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'Nein' ist kein Freifahrtsschein - Komikerin postet gegen 'Victim Blaming'

Alice Brine spricht sich gegen 'Victim Blaming' aus.
Komikerin Alice Brine dreht in ihrem Facebook-Post den Spieß einfach um. © Alice Brine

Mehr als 170.000 Likes bekam Alice bereits für ihren Post gegen 'Victim Blaming'

Nein heißt nein – eigentlich klar, oder? Leider ist die Bedeutung anscheinend nicht jedem bewusst. Immer noch wird Vergewaltigungsopfern häufig vorgeworfen, dass sie sich nicht eindeutig genug ausgedrückt haben und darum selbst Schuld an dem Missbrauch seien. Die Komikerin Alice Brine hat das Thema nun in ihrem Facebook-Post aufgegriffen: Die Neuseeländerin dreht den Spieß einfach um – und zieht treffende Parallelen zu einem tragischen Thema.

Anfang Juli beschloss der Bundestag die Änderung des Sexualstrafrechts in Deutschland. Setzt sich der Täter über den 'erkennbaren Willen' des Opfers hinweg, macht er sich strafbar – 'Nein heißt Nein'! Fälle wie der um Gina-Lisa Lohfink führten zuvor zu einer bundesweiten Diskussion um das geltende Sexualstrafrecht. Doch die Debatte beschränkt sich nicht auf Deutschland. Auch in den USA werden Fälle sexueller Übergriffe stark diskutiert. Hier wurde ein Vergewaltiger kürzlich zu nur sechs Monaten Haft verurteilt. Dem Opfer wurde eine Mitschuld vorgeworfen – aufgrund von Alkoholkonsum.

Doch wie kann es sein, dass tatsächlich über das Wort 'Nein' diskutiert werden muss? Wie ist es möglich, dass trotz eines eindeutigen Wortes nicht jedem klar zu sein scheint, was gemeint ist? Das dachte sich auch Komikerin Alice Brine als sie einen sehr passenden Vergleich postete:

"'Nein' könnte alles bedeuten"

"Ich werde anfangen, mir jeden Abend einen betrunkenen Typen mit nach Hause zu nehmen und dann klaue ich diesen Typen alles. Alles, was sie besitzen. Aber es wird nicht meine Schuld sein... sie waren ja betrunken. Sie hätten es besser wissen sollen.

In 90% der Fälle werde ich einfach so damit davonkommen - und wenn mich dann ein mutiger Mann vor Gericht schleift, werde ich argumentieren, dass ich einfach nicht sicher war, dass er das auch wirklich so gemeint hat, als er 'Nein, klau' meinen Audi nicht' gesagt hat. Ich war einfach nicht sicher, ob er das so gemeint hat. Ich habe gesagt: 'Kann ich bitte deine Gucci Uhr klauen?' Er hat gesagt, 'Nein', aber ich war mir einfach nicht sicher, ob er das so gemeint hat.

Er war betrunken. Er hat sich das selbst zuzuschreiben. Ihr hättet sehen sollen, wie er sich für den Club aufgebrezelt hat, teure Klamotten und Schuhe. Was für eine Botschaft sendet er denn damit? Ich dachte, er wollte, dass ich ihm all seine Sachen klaue. Er hat förmlich darum gebeten. Als er 'Nein' gesagt hat, dass ich nicht all seine Sachen nehmen solle, war ich einfach nicht sicher, ob er das auch so meint. 'Nein' ist einfach nicht sachlich genug, das könnte alles bedeuten."

Alice bringt den Irrsinn über die Diskussion, wann 'Nein' auch 'Nein' bedeutet, auf den Punkt. Der zunächst witzige Vergleich verdeutlicht, wie absurd Rechtfertigungen für sexuelle Übergriffe sind. Denn tatsächlich ist 'Nein' vermutlich das eindeutigste Wort überhaupt und alles andere als ein Freifahrtsschein für sexuelle Übergriffe.

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