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Neuer Gesundheitsbericht: Wer arm ist, stirbt bis zu 11 Jahre früher

Neuer Gesundheitsbericht: Wer arm ist, stirbt bis zu 11 Jahre früher
Statistiken zeigen: Wer nicht viel besitzt, hat eine deutlich geringere Lebenserwartung. © dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Geldsorgen führen zu existenziellen Problemen

Eigentlich ist die Botschaft des Berichtes 'Gesundheit in Deutschland 2015' ganz positiv - es sterben weniger Menschen an Krebs, der überwiegende Teil der Deutschen fühlt sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) fit und wird immer älter. Wenn da nicht dieser wirklich alarmierende Aspekt wäre: Wie lange wir leben, hängt stark mit unserem Kontostand zusammen. Sozial Schwache sterben durchschnittlich acht bis elf Jahre früher, als Menschen ohne Geldsorgen.

Rund 130 Wissenschaftler haben drei Jahre an dem 384-seitigen Bericht gearbeitet und Zahlen des Statistischen Bundesamtes analysiert. Ihr Fazit: Die soziale Herkunft entscheidet mit über das gesundheitliche Wohl der Menschen. Je niedriger der soziale Status, desto häufiger tritt Übergewicht auf. Gutverdiener achten im Schnitt mehr auf ihre Gesundheit und leben deutlich länger. In Zahlen ausgedrückt: Frauen aus einem sozial schwachen Umfeld haben eine um 8,4 Jahre geringere Lebenserwartung als Bessergestellte, bei Männern beträgt der Unterschied sogar 10,8 Jahre. Ob ein Mensch im Osten oder im Westen der Bundesrepublik wohnt, ist laut RKI dagegen nicht mehr so entscheidend für den Gesundheitszustand.

In der (alternden) deutschen Gesellschaft bestimmen chronische Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-Beschwerden wie Rückenschmerzen, Krebs oder Diabetes das Krankheitsgeschehen. Infektionskrankheiten von Tuberkulose bis Masern verursachen zwar noch immer viele Krankheitsfälle. Doch 2013 rangierte unter den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland nur noch eine Infektionskrankheit: die Lungenentzündung.

Erfreulich: Es sterben weniger Menschen an Krebs

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind mit 39 Prozent weiterhin die häufigsten Todesursachen. In den vergangenen Jahrzehnten sanken jedoch - aufgrund besserer Prävention, Therapie und Versorgung - Neuerkrankungen und Sterblichkeit in diesem Bereich. Bei Krebs kam es zwar zu einem Anstieg der Neuerkrankungen um 16 Prozent, was vor allem auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen ist. Allerdings sind für die meisten Krebsarten die Sterblichkeitsraten zurückgegangen.

Ein Grundproblem unseres aktuellen Lebensstils ist den Wissenschaftlern zufolge der Bewegungsmangel. Viele Menschen essen zu viel und bewegen sich zu wenig. Die Folge sei häufig starkes Übergewicht (Adipositas). Starkes Übergewicht erhöht wiederum die Gefahr einer chronischen Erkrankung.

Bei jungen Männern vor allem ist der Anteil stark Übergewichtiger dagegen deutlich gestiegen. Auch bei Kindern und Jugendlichen hat der Anteil Übergewichtiger seit den 1990er Jahren zugenommen - der Anteil stark Übergewichtiger hat sich sogar verdoppelt. Heute sind fast ein Viertel der Erwachsenen und etwa sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen stark übergewichtig.

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