Neue Bertelsmann-Studie: Hartz IV für zwei von fünf Alleinerziehenden

Eine neue Bertelsmann-Studie zeigt: Immer mehr Alleinerziehende beziehen Hartz IV
Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen. Sie sind besonders stark von Armut betroffen.

Immer mehr Alleinerziehenden in Deutschland droht Armut

Alleinerziehende in Deutschland sind besonders häufig von Armut bedroht. Eine aktuelle Bertelsmann-Studie belegt, dass zwei von fünf Alleinerziehenden Hartz IV beziehen. Ursache dafür seien die schlechten rechtlichen und familienpolitischen Bedingungen.

"Der Politik gelingt es nicht, die Lebenslage der Alleinerziehenden zu verbessern", erklärt Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte angesichts der Zahlen Steuerentlastungen für Alleinerziehende.

Die Studie wurde von der Darmstädter Juraprofessorin Anne Lenze erstellt. Ihr zufolge benachteiligt das Steuerrecht die Betroffenen. Außerdem greife der Staat Müttern nicht genug unter die Arme, wenn Väter ihren Unterhaltspflichten nicht nachkommen. Auch die Industrieländer-Organisation OECD hatte schon mehrfach die starke Abgabenlast von Alleinerziehenden in Deutschland kritisiert.

Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen

Rund 2,2 Millionen Kinder wachsen nach der neuen Studie inzwischen mit nur einem Elternteil auf. Die Tendenz sei steigend. Neun von zehn Alleinerziehenden sind demnach Frauen. In jedem zweiten Fall zahlten die Väter den Unterhalt nicht in voller Höhe. Zwar könnten die betroffenen Mütter als Ausgleich den sogenannten Unterhaltsvorschuss bei den Kommunen beantragen. Dieser sei jedoch auf maximal sechs Jahre und auf das zwölfte Lebensjahr beschränkt.

Schwesig sagte dem ZDF-Magazin "Wiso", Alleinerziehende müssten auch steuerlich entlastet werden, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Vor allem die Zahl der Kinder sollte künftig besser berücksichtigt werden. Weil Alleinerziehende in Deutschland zu denen gehörten, die besonders viel leisten, müssten sie besonders unterstützt werden, nicht nur mit Ganztags-Kitas und Ganztagsschulen.

Anzeige