Nationalhymne in Österreich: Jetzt auch mit Frauen!

Nationalhymne in Österreich: Gleichberechtigung
© picture-alliance/ dpa, epa apa Harald Schneider

Österreich mit "neuer" Nationalymne

In Österreich wird die Bundeshymne neu geschrieben: Ab 2012 dürfen auch "große Töchter" das "Land der Berge, Land am Strome" ihre Heimat nennen. Vorausgegangen war ein jahrzehntelanger Streit.

Von Jutta Rogge-Strang

Die österreichische Bundeshymne wurde von einer Frau getextet, von vielen Frauen gesungen - doch Erwähnung fanden in dem Lied bislang nur die Männer. Bisher tönte es getragen zu allen großen Anlässen: "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne." Damit ist nun Schluss, ab Januar heißt es: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne."

Textänderung zur Gleichberechtigung der Frau

Jahrzehntelang gab es Streit um die Änderung. Sogar Pop-Sängerin Christina Stürmer, die eine "gleichberechtigte" Version der Hymne gesungen hatte, musste sich vor Gericht verantworten: Die Erben der Text-Dichterin Paula Preradovic wollten Stürmer dazu zwingen, in ihrer rockigen Version den Zusatz "und Töchter" wegzulassen. Nach einem Jahr Verhandlungen wies der Oberste Gerichtshof in Wien die Urheberrechts-Klage endgültig ab.

Noch im Sommer hatte es auch im Nationalrat einen Riesen-Ärger um die Änderung gegeben: Mit einem Geheimantrag wollte Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat von der konservativen ÖVP gemeinsam mit allen Parlamentarierinnen der SPÖ und den Grünen Fakten schaffen. Doch der Plan sickerte durch - die ÖVP-Männer stellten sich quer. Stundenlang hielten sie absichtlich Endlos-Reden im Parlament, so dass Rauch-Kallat, die als letzte Rednerin geplant war, schlicht und einfach nicht zu Wort kam.

Schließlich lenkte die Parteiführung ein, und so durften sich die Abgeordneten nach der Abstimmung die von einem Kirchenchor gesungene neue Hymne anhören. Geändert wurde auch die dritte Strophe der Bundeshymne: Statt "Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun "Jubelchöre" besungen.

Gleichberechtigung auch bei deutscher Nationalhymne?

Wäre bei der deutschen Nationalhymne nicht auch mal ein kritischer Blick angebracht? Wir streben brüderlich nach Einigkeit und Recht und Freiheit. Wo bleibt die Schwester? Hmmm. Und das blühende Vaterland ist schön und gut, aber wo bleibt die Mutter? Tja...

Das Streben nach Gleichberechtigung hat allerdings auch schon andere Bereiche erfasst: Sogar beim Wetter hatte es Ärger gegeben, da die "negativen" Tiefdruckgebiete immer Frauennamen bekamen, die "positiven" Hochdruckgebiete aber Männernamen. Erst seit 1998 erfolgt die Namensvergabe im jährlichen Wechsel. Und auch daran haben wir uns gewöhnt – schwer war es nicht. In Österreich stellen die Männer aber auf stur: "Wir singen, was wir wollen."

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