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Nervenverbindungen im Gehirn: Warum Männer und Frauen verschieden sind

Nervenverbindungen im Gehirn: Warum Männer und Frauen verschieden sind
© dpa, Armin Weigel

Unterschiedliche Verknüpfungen

Eigentlich haben wir das doch eh alle gewusst: Männlein und Weiblein ticken unterschiedlich. Wissenschaftler meinen nun endgültig belegt zu haben, dass Gehirnzellen von Männern und Frauen anders verdrahtet sind.

Der Unterschied ist die Menge der Kontakte der Hirnzellen zwischen und innerhalb der Hirnhälften. Während es bei Frauen mehr Austausch zwischen den beiden Hirnhälften gibt, pflegen die männlichen Gehirnzellen mehr Kontakt innerhalb einer Hälfte. Das berichten US-Forscher im Fachblatt ‚Proceedings of the National Academy of Sciences'.

Untersucht wurden 949 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Alter von 8 bis 22. Für die Auswertung wurde das Gehirn von den Forschern in 95 Unterbereiche unterteilt.

Die Studie ergab, dass die Unterbereiche des Gehirns bei Männern besonders für eine Kommunikation innerhalb der eigenen Gehirnhälfte optimiert sind. Einzelne Unterbereiche wiesen mit den benachbarten Bereichen viele Verknüpfungen auf. Das männliche Kleinhirn hingegen weist viele Nervenverbindungen zwischen den beiden Gehirnhälften auf.

Wie sind Frauengehirne verdrahtet?

Bei Frauen ist es genau anders herum: Die Verbindungen der Hälften außerhalb des Kleinhirns sind zahlreich, im Kleinhirn kaum vorhanden. Mit steigendem Alter soll sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern sogar noch verstärken, so die Forscher.

Die unterschiedliche Nutzung des Gehirns kam unter anderem bei der Bewertung von Gemälden ans Tageslicht: Während Männer nur eine Hälfte zur Bewertung der Werke einsetzten, fand bei Frauen ein Austausch der Informationen zwischen beiden Hemisphären statt.

Welcher Schluss kann also aus der neuen Erkenntnis gezogen werden? Männer können räumliche Informationen besser verarbeiten und können diese besser in koordinierte Handlungen umsetzen. Frauen können dafür besser analytische und intuitive Informationen miteinander in Verbindung setzen – sie merken sich Gesichter und Wörter schneller, sind oft aufmerksamer und haben ein besser ausgeprägtes soziales Erkenntnisvermögen.

Die Vorurteile, dass Männer besser einparken und Frauen einfühlsamer sind, scheinen damit also tatsächlich wissenschaftlich bewiesen worden zu sein - doch es gibt auch andere Studien.

Viele Neurobiologen und Psychologen distanzieren sich mittlerweile von solch starren Rollenzuweisungen: Der britische Psychologe Harry Reis der Universität Rochester verneint zwar nicht, dass die Gehirne von Männern und Frauen tatsächlich strukturelle Unterschiede aufweisen, dadurch lassen sich aber nicht zwingend typisch männliche oder weibliche Verhaltensweisen ableiten.

Typisches Geschlechterverhalten werde auch anerzogen, meint Cordelia Fine, Psychologin an der Uni Melbourne. "Das Gehirn ist ein Fluidum, es entwickelt sich durch Interaktion mit der Umwelt." Da Hirnscan-Studien immer nur eine Moment-Aufnahme abbilden, seien sie auch immer mit einem gewissen Vorbehalt zu betrachten.

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