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Neuer Partner mit Kind: Wie kommen Kinder mit dem neuen Elternteil klar?

Partnerwechsel
Neuer Elternteil © deutsche presse agentur

Neuer Partner mit Kind - was sollte man beachten?

Baby Amelia ist gerade mal ein halbes Jahr alt. Ihre Eltern – die Dschungelcamp-Stars Kim Gloss und Rocco Stark - haben sich vor zwei Monaten getrennt. Jetzt scheint es im Leben von Kim einen Neuen zu geben – und damit irgendwie auch im Leben von Amelia. Spürt so ein kleines Wesen, wenn Mama eine neue Liebe hat? Mit welchen Problemen werden Kinder konfrontiert, wenn ein Elternteil sich für einen neuen Partner entscheidet? Verkraften Kleinkinder, Schulkinder oder Pubertierende den Neuzugang in der Familie am leichtesten? Und soll der Neue sich besser raushalten oder ein Ersatzpapa werden? Über diese Fragen haben wir mit Monika Czernin gesprochen. Die erfolgreiche Buchautorin (u.a. "Glückliche Scheidungskinder") arbeitet auch als Coach für Familien in Trennungs- und Scheidungssituationen.

Ursula Willimsky

Große Behutsamkeit ist das Wichtigste, sagt Czernin, wenn es darum geht, einen neuen Mann ins Familienleben zu integrieren. Die Bedürfnisse des Kindes sollten nach wie vor an erster Stelle stehen. Gerade jetzt braucht es Geborgenheit.

Denn im ersten Verliebtsein fließt viel - manchmal zu viel - Energie in Richtung Partner: Stundenlange Telefonate. Styling-Orgien. Abends plötzlich ganz oft ein Babysitter, der einen ins Bett bringt. Doch nur wenn die Mutter für das Kind nach wie vor ähnlich verfügbar ist wie in der Zeit vor den Schmetterlingen im Bauch, sind die besten Voraussetzungen gegeben, dass "der Neue" in der Familie ohne größere Probleme aufgenommen wird, sagt Czernin. Denn dann muss das Kind sich keine Sorgen macht, dass es seine Mutter verliert.

Vor allem, wenn es im Vorschul- oder Schulalter ist. Ein Schulkind stellt sich nicht leicht auf einen neuen Partner ein. Es hat vielmehr Angst, dass ihm Mama oder Papa weggenommen wird, denn "es ist extrem an die Eltern gebunden." Kinder, so die Mediatorin, sind von der Liebe der Eltern abhängig. Und sie spüren, wenn sich bei den Eltern etwas verändert. Ab einem gewissen Alter ahnen sie, dass der Typ, der sich öfter mit Mama trifft, mehr ist als ein Kumpel. Jetzt gilt es, ihnen zu zeigen, dass sie keine Angst haben müssen, das man sie weiterhin liebt, "was am besten gelingt, wenn man sich schon lange vor einer neuen Liebschaft präventiv auf so eine Situation vorbereitet hat."

Für Kinder ist der Partnerwechsel in keinem Alter leicht

Die Mediatorin rät deshalb Frauen, auf jeden Fall sicher zu gehen, dass die neue Beziehung eine stabile ist: "Wird der neue Partner zu früh vorgestellt und danach geht die Beziehung in die Brüche, muss das Kind nach der Scheidung schon wieder eine Trennung verarbeiten. Und das bedeutet für das Kind großen psychischen Stress." Schließlich sei das Auftauchen des neuen Partners auch für das Kind mit Ängsten, aber auch Hoffnungen verknüpft. Eines ist Czernin in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Mamas neuer Freund sei im Normalfall kein neuer Papa. Sondern eben Mamas neuer Freund. Und vielleicht ein neues Mitglied der Familie.

Damit es mit dem klappt ("das Problem sind meistens die Erwachsenen, nicht die Kinder") sei es wichtig, dass die Kinder Liebe, Geborgenheit, Zuneigung spüren. Indem man diese Liebe lebt, nicht nur in Worte fasst.

Taten statt Worte – ein Tipp auch für den neuen Lebensgefährten. Immer vorausgesetzt, er ist tatsächlich daran interessiert, sich in die neue Familie zu integrieren. Ein Baby braucht Geborgenheit und Bindung, das kann auch er ihm geben mit Knuddeln und Windeln-Wechseln.

Beim Schulkind wird es schwieriger, aber machbar. Mit dem Fünfjährigen kicken gehen und mit der Achtährigen das ultraschwere Puzzel mit den vielen Teilen bauen, sind Taten, die signalisieren: "Ich will dein Freund sein!" Oft ist schon der erste Eindruck entscheidend. Wer beim Antrittsbesuch nur Augen für die Mutter hat und die Kinder unbeachtet daneben sitzen lässt, wird ihnen nur schwer vermitteln können, dass er wirklich zur ganzen Familie gehören will. Und wer in einer früheren Familie wegen des Jobs oder wegen zeitintensiver Hobbys kaum präsent war und dieses Lebensmodell in der "neuen" Familie weiterführt, wird wohl außen vor bleiben, so die Expertin: In der alten Familie wies ihm der Vaterstatus einen Platz unangefochten zu – in der neuen Familie "wird er zum Problem."

Aber selbst, wenn er durch die neue Lebensgefährtin mit angeblich ach so ruppigen Teenagern konfrontiert ist, kann der Start in eine neue Familie funktionieren. Pubertierende seien ohnehin dabei, sich von den Eltern zu lösen, insofern sei ihnen ein neuer Partner vielleicht "egaler" als jüngeren Kindern.

Anderseits "erwarten Pubertierende sehr viel von der Liebe", so Czernin, "und übertragen diese Erwartungen auch auf die eigene Familie." Bei ihnen ist die Angst, verlassen zu werden, kleiner. Dafür die Kritik größer. Der Schlüssel zum Herzen eines dieser Kaktusse kann es sein, sich Zeit für ernsthafte Gespräche zu nehmen. Ein Schlüssel im übrigen, der in jeder Form von Beziehung ganz gut passt.

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