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Namensforschung: Ein zweiter Vorname wirkt Wunder!

Hand signing documents with a Fountain Pen - The Signature is not real so does not require a release
Englische Psychologen haben sich mit dem Einfluss des Initials oder eines zweiten Vornamens beschäftigt - mit interessantem Ergebnis. © iStockphoto, Anthia Cumming

Mit einem Mittelinitial für den zweiten Vornamen lässt sich Eindruck schinden

Der aktuelle Präsident der USA nennt sich Donald J. Trump - das J. steht für John. Das sogenannte "Mittelinitial" ist besonders im angelsächsischen Raum sehr beliebt. Und offenbar kann man mit diesem einfachen Namenstrick ordentlich Eindruck schinden. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die ihren zweiten Vornamen in der abgekürzten Form einsetzen, von ihren Mitmenschen unbewusst als intelligenter eingestuft werden.

Von Christiane Mitatselis

Sozialpsychologen der University of Southhampton in England ließen ihre Probanden, 85 Studenten, einen Text über Einsteins Relativitätstheorie beurteilen. Mal hieß der Autor simpel David Clark, mal David C. Clark oder David C. P. Clark, die Texte waren jedoch identisch - das Ergebnis: Die Autoren mit Mittelinitial bekamen deutlich bessere Noten, ihre Texte wurden als wertvoller eingestuft.

Wichtig sei allerdings der Zusammenhang, stellten die Forscher fest. Ein Fußballer, der sich plötzlich Harald P. Meier nennt, wirke eher lächerlich. Eindruck mache das Mittelinitial ausschließlich im intellektuellen Kontext. Also zum Beispiel bei Schriftstellern, Politikern oder Anwälten.

Einen konkreten Grund dafür nennen die Wissenschaftler nicht. Deshalb hier eine These: Es könnte damit zusammenhängen, dass Adlige stets über lange Namen verfügen. Zum Beispiel heißt der britische Prinz Harry mit vollem Namen Prince Henry Charles Albert David of Wales. Und sein Bruder, der Thronfolger William, nennt sich: Prince William Arthur Philip Louis, Duke of Cambridge. Zweite Vornamen weisen auf Familientradition hin. Kürzt man sie ab, so deutet man an, dass man mehr zu bieten hat als nur einen Vor- und Familiennamen.

Den Vornamen lieber ausschreiben oder abkürzen?

Sollte man sich also an einen zweiten Vornamen erinnern, der vielleicht im Pass steht und nie zum Einsatz kommt? Sollte man ihn künftig nutzen, um Eindruck zu schinden? Zum Beispiel in einer Bewerbung?  

Der Mittelinitial-Gebrauch stammt aus dem angelsächsischen Raum, einige berühmte US-Präsidenten trugen ein Mittelinitial im Namen: John F. Kennedy und Franklin D. Roosevelt zum Beispiel. Hierzulande ist die Sitte weniger verbreitet, ein Mittelinitial wirkt leicht hochtrabend. Theodor W. Adorno ist Ordnung, der Mann war ein berühmter Philosophie-Professor und Musikkritiker, sein Name hat einen besonderen Klang. Und er stand nicht im Verdacht, ein Aufschneider zu sein.

Beim TV-Moderator Johannes B. Kerner hat das Mittelinitial dagegen schon einen wichtigtuerischen Touch. Genauso wie etwa Kevin S. Schmitz oder Sabrina M. Meier. Warum nicht einfach den zweiten Vornamen ausschreiben? Namen wie Kevin Simon Schmitz oder Sabrina Maria Meier klingen auf jeden Fall natürlicher und weniger aufgesetzt als die jeweiligen Mittelinitial-Versionen.

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