SCHWANGERSCHAFT SCHWANGERSCHAFT

Nabelschnurblut einlagern lassen: Ja oder nein?

So wird aus der Angst von Schwangeren ein Geschäft
So wird aus der Angst von Schwangeren ein Geschäft Unnötige Präparate und Untersuchungen 00:09:55
00:00 | 00:09:55

Nabelschnurblut einlagern steht sehr in der Kritik

Aus dem Nabelschnurblut Neugeborener können Blutstammzellen gewonnen und anschließend eingelagert werden. Das Nabelschnurblut stellt eine Art Gesundheitsvorsorge für das Kind dar. Sollte es später beispielsweise an Krebs erkranken, könnte ihm mit seinen eigenen Stammzellen geholfen werden, so die Theorie. In der Praxis sieht die Nutzung konservierter Stammzellen aus dem Nabelschnurblut allerdings anders aus und steht nicht zuletzt wegen der privat zu tragenden Kosten in der Kritik.

Nabelschnurblut einlagern lassen: Ja oder nein?
Bevor das Nabelschnurblut eingelagert werden kann, muss das Blut der Mütter auf Viruserkrankungen untersucht werden. © picture alliance / ZB, Bernd Wüstneck

Die aus dem Nabelschnurblut extrahierten Stammzellen sind sogenannte adulte Stammzellen. Sie können sich, wie auch Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem Blut, in verschiedene Zelltypen verwandeln und teilen. Das Blut wird direkt nach der Geburt aus der Nabelschnur entnommen und in der Stammzellendatenbank in seine Bestandteile zerlegt. Die weißen Blutkörperchen und mit ihnen die Stammzellen werden in gasförmigem Stickstoff bei -170 bis -180 Grad Celsius tiefgefroren. Bis zu einem vertraglich vereinbarten Zeitpunkt oder einer Behandlung werden sie in speziellen Nabelschnurblutbanken privat eingelagert.

Der Nutzen dieser Einlagerung ist umstritten. Denn aus dem Nabelschnurblut kann nur eine kleine Menge von Stammzellen gewonnen werden. Diese Menge kann nur unter bestimmten Umständen eingesetzt werden und eventuell nur für ein Kind, aber nicht für einen Erwachsenen ausreichen. Außerdem könnten die Stammzellen bereits eine Krankheit in sich tragen.

Daher wenden Ärzte in den meisten Krankheitsfällen eher andere, bewährte Behandlungsmethoden an, bei denen sie auf anonyme Stammzell-Spenden zurückgreifen. Das setzt natürlich die Übereinstimmung der Stammzelltypen voraus. Je nach Krankheitsbild haben Erkrankte aber auch die Möglichkeit, ihre eigenen Stammzellen aus ihrem Knochenmark oder ihrem Blut entnehmen und sich damit kurz vor Beginn einer Chemotherapie behandeln zu lassen.

Nabelschnurblut einlagern - ein Geschäft mit der Angst

Da die Aufbewahrung von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut exklusiv und sehr aufwendig ist, kommt es zu hohen Kosten. Diese werden nicht von der Krankenkasse übernommen, sondern müssen von den Eltern privat getragen werden. Dabei ist noch nicht ausreichend erforscht, wie lange die Stammzellen überhaupt 'haltbar' sind.

Letztendlich ist es ein Geschäft mit der Angst: Natürlich wünschen sich Eltern vor allem Gesundheit für ihr Kind. Mit der Einlagerung der Nabelschnurstammzellen erhoffen sie sich, eine Art Gesundheits-Versicherung abzuschließen und im Notfall auf das vermeintliche 'Allheilmittel' zurückgreifen zu können, um damit das möglicherweise gefährdete Leben ihres Kindes zu retten. Doch diese Garantie gibt es nicht. Eine Ausnahme besteht allerdings bei familiär vorbelasteten Kindern. Hier sollte das Thema Nabelschnurblut mit einem Facharzt besprochen werden.

Durchaus sinnvoll ist es hingegen, die Nabelschnur-Stammzellen des eigenen Kindes anonym öffentlich zu spenden. Damit kann jedem geholfen werden, auf den die Typisierung passt.

Anzeige