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Nesselsucht und Co.: Alles über Hautallergien

Kontaktallergie
Hautallergien sind unangenehm. Viele Allergiker leiden unter dem Juckreiz.

Haut- und Kontaktallergie: Quaddeln bis Nesselsucht

Eine Allergie sucht sich mit ihren Symptomen nicht immer die Atemwege. „Man kann sagen, der Körper entscheidet sich“, erläutert der Kölner Hautarzt und Allergologe Klaus Enderer. „Zwar sehen wir bei Abwehrreaktionen gegen Pollen oft parallele Symptome der Haut und auch ein Wechsel zwischen Atemwegs- und Hautreaktionen ist möglich, doch nur bei einem kleinen Teil aller Allergiker ist in erster Linie die Haut betroffen“.

Von Daniele Erdorf

Die Erscheinungsformen reichen dabei von Rötungen über einzelne Quaddeln bis hin zur Nesselsucht (Urtikaria), die sich über den ganzen Körper ausbreiten kann. Beim so genannten Kontaktekzem reagiert die Haut dort, wo sie mit dem Allergen in Berührung gekommen ist. Zunächst tritt – wie bei jedem anderen Ekzem – eine juckende Rötung auf, gefolgt von Schwellungen. Auch nässende Bläschen, die anschließend verkrusten und verhornte Hautstellen zurücklassen sind möglich. Es dauert in der Regel ein paar Stunden oder Tage, bis die Reaktion einsetzt.

Wenn Cremes und Co. Probleme machen

„Frauen leiden häufiger an Kontaktallergien als Männer“, so Klaus Enderer. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Frauen tragen öfter Schmuck und benutzen mehr Kosmetika. Besonders weit verbreitet ist die Nickelallergie. Dermatologen raten deshalb: Wer Schmuck tragen, aber Abwehrreaktionen vermeiden will, sollte möglichst hochkarätiges Gold nehmen.

"Bei Körperpflegeprodukten sind vor allem die beigemengten Duftstoffe die Übeltäter", erklärt der Hautarzt. Dann folgen Creme- oder Salbengrundlagen, wie Wollfett und an dritter Stelle stehen Konservierungs- und Farbstoffe. Außerdem gilt als Faustregel: Je mehr Inhaltsstoffe Kosmetika haben, desto höher ist das Risiko allergisch darauf zu reagieren. "Auch wenn es nicht auf der Packung steht, Cremes enthalten schon mal 45 einzelne Wirkstoffe und mehr", erläutert Dermatologin Marianne Winterscheid. "Uns Hautärzten hilft dann manchmal nur, die Liste der Inhaltsstoffe bei den Herstellerfirmen zu erbitten und jede einzelne Substanz beim Patienten zu testen". Kollege Klaus Enderer ergänzt: "Das ist dann genau wie bei Kriminalisten akribische Detektivarbeit."

Bei Haarfärbemitteln ist besondere Vorsicht bei dunklen Farben geboten. Sie sind zum Teil aggressive Allergieauslöser. Begünstigt werden Hautreaktionen außerdem durch seelischen oder biologischen Stress, wie beispielsweise Kälte oder trockene Heizungsluft. Behandelt werden Kontaktallergien mit Antihistaminika und kortisonhaltigen Cremes, die vor allem in der Kurzzeittherapie sinnvoll und weitgehend nebenwirkungsfrei sind.

Hautallergien und Kontaktekzeme treten besonders oft in Berufen wie Friseur, Krankenhaus- und Pflegepersonal, Koch, Fotolaborant, Fliesenleger und Maler auf. Die Erkrankungen machen sich meist schon kurz nach dem Berufseinstieg bemerkbar und nicht selten müssen Lehrlinge ihre Ausbildung abbrechen. „Schon ein Mensch, der nicht in einem Risikoberuf arbeitet, ist täglich mit tausenden Chemikalien konfrontiert“, so Klaus Enderer. „Putzmittel machen dabei aber nicht unbedingt allergisch. Sie lösen häufiger toxische Schädigungen der Haut aus.“

Sonderfall Neurodermitis: Es ist keine Allergie

Nesselsucht und Co.: Alles über Hautallergien
Neurodermitis ist ein Sonderfall © picture-alliance/ dpa/dpaweb, Frank May

Neurodermitis ist keine Allergie im eigentlichen Sinne. Die Ursachen der Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht, aber eine genetische Vorbelastung spielt in jedem Fall eine Rolle. Neurodermitis macht sich durch ständigen, quälenden Juckreiz bemerkbar.

Oft kratzen sich die Patienten so auf, dass eine bakterielle Besiedlung der Haut folgt und es zu schlimmen Erscheinungsbildern kommt. Die Neurodermitis kann an einzelnen Stellen auftauchen, aber auch den gesamten Körper betreffen. Ob die Krankheit ausbricht, ist nicht nur von den Genen abhängig, auch äußere Faktoren wie Stress und natürliche oder künstliche Umwelteinflüsse müssen dazu kommen.

Bei Neurodermitikern reagiert das Immunsystem - ähnlich wie bei der Allergie - extrem überempfindlich, oft bei vielen verschiedenen Stoffen. Die Krankheit tritt meist schon bei Säuglingen auf und bleibt ein Leben lang bestehen. Neurodermitis ist bisher nicht heilbar, aber die Symptome können gelindert werden.

 

Tipps für Haut- und Kontaktallergiker

- Meiden Sie das Allergen.

- Waschen Sie sich mit seifenfreien Produkten.

- Meiden Sie Pflegeprodukte mit Duftstoffen und vielen verschiedenen Inhaltsstoffen.

- Prüfen Sie neue Pflegeprodukte erst an einer kleinen Hautstelle - am besten an der Innenseite des Unterarms - aus.

- Auch Naturkosmetika können Allergien auslösen. Vor allem Extrakte wie Vanillin, Zimt oder Eichenmoos-Öl sind allergen.

- Reagieren Sie auf Nickel, so sollten Sie Ihren Schmuck überprüfen. In Apotheken gibt es spezielle Tests zu kaufen, mit denen sich der Nickelgehalt prüfen lässt.

- Waschen Sie neue Kleidung, bevor Sie sie anziehen. So lassen sich überschüssige Farbreste auswaschen und das Allergierisiko wird gemindert.

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