GESUNDHEIT GESUNDHEIT

#NotJustSad: Eine depressive Bloggerin teilt ihre Gedanken

Schätzungsweise vier Millionen Deutsche leiden an Depressionen
Schätzungsweise vier Millionen Deutsche leiden an Depressionen: Jana Seelig ist eine von ihnen und blogt darüber.

Tweets über Depressionen treffen einen Nerv

Millionen Menschen sind depressiv. Doch die meisten reden nicht darüber - schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Eine junge Bloggerin teilt ihre Gedanken jetzt auf Twitter - und erreicht damit viele Menschen. Der Hashtag #NotJustSad gibt einen bewegenden Einblick in die Gefühlswelt depressiver Menschen.

Vor einigen Tagen begann Jana Seelig unter dem Namen Jenna Shotgun über ihre Depressionen zu twittern. Seit ihrem 16. Lebensjahr ist Jana depressiv. Die Krankheit wurde jedoch erst diagnostiziert, als sie 22 ist - vor allem, weil sie sich oft einreden ließ, dass sie doch "einfach nur schlecht drauf" sei. Jetzt macht sie ihrem Ärger und ihren Gefühlen bei Twitter Luft. Wie im Akkord schreibt sie offen über ihre Depression, wie man sich fühlt und auch, wie man von anderen behandelt wird. "Wenn ihr selbst keine Depressionen habt, dann dürft ihr auch nicht mitreden und uns sagen, wie es uns zu gehen hat und was wir tun sollen" schreibt Jana.

Mit ihren Worten trifft sie offenbar einen Nerv. Innerhalb kurzer Zeit teilen viele Nutzer ihre Tweets und fügen eigene Gedanken über Depressionen hinzu oder schreiben der jungen Bloggerin Nachrichten. Ein Nutzer schreibt "Wenn du meinst zu ertrinken, während alle um dich atmen können". Die Userin Malaika bündelt die Beiträge unter dem Hashtag #NotJustSad - "nicht nur traurig". Die Aussage des Hashtags trifft den Kern der Krankheit offensichtlich sehr gut. Depression ist mehr als nur Traurigkeit. Von Schuldgefühlen über Selbstzweifel bis zu Schlafstörungen - die Liste von Begleiterscheinungen der Krankheit ist lang.

Mit Medikamenten lässt sich die Krankheit in den Griff bekommen

Schätzungsweise vier Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Viele Menschen nehmen sich in Folge ihrer Krankheit sogar das Leben, wie auch Fußball-Torwart Robert Enke vor fünf Jahren. Zwar kann man die Krankheit mit Therapien oder Medikamenten behandeln und in den Griff kriegen, doch zu oft bekommen Betroffene keine optimale Unterstützung. Beispielsweise, weil die Krankheit gar nicht erst erkannt wird, oder weil die Betroffenen nicht die Kraft aufbringen, sich helfen zu lassen.

Die Twitterbeiträge und -Diskussionen sind zwar kein Therapie-Ersatz, jedoch machen sie sicherlich vielen Betroffenen Mut, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleine sind und helfen, auch offen zu ihrer Krankheit zu stehen.

Anzeige