Neue Erkenntnis der Wissenschaft: Ehe macht depressiv

Neue Erkenntnis der Wissenschaft: Ehe macht depressiv
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Warum die Ehe depressiv macht

Eine Ehe kann Menschen anfällig für Depressionen machen, das haben amerikanische Psychologen in einer Langzeitstudie herausgefunden. Diese Erkenntnis in der Wissenschaft ist neu. Früher hieß es immer, verheiratete Menschen lebten grundsätzlich glücklicher und ausgeglichener als Singles.

Von Christiane Mitatselis

Psychologen und Soziologen der Universität Wisconsin haben das Thema Ehe und Depression über elf Jahre erforscht – ihr Ergebnis: Verheiratete sind häufig weniger zugänglich für positive Erfahrungen als ledige Menschen. Verantwortlich dafür sind Dauerstress und Spannungen in einer Beziehung, die in nicht wenigen Ehen auftreten. Wer ständigen Nörgeleien ausgesetzt ist, neigt dazu, schwarz zu sehen und kann das Leben weniger genießen als ein alleinstehender Mensch, der sich nur mit sich und seinen eigenen Problemen befassen muss.

Die Thesen der US-Psychologen sind für mich keine Überraschung. Meiner Einschätzung nach verlaufen von 100 Ehen höchstens 20 positiv. Im unglücklichen Normalfall sind nur die ersten zwei, drei Ehejahre glücklich, in der noch die Verliebtheit regiert und vieles überdeckt. Danach beginnt meistens das Elend, das so aussehen kann: Er wird bequem und strengt sich nicht mehr an, denn er ist ja verheiratet, die Frau läuft ihm schon nicht weg. Gern legen sich Männer dieser Art dicke Bäuche zu – nach dem Motto: Meine Frau liebt mich, wie ich bin.

Wer heiratet, braucht Glück

Das wiederum hat zur Konsequenz, dass die Gattin immer unzufriedener wird, an ihm herumnörgelt und sich bei den Freundinnen ausheult: Er hängt nur auf dem Sofa, er kümmert sich um nichts, er lässt die Frau alles machen, er schaut dauernd Fußball, trinkt zu viel Bier, wird immer dicker und fauler. Der gescholtene Faulpelz kann das Gemecker irgendwann nicht mehr hören, schaltet auf Durchzug und wird noch lethargischer. Eine Trennung wäre die logische Konsequenz, doch das ist meistens nicht so einfach – wegen der Kinder, der Kredite fürs Haus und fürs Auto. So kann eine Ehe zur Hölle werden und depressiv machen.

Wer trotzdem heiratet, braucht Glück. Es gibt Menschen, die gut zusammen passen und sich ergänzen. Doch einen solchen muss man erst einmal finden. Da sich viele Menschen ab einem gewissen Alter, das so um die 30 liegt, in der Pflicht sehen und eine Ehe schließen, weil das von der Gesellschaft so vorgesehen ist und sie Kinder wollen, heiraten sie denjenigen, der sich gerade anbietet, also den aktuellen Lebensabschnitts-Gefährten.

Die Chancen, dass es der Richtige ist, liegen meiner Meinung nach – wie gesagt – bei etwa 20 Prozent. Es ist eine sehr riskante Sache. Ich jedenfalls habe nie geheiratet, werde es nie tun – und zeige keinerlei Hang zur Depression.

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