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Namensänderung: Wer gibt den Namen nach der Hochzeit ab?

Namen annehmen
Wessen Nachnamen wählt man nach der Hochzeit? © dpa, Michael Kappeler

Sollte man nach der Hochzeit den Namen vom Partner annehmen?

Christina Obergföll ist eine glückliche Frau. Nach vielen zweiten, dritten und vierten Plätzen hat die deutsche Speerwerferin in Moskau endlich eine WM-Goldmedaille errungen. Sie gewann nebenher eine Wette. Christina Obergfölls Freund und Trainer Boris Henry wird bei der anstehenden Hochzeit ihren Nachnamen annehmen. Er wird also bald Boris Obergföll heißen, wäre seine Verlobte nicht Weltmeisterin geworden, dann hätte sie nach der Hochzeit gemäß der Wette unter Christina Henry firmieren müssen. Die künftigen Eheleute Obergföll gehören in Deutschland einer Minderheit an.

Von Christiane Mitatselis

Es gibt zwar keine offiziellen Namenswahl-Statistiken, diversen Umfragen zufolge nehmen aber nur fünf Prozent der verheirateten Paare den Nachnamen der Frau als Familiennamen an – was seit 1991 möglich ist. 80 Prozent entscheiden sich in althergebrachter Art für den Namen des Mannes. Die restlichen 15 Prozent wählen entweder einen Doppelnamen – oder es bleibt jeder bei seinem Nachnamen. In den beiden letzteren Fällen muss sich das Paar auf einen Familiennamen für den Nachwuchs einigen, der kein Doppelname sein darf.

Daraus resultiert die Frage, warum sich nur so wenige Paare für den Namen der Frau entscheiden? Wo die Emanzipation doch angeblich so weit fortgeschrittenen ist in unserer modernen Welt.

Noch immer zieren sich Männer IHREN Namen anzunehmen

Fragt man unter Bekannten herum, so kristallisiert sich folgende Haupt-Tendenz heraus: Der Mann war dagegen, seinen Namen aufzugeben, denn er will, dass seine Kinder so heißen wie er. Die Frau fügte sich, da sie sich um diese Sache nicht streiten und außerdem nicht anders heißen wollte als die Kinder. Denn es gebe Wichtigeres im Leben als einen Namen. Etwa, ob er sich an der Hausarbeit beteilige, ob er tolerant und ein guter Vater sei. Manchmal schwingt in dieser Erklärung eine Portion Schuldbewusstsein mit – nach dem Motto: Wir wissen ja, dass diese Haltung nicht emanzipiert ist, aber so ist es halt...

Eine hundertprozentig einleuchtende Erklärung können dagegen Frauen heranführen, die durch die Ehe einen fürchterlichen Nachnamen loswurden – etwa Schweißfuß, Stink, Puff oder Fick. Jeder kann verstehen, dass sie nicht mehr so heißen wollen. Umgekehrt neigen Männer mit derartigen Namen wohl am ehesten dazu, sie aufzugeben.

Für andere Frauen kam es dagegen überhaupt nicht in Frage, den eigenen Nachnamen durchzusetzen, denn wenn man schon heirate, dann lebe man auch in traditioneller Art. Punkt.

Das Fazit: Bei der Weitergabe des Namens an die Nachfahren scheinen die deutschen Männer mehrheitlich auf stur zu schalten. Es käme für sie einem Tabubruch gleich, wenn ihre Kinder nicht ihren Namen trügen. Wahrscheinlich ist es für sie eine der letzten Bastionen mutmaßlicher Männlichkeit in einer Gesellschaft, in der die Rollen nicht mehr so klar definiert wie in früheren Zeiten. Frauen hingegen scheinen oft zu sagen: Seinen Namen kann er behalten, wenn er sich sonst gut benimmt. Streiten lohnt nicht.

In diesem Sinne haben Christina Obergföll und Boris Henry eine gleichermaßen friedliche und gerechte Lösung in der Namensfrage gefunden - nämlich eine Wette, über deren Ergebnis nicht mehr diskutiert werden kann, da es eindeutig ist. Vielleicht findet ihr Modell Nachahmer, denn wer streitet schon gern?

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