen! Aber warum eigentlich jetzt erst?

Eltern dürfen Kinder nicht zurück stellen

Von Sabine Möller

Nordrhein-Westfalens Grundschulen haben ein Problem: Sie haben nicht nur ziemlich viele Grundschüler, sondern auch sehr viele junge Grundschüler, die bei der Einschulung Ende August gerade mal fünf Jahre alt sind. In sechs Bundesländern gilt der späte Stichtag, der 30. September. Alle Kinder, die bis dahin sechs Jahre alt werden, gelten dann als schulpflichtig. Die Einschulungstermine liegen aber meist ein paar Wochen davor – entsprechend sind einige Kinder erst fünf Jahre alt. Ein Alter, in dem manche Kinder gut und gerne noch ein Jahr im Kindergarten verweilen könnten.

Viele Eltern kennen diese Lage, können ihre Kinder aber nicht zurück stellen lassen, weil eben nur ein Amtsarzt das kann. Paradox ist es hingegen bei den sogenannten Kann-Kindern. Das sind die Kinder, die nach dem 30. September geboren wurden. In dem Fall dürfen dann aber die Eltern entscheiden, ob das Kind schon zur Schule kommen darf.

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Warum Kinder nicht ein Jahr länger in der Schule lassen?

Nun stehe ich als Mutter eines Sohnes, der Anfang September Geburtstag hat, eben genau vor diesem Dilemma. Auf der einen Seite sträuben sich mir die Nackenhaare, mein Kind mit fünf Jahren bereits in die Schule zu schicken. Auf der anderen Seite sehe ich, wie gut die Kinder heutzutage mit Vorschule und anderen Förderprogrammen auf die Schule vorbereitet werden. Aber ein Kind, das viel lieber noch spielen will, das sollte im Kindergarten bleiben. Nur ich als Mutter, ich darf das nicht entscheiden. Dabei kenne ich mein Kind doch deutlich besser als der Amtsarzt!

Nun hat die Schulministerin von NRW endlich etwas getan, damit die ganz jungen Kinder zurück gestellt werden können. Eltern können nun bei der Schulleitung angeben, dass sie Bedenken haben, ihr Kind so früh einzuschulen. Dabei können auch präventive Gesichtspunkte - etwa eine drohende Überbelastung des Kindes - mit einbezogen werden. Endlich ein Schritt in die richtige Richtung, damit sich Kinder möglichst ungezwungen entwickeln können.

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