Nina Hagen wird 60: Schrill, laut und immer für eine Überraschung gut

Nina Hagen provozierte mit Masturbation in Talkshow

Nina Hagen wird am 11. März 60 Jahre alt. Sie findet das "wahnsinnig alt", zelebrierte den Geburtstag trotzdem mit einem Konzert vor hunderten Fans in Berliner Ensemble. Die Sängerin ist so schrill und eigen wie keine andere deutsche Künstlerin. Sie folgt niemals irgendwelchen Trends – und erstaunt immer wieder aufs Neue.

Nina Hagen wird 60
Nina Hagen feiert ihren 60. Geburtstag und findet sich "wahnsinnig alt" © dpa, Bernd von Jutrczenka

Von Christiane Mitatselis

Nina Hagen hat Humor: "In wenigen Stunden werde ich offiziell dem Seniorenklub angehören", rief sie dem Publikum zu, als sie in den runden Geburtstag hinein feierte. Ihr Selbstbewusstsein ist trotzdem stabil. Zu ihrer Arbeit befragt, sagte sie anderer Stelle unlängst: "Ich will keine Hits produzieren, ich bin der Hit." Und damit hat sie Recht. Man könnte auch sagen: Nina Hagen ist als Künstlerin und Mensch so einzigartig wie ihre Stimme, die vier Oktaven umfassen soll.

Geboren wurde sie 1955 in Ostberlin als Tochter der Schauspielerin Eva Maria Hagen und des Drehbuchautors Hans Oliva-Hagen. Die Eltern trennten sich bald, der Liedermacher Wolf Biermann, neuer Lebenspartner ihrer Mutter, wurde ihr Ziehvater. Als Biermann 1976 aus der DDR ausgewiesen wurde, emigrierte sie ebenfalls in die Bundesrepublik. Sie hatte damals schon angefangen, als Sängerin aufzutreten und gründete 1977 die Nina Hagen Band, 1978 erschien die erste Platte mit Hits wie "Ich glotz TV", "Unbeschreiblich weiblich" oder "Auf’m Bahnhof Zoo".

Nina Hagen war nicht mehr zu stoppen. Es war der Anfang einer Weltkarriere, in den USA, in Südamerika - überall in der Welt fand sie mit ihrer wunderbaren Stimme, ihrer schrillen Schminke und den extravaganten Kostümen Fans. Ihre 1981 geborene Tochter Cosma Shiva nahm sie mit auf ihre Tourneen, manchmal zeigte sie sich mit dem Baby auf dem Arm auf der Bühne. Sohn Otis kam 1990 zur Welt.

Während im Ausland immer ihre Musik und das Schaffen der Künstlerin Nina Hagen im Vordergrund stand und steht, sorgte sie im deutschsprachigen Raum immer auch mit sonstigen Auftritten für Aufsehen. Zum Beispiel mit ihrer berühmten Masturbations-Einlage. Im Jahr 1979 demonstrierte sie in einer österreichischen Talkshow, wie Frauen sich selbst befriedigen können. Es war ein Skandal, der Talkmeister durfte die Sendung nicht mehr moderieren.

Nina Hagen: "Ich fasse keinen Mann mehr an"

2005 geriet sie bei 'Maischberger' mit der Politikerin Jutta Dittfurth aneinander, die sich erdreistet hatte, Nina Hagen als "esoterisch durchgeknallt" zu bezeichnen. Hagens Replik: "Ich finde es furchtbar, was diese dicke Frau mit mir macht. Jutta Ditfurth ist eine blöde, blöde Kuh. Mit dir werde ich nie wieder reden in der Öffentlichkeit."

Das Wort "esoterisch" hatte Dittfurth nicht ohne Grund gewählt. Nina Hagen spricht gern von Ufos, von kosmischen Energien, von Begegnungen mit Gott und Erleuchtung. Mit 54 Jahren ließ sie sich taufen. "Ich bin in meinem 17. Lebensjahr auf einem LSD-Trip plötzlich durchs Universum geschleudert worden, in einen Höllenbereich. Und da habe ich mich erinnert, dass man Gott um Hilfe rufen kann", sagte sie in einem Interview zu ihrem Geburtstag.

Immer wieder muss man sich fragen, ob sie das alles ernst meint? Oder ob sie einfach immer das sagt, was ihr durch den Kopf schießt? Es ist schwer zu sagen; sicher ist: Nina Hagen ist eine freie Frau, die nicht auf ihre Rechte pocht, sondern sie sich nimmt. Sie macht das, was sie will, ohne Trends zu folgen. Während sich ältere berühmte Damen wie Madonna (56) gern mit jugendlichen Lovern schmücken, hat sie daran kein Interesse mehr. Früher hatte sie jüngere Männer, nun sagt sie: "Seit mehr als zehn Jahren fasse ich keinen Mann mehr an. Jetzt habt ihr alle keinen Grund mehr, euch das Maul über meine Beziehungen zu zerreißen."

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