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Notfall-Apps für Kinder: Helfen sie im Ernstfall wirklich?

Hausmittel- und Notfall-Apps im Praxistest

Der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist bei vielen schon eine ganze Weile her. Doch was tun, wenn es mal wirklich ernst wird und zum Beispiel das eigene Kind einen Unfall hat? Kann eine Notfall-App helfen? Auch bei Halsschmerzen, Übelkeit oder Ausschlag soll eine App das passende Hausmittel kennen. Eltern von kleinen Kindern haben für uns mit einem Kinderarzt solche Notfall- und Hausmittel-Apps getestet.

Test 1: Mit der Notfall-App einen Druckverband anlegen

Die Testkriterien waren für uns die Zeit bis zum fertigen Verband und seine Qualität. Das Ergebnis: Die Mutter ließ sich von der App eher ablenken. Das Anlegen des Druckverbands hat dreieinhalb Minuten gedauert – etwas zu lang bei einer echten Verletzung. Der Verband hätte etwas straffer gebunden werden müssen, sonst war der Arzt mit dem Ergebnis zufrieden.

Test 2: Die Hausmittel-App bei Übelkeit

Die App mit den Hausmitteln hat gegen Übelkeit und Erbrechen zu Tees und Hühnersuppe geraten, passende Rezepte inklusive. Doch wird ein Kind so wieder gesund? Bei einer Magen-Darm-Infektion sind Medikamente nicht unbedingt nötig, solange die Kinder ausreichend trinken. Die Hausmittel-Tipps der Apps hätten ausgereicht. Sollte allerdings nicht zügig eine Besserung eintreten, sollte das Kind lieber doch vom Arzt untersucht werden. Schließlich können Schmerzen und Übelkeit auch andere Ursachen haben.

Test 3: Hausmittel gegen Ausschlag

Auch dafür hat die Hausmittel-App nützliche Tipps: Bäder, Lotionen und Kompressen. Der Kinderarzt Dr. Stapenhorst ist jedoch skeptisch. Denn ein Ausschlag kann zum Beispiel bei Scharlach auftreten. Und diese Krankheit muss mit Antibiotika behandelt werden. In diesem Fall wäre die Behandlung ausschließlich mit Hausmitteln sogar gefährlich. Das Problem dabei: Solche Krankheiten lassen sich nicht selbst diagnostizieren.

Das Fazit des Kinderarztes zu den Hausmittel- und Notfall-Apps

Es spricht nichts dagegen, solche Apps begleitend zu verwenden. Das Problem gerade bei Kindern ist, zu unterscheiden und sich wirklich sicher zu sein, ob sich hinter einem vermeintlich harmlosen Symptom nicht doch etwas Ernstes verbirgt. Dafür ist es manchmal notwendig, einen Arzt hinzuzuziehen.

Und es gilt immer: Lieber einmal mehr den Notarzt anrufen und sich Hilfe holen als sich nur auf eine Notfall-App zu verlassen. Und noch ein Tipp: Insbesondere für alle, die Kinder haben, empfiehlt das rote Kreuz alle vier Jahre den erste Hilfe Kurs aufzufrischen.

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