Neue Unterwäsche soll vor Vergewaltigung schützen: Sinnvoll oder sogar gefährlich?

Neue Unterwäsche soll vor Vergewaltigung schützen: Sinnvoll oder sogar gefährlich?

Anti-Vergewaltigungs-Slip schützt vor Sex - aber auch vor Gewalt?

Können Höschen vor Vergewaltigung schützen? Die Firma AR Wear behauptet genau das, und will jetzt Anti-Vergewaltigungs-Wäsche auf den Markt bringen. Das sorgt jetzt schon für einen Riesenwirbel. Können diese "Safer against Sex"- Schlüpfer Frauen wirklich vor Übergriffen schützen?

Wie das funktionieren soll, und warum manche sie sogar für gefährlich halten.

Von Dagmar Baumgarten

Zweifellos hat die Firma AR Wear Recht, wenn sie sagen, dass Frauen dringend vor Vergewaltigungen geschützt werden müssen. Sie glauben, dass ihre Wäsche das kann. Es sind Unterhosen, die verhindern sollen, dass man sie der Trägerin einfach runter reißen kann. Die Bündchen und der Schritt sind aus einem Material, das man weder zerschneiden noch zerreißen kann. Den quasi unkaputtbaren Bund öffnen, und damit den Slip hinunterziehen, kann nur die Trägerin selbst. Und zwar mit einem Mini- Schlösschen. Es hat etwas von einem Keuschheitsgürtel, und die Beschreibung provoziert irgendwie auch, dass vor dem inneren Auge sofort peinlich gefärbte Szenen auftauchen, in der die Worte "dringend", "Toilette", und "Schlüssel verloren" vorkommen. Oder "romantisch", "erste Nacht", und "Schloss klemmt".

Es gibt aber zahlreiche Frauen, die sehr gemischte Gefühle beim Anblick dieser Wäsche haben. Unangenehm ist es allemal, weil es einen daran erinnert, dass man anscheinend in einer Welt lebt, wo Vergewaltigungen so wahrscheinlich sind, dass man sich besser schützen sollte. Alleine diese Vorstellung ist ja schon beklemmend genug. Doch auch die Wäsche selbst vermittelt potentiellen Trägerinnen nicht unbedingt Sicherheit, sondern schürt ganz andere Ängste: Ihr häufigster Einwand: Was passiert denn, wenn eine Frau wirklich in eine Situation kommt, dass ein Mann mit aller Gewalt Sex will? Man muss es klar sagen: Vergewaltiger sind Verbrecher, und leider gefährlich. Wenn so ein Mensch mit einem gestörtem Sozialverhalten es nicht schafft, den Slip zu entfernen, um an sein Ziel zu kommen, wie reagiert er? Gibt er dann wirklich entnervt auf? Oder ist er nicht so enthemmt, und von Adrenalin durchflutet, dass er aus Wut sein Opfer erst recht schwer verletzt, oder sogar tötet?

Pfefferspray und Co. kann auch gegen das Opfer verwendet werden

In Indien, wo Vergewaltigungen für Frauen eine ständige Bedrohung sind, tüfteln Studenten jetzt ebenfalls an Anti-Vergewaltigungswäsche. Diese setzt allerdings auf Angriff. Sie ist mit Strom ausgestattet, und versetzt dem Angreifer einen ordentlichen Schlag. Damit die Frau nicht selbst unter Strom gesetzt wird, ist die Wäsche an der Unterseite mit einer Schutzschicht ausgestattet. Hier könnte die Schock- Wirkung wirklich abschrecken.

Noch sind die indischen Studenten allerdings in der Prototyp- Phase. Auch AR Wear wirbt weiter bei der Croundfunding Campagne IndieGogo.com um finanzielle Unterstützung , um ihre Anti-Vergewaltigungs- Wäsche in die Läden zu bringen.

Natürlich ist alles gut, was Frauen gegen Übergriffe Schutz bieten kann. Man sollte sich aber auf die trügerische Sicherheit nicht verlassen. Leider ist eine Frau einem Mann, insbesondere einem Mann mit erhöhtem Gewaltpotential, immer unterlegen. Auch wenn vielleicht einige Vergewaltiger ihr Vorhaben wirklich irritiert abbrechen, wenn das vermeintlich wehrlose Opfer sich doch nicht so leicht beherrschen lässt - verlassen sollte sich darauf lieber keine Frau! Auch Waffen, oder Reizgas sind keine Hilfe. Denn alles was man nicht hundertprozentig, also wie ein echter Profi, quasi wie im Schlaf beherrscht, kann leider sehr schnell plötzlich gegen einen verwendet werden.

Es gibt Selbstverteidigungstechniken, die helfen könnten. Aber auch die muss man unbedingt und immer wieder trainieren, damit sie wirklich effektiv sind. Leider ist es auch heutzutage noch so, dass der wirksamste Schutz immer noch das Vermeiden von gefährlichen Situationen ist. Auch im Jahr 2013 gilt laut Polizei immer noch die Empfehlung: Abends, Nachts oder in einsamen und unübersichtlichen Gegenden sollten Frauen möglichst nicht alleine unterwegs sein.

Anzeige