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Nachhilfe muss das aufholen, was die Schule verpasst

Gut 28 % der Schüler nehmen Nachhilfe
Gut 28 % der Schüler nehmen Nachhilfe Unterricht reicht nicht aus 00:01:03
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Was bringt die außerschulische Förderung?

Und sie pauken und pauken und pauken: Rund 1,2 Millionen Schüler bekommen Nachhilfe. Währen die Kosten klar zu benennen sind, bleiben die Effekte umstritten. Fragt sich also, was die außerschulische Förderung bringt und ob man sie anders anbieten müsste, um so eine möglichst gerechte Nachhilfe für alle zu schaffen.

Nachhilfe muss das aufholen, was die Schule verpasst.
Eltern geben jährlich ungefähr 900 Millionen Euro für Nachhilfe ihrer Kinder aus. © dpa, Malte Christians

Von Merle Wuttke

Es ist das Schicksal der meisten Kinder und Jugendlichen: Irgendwann im Laufe eines Schülerlebens "erwischt" es einen einfach - man muss zur Nachhilfe. Mit Glück bekommt man einen guten Aushilfslehrer, der in der Lage ist, den Stoff so verständlich zu machen, dass man sich im nächsten Schuljahr die zusätzliche Lernerei sparen kann. Mit Pech begleiten einen die Nachhilfestunden bis zum Schulabschluss.

Eine aktuelle Umfrage unter Eltern im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hat jetzt jedenfalls ergeben: Ganz ohne zusätzliche Förderung scheint es bei vielen nicht zu gehen. Aber selbst die Schüler, die gute Leistungen nach Hause bringen, nämlich jeder Dritte etwa, müssen oft noch einmal Extra-Schichten zu Hause schieben. Offensichtlich erhoffen sich Eltern dadurch ein gutes Abitur der Kinder und damit den leichteren Zugang zur Universität. Es sei dahingestellt, ob zusätzlicher Leistungsdruck da die richtige Taktik ist.

Auch ist es im Übrigen nicht so, dass die Schüler heute mehr Nachhilfe bräuchten als noch vor ein paar Jahren - allerdings scheint der Anspruch der Eltern größer geworden zu sein.

Nachhilfe für alle Schüler

Wenig überraschend beim Ergebnis der Studie ist, dass der Nachhilfebedarf unter Gymnasiasten am größten ist. Und auch das Fach, das am stärksten nachgefragt wird, kommt nicht gerade wie Kai aus der Kiste: Es ist - na klar - Mathematik. Bei 61 Prozent liegt hier die Quote der Nachhilfeschüler. Es folgen Fremdsprachen und Deutsch.

Stimmt somit auch das Klischee, dass eher wohlhabende Familien ihrem Nachwuchs die Nachhilfe zahlen? Nicht ganz. Zwar liegen sie mit einem Anteil von 15 Prozent drei Prozentpunkten vor Familien, die weniger in der Haushaltskasse haben, aber die eigentliche Grenze liegt eher innerhalb der sozial schwachen Gruppe. Hier leisten sich zwölf Prozent der Familie den Zusatzunterricht - der Bedarf liegt nach Einschätzungen der Studien-Bewerter aber hier wesentlich höher. Nur kann sich der Rest das nicht erlauben zu bezahlen.

Eine Lösung, die in Teilen auch schon gut an deutschen Schulen etabliert ist, wäre Nachhilfe im Rahmen eines Ganztagsunterrichts. An Ganztagsschulen ist die zusätzliche Unterrichtshilfe Bestandteil der Förderung und für alle Kinder und Eltern aus allen Schichten kostenlos zugänglich. Über ein Drittel der Eltern, deren Kinder auf gebundene Ganztagsschulen gehen, nehmen diese Möglichkeit für ihre Kinder wahr. Woran sich wieder einmal zeigt, dass Schule nach wie vor der wichtigste Ort ist, um überhaupt so etwas wie soziale Durchlässigkeit zu leben und zuzulassen. Denn nur hier sitzen Chantal und Mia, Kevin und Felix nachmittags nebeneinander, um für Mathe zu pauken. Und zwar nur dann, wenn sie es wirklich brauchen.

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