Neue Wege bei Erziehermangel: 5.000 Langzeitarbeitslose sollen umgeschult werden

800.000 Joblose erfüllen die schulischen Voraussetzungen

Der Vorschlag von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), entlassene Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Erzieherinnen umzuschulen, hatte für Aufsehen gesorgt. Tatsächlich gibt es großen Bedarf bei der Kinderbetreuung, will man bis 2013 den dann geltenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz realisieren. Unterstützung erhält die Ministerin nun vom Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, der erstmals konkrete Zahlen nennt.

Es fehlen etwa 14.000 Erzieher in Deutschland. Ab 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz
Mit intensiver Beratung könnten 5.000 Arbeitslose zu Erziehern und Erzieherinnen werden © picture-alliance/ dpa, Waltraud Grubitzsch

"Unter den Langzeitarbeitslosen haben wir etwa 800.000 Menschen, die zumindest die schulischen Voraussetzungen dafür erfüllen", sagte Alt der 'Rheinischen Post'. Bewerber benötigen mindestens die mittlere Reife. "Durch intensive Beratung können wir vielleicht rund 5.000 Arbeitslose für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers gewinnen."

Voraussetzung sei aber, dass nur jene Hartz-IV-Empfänger ausgebildet würden, die dies ausdrücklich selbst wünschen. Für einen solchen Beruf könne man sich nicht nach Aktenlage entscheiden. Es sei sinnvoll, wenn Interessenten erst mal ein Praktikum in einer Kita machten, um herauszufinden, ob dieser Beruf etwas für sie sei. Gegner des Vorschlags der Arbeitsministerin hatten kritisiert, den Erwerbslosen fehle es an der nötigen Qualifikation für diese anspruchsvolle Arbeit.

Es gibt nicht genügend Ausbildungsplätze

Tatsächlich hat die Debatte über den Mangel an Kita-Betreuern zu einer erhöhten Nachfrage und Beratungsbedarf bei den Arbeitsagenturen geführt. Heinrich Alt sagte, das Hauptproblem seien derzeit die nötigen Ausbildungskapazitäten. "Vor allem im Westen können nicht so viele Erzieherinnen ausgebildet werden, wie wir brauchen, weil schlicht die Plätze an zertifizierten Schulen fehlen." Bislang befinden sich 1.100 Arbeitslose in einer von der Bundesagentur geförderten berufsqualifizierenden Maßnahme. Noch wird die Aktion nicht von allen Bundesländern finanziell unterstützt.

Gerd Landsberg, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes machte unterdessen den Vorschlag, das Problem des Fachkräftemangels in den Kindergärten mit Hilfe der Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) zu lösen. Es sei sinnvoll, sie in den Einrichtungen einzusetzen. Mit einer höheren Zahl von Freiwilligen, die voll ausgebildete Erzieher unterstützen, könne die Anzahl der Kinder pro Kita-Gruppe gesteigert werden.

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