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Nacktbilder von Kindern: Verbot von Kinderfotos im Internet verunsichert Eltern

Nacktbilder von Kindern: Verbot von Kinderfotos im Internet verunsichert Eltern
© picture alliance / Golden Pixels, Golden Pixels LLC

Wann gelten Nacktbilder von Kindern als "bloßstellend"?

Darf ich meine nackten Kinder fotografieren? Oder komme ich dann in den Knast? Was stellt der Gesetzentwurf zur Kinderpornografie unter Strafe?

Jutta Rogge-Strang

Dass nach der Edathy-Affäre das Gesetz zur Kinderpornografie verschärft werden muss, war ja klar. Künftig soll es ein generelles Verbot unbefugt aufgenommener Nacktbilder geben, sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen in "bloßstellenden Situationen". Justizminister Heiko Maas (SPD) will im Prinzip alle Bilder von nackten oder leicht bekleideten Kindern verbieten, auch wenn sie keinen sexuellen Bezug haben. Aber was heißt das für Eltern? Werden sie bestraft, wenn sie ihre Kinder am Strand oder in der Badewanne fotografieren?

Bis jetzt waren – nach Paragraf 201a des Strafgesetzbuches - unbefugte Bilder innerhalb einer Wohnung oder eines besonders blickgeschützten Bereichs verboten. Diese räumliche Begrenzung soll nun aufgehoben werden, wenn es um nackte Kinder oder bloßstellende Situationen geht. Selbst wenn die Bilder keinen sexuellen Bezug haben, könnte den ja jemand für sich herstellen, und das soll verhindert werden.

Was sind aber bloßstellende Situationen? Wenn sich zum Beispiel ein nacktes Mädchen nach einem Spielzeug bückt und in diesem Moment gefilmt oder fotografiert wird, macht sich der Fotograf strafbar. In Zukunft muss er mit einer Haftstrafe bis zu fünf Jahren rechnen. Wer solche Bilder in Umlauf bringt oder bezieht, macht sich ebenfalls strafbar.

Ich frage mich, welche Eltern solche Fotos ihrer Kinder ahnungslos im Internet veröffentlichen würden. Wer sich aber in Social Networks rumtreibt, weiß, was dort für Fotos gepostet werden. Spielende Kinder am Strand, im Planschbecken, auf dem Wickeltisch oder in der Badewanne sind keine Seltenheit. Die Eltern finden die Fotos lustig oder komisch, andere Betrachter sehen darin allerdings viel mehr.

Auch sogenannte "Posing"-Fotos sollen künftig bestraft werden. Darunter fällt in Kategorie eins eindeutige Kinderpornografie, und bald auch Kategorie zwei: Nackte Kinder, die aber nicht eindeutig ihre Genitalien präsentieren und dabei möglicherweise heimlich fotografiert wurden.

Auch in Zukunft werden Eltern nicht bestraft, wenn sie ihre nackten Kinder am Strand fotografieren. Denn Justizminister Maas geht davon aus, dass diese Bilder nicht "unbefugt" entstehen: Die Eltern willigen im Namen ihrer Kinder in die Aufnahme ein. Diese Einwilligung wird allerdings unwirksam, wenn die Fotos zu vorwiegend sexuellen Zwecken weitergegeben oder verbreitet werden. Wer diese Fotos also verkauft oder tauscht, wird endlich ein Problem bekommen. Mir kann kein Mann erzählen,dass er spielende nackte Kinder "niedlich" findet. Oder künstlerisch wertvoll. Da stimmt doch was nicht.

Was darf ich also künftig fotografieren und was besser nicht? Eigentlich sagt mir der gesunde Menschenverstand, was angemessen ist und was nicht. Wer seine Kinder schützen will, wird auch in Zukunft keine "geschlechtsbetonten" Fotos machen. Und diese Aufnahmen ins Internet stellen. Oder sie verkaufen.

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