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Neue Studie zeigt: Überstunden plus Haushalt macht vor allem Frauen krank

Frauen werden durch Haushalt und Überstunden schneller krank als Männer.
Zu viele Überstunden und der Haushalt machen krank. © Getty Images, sturti

Mädels, arbeitet euch nicht tot!

Anzahl der Überstunden = Risiko, ernsthaft zu erkranken. Die Rechnung ist denkbar einfach, hat allerdings im Kleingedruckten noch eine winzige Gemeinheit zu bieten: Der Hochrisikofaktor zu viel Arbeit übt nämlich besonders auf Frauen eine schädliche Wirkung aus – Männer stecken das irgendwie leichter weg. Sagt die Wissenschaft. Wir sagen: Unfair! Und fragen uns: Wie kann das sein?

Von Ursula Willimsky

Wieso haben Unmengen von Überstunden auf Frauen eine gesundheitlich teilweise bedenkliche Wirkung? (Es gibt da einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Überstunden und der Häufigkeit von Erkrankungen wie Krebs, Arthritis, Diabetes oder Herzerkrankungen.) Und weshalb scheint Männern eine wöchentliche Arbeitszeit zwischen 41 und 50 Stunden pro Woche sogar gut zu tun? (Das Malochen schützt sie sogar in gewissem Umfang vor Herz- und Lungenerkrankungen oder Depressionen, nur die Arthritis trifft sie genauso.)

Wie kommt es, dass die mitunter schmunzelnd als 'starkes Geschlecht' titulierte Bevölkerungshälfte Mehrarbeit locker wegzustecken scheint, während wir darunter leiden? Dabei sind doch wir Frauen (Achtung: Klischee, macht aber nix, dient ja der Sache) die eigentlich Starken, die im Beruf alles geben und ohne zu Murren nachts um kurz vor zehn noch anfangen, die Bügelwäsche abzuarbeiten, weil dafür morgen keine Zeit ist?

Ja. Irgendwie ist mit diesem Beispiel die Frage nach dem Warum? ja schon beantwortet. Die oben genannte Gleichung müsste also wahrscheinlich korrekter so heißen:

Frauen müssen delegieren lernen

Arbeit bleibt schließlich Arbeit, auch wenn die entsprechenden Belastungen nicht immer mit Geld entlohnt werden. Wie wir jetzt wissen, können sie aber trotzdem die Gesundheit kosten. Wer im Job schon 50 Stunden und mehr schuftet und dann daheim noch einmal richtig eingespannt ist, häuft schnell ein riesiges Zeitbudget an, das ihm an die Substanz, die Nieren oder das Herz gehen kann.

"Besonders Frauen, die mehrere Rollen gleichzeitig zu stemmen haben, bekommen die Effekte intensiver Arbeit zu spüren. Und das schafft die Basis für eine Bandbreite von Krankheiten und Einschränkungen", betont auch Allard Dembe. Der Professor an der Ohio State University leitete die Langzeitstudie, die das Risikopotenzial von zu viel Arbeit für Frauen an den Tag gebracht hat.

32 Jahre lang haben er und seine Mitarbeiter berufstätige Männer und Frauen verglichen. Die Kernarbeitsjahre lagen bei den beobachteten Menschen in den siebziger und achtziger Jahren. "Jahre also, in denen noch nicht geklärt war, wer nun eigentlich die Hausarbeit zu erledigen hatte und diese somit in den meisten Fällen an der Frau hängenblieb", so die Forscher.

Nachher ist man immer schlauer. Vermutlich würde ein Großteil der betroffenen Frauen gerne noch mal die Uhr vierzig Jahre zurückstellen, um dann doch zeitnah zu klären, wer nun eigentlich die Hausarbeit erledigen muss. Aber zumindest kann man in der Gegenwart aus den Fehlern von früher lernen und sich fragen: Kann und muss ich wirklich alles allein und/oder in diesem Umfang leisten?

Was kann ich outsourcen? Zum Beispiel an den Gatten, falls vorhanden? Oder – ganz verwegen – an minderjährige Haushaltsmitbewohner? Oder kann ich vielleicht sogar nur so viel arbeiten, wie im Arbeitsvertrag steht? Möglichkeiten gäbe es viele, das Leben von ein paar Risikofaktoren zu befreien, hängt alles vom individuellen Blickwinkel ab. Und vielleicht kommt man ja auch zudem Schluss, dass alles gut ist, so wie es ist.

Trotzdem schön, dass uns die Studie aus Ohio in Zeiten des allgegenwärtigen Burnouts (der kommt ja gerne mal in der Gegenwart und nicht erst mit Jahrzehnten Verzögerung) daran erinnert hat, dass es ab und an nicht schadet, den Beipackzettel zum eigenen Leben nach Risiken und Nebenwirkungen zu durchzuforsten.

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