Nach Gesichtstransplantation: Richard Lee Norris auf dem Titel der 'GQ'

Nach Gesichtstransplantation: Richrad Lee Norris ist auf dem Titel der 'GQ'
Richard Lee Norris: Als junger Mann, kurz nach dem Unfall und jetzt.

Vor zwei Jahren bekam er ein neues Gesicht

Richard Lee Norris ist ein Star: Bisher war er nur Medizinern bekannt, doch jetzt erscheint sein Gesicht auf dem Titel des amerikanischen Männermagazins ‚GQ‘. Der 39-Jährige hatte sich mit 22 versehentlich ins Gesicht geschossen – vor zwei Jahren bekam er eine Gesichtstransplantation. Heute sieht er wieder normal aus.

Im Jahr 1997 passierte der schreckliche Unfall, von dem Richard der ‚GQ‘ erzählt: Er kam betrunken nach Hause und fing einen Streit mit seiner Mutter an. Im Verlauf des Gesprächs nahm Richard eine geladene Schrotflinte in die Hand und drohte seiner Mutter, sich selbst zu erschießen. Daraufhin löste sich ein Schuss, der Richard die Nase, alle Zähne, die Zunge und den Unterkiefer kostete.

Richard wurde mehrfach operiert und überlebte den Vorfall. Allerdings war er danach entstellt: Er verließt das Haus fast nur noch nachts, immer in einer Maske. Zu dieser Zeit hatte Richard Selbstmord in Betracht gezogen. Vor einigen Jahren wurde ihm von Ärzten der Universität in Maryland ein Angebot unterbreitet: Er sollte eine Gesichtstransplantation bekommen.

Die Kosten für die Operation würde die amerikanische Marine tragen – dafür müsste Richard allerdings zum Versuchsobjekt werden. Denn vor Richards Operation wurden in den USA nur zwei andere Gesichtstransplantationen unternommen. Als Gegenleistung müsste Richard der Marine regelmäßig Feedback über seinen Gesundheitszustand geben.

Die Risiken einer Gesichtstransplantation

Eine Gesichtstransplantation ist mit einem fortwährenden Risiko verbunden: Der Körper kann das neue Gesicht jederzeit abstoßen. Um das zu verhindern, muss der Patient sein ganzes Leben lang Medikamente nehmen, die seine Immunabwehr schwächen – und ihn so anderen gesundheitlichen Risiken aussetzen. Rauchen, Alkohol sowie Sonnenbrand oder eine Verletzung können dann lebensgefährlich sein. Sollte das Gesicht vom Körper endgültig abgestoßen werden, würde Richard sterben. Auch die Operation selbst ist gefährlich: Die Chance, nach dem Eingriff wieder aufzuwachen, liegen bei etwa 50 Prozent.

Richard Norris ging das Risiko ein: In einer 36 Stunden dauernden Operation bekam er sein neues Gesicht von einem 21-Jährigen, der kurz davor in einem Verkehrsunfall starb. Laut dem ausführenden Arzt, Dr. Eduardo Rodriguez, war die Operation die bis dato komplexeste Gesichtstransplantation in der Geschichte der Medizin.

Für Richard hat sich die Transplantation gelohnt: „Als ich entstellt war, haben mich Leute so angestarrt“, erzählt er ‚GQ‘. „Jetzt beachtet mich niemand weiter. Wenn mich die Menschen nicht persönlich kennen, erkennen sie nicht, dass ich eine Gesichtstransplantation hatte“.

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