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#mylitttlemya_x: Ist das süß oder sind es sexualisierte Kinderfotos?

Kinderfotos im Netz
So jung und schon Star auf Instagram © South West News Service, Bulls | Amy McIndewar / SWNS.com, Amy McIndewar

#mylitttlemya_x hat 123.000 Follower

Amy McIndewar ist Mutter der zehn Monate alten Mya Byrne. Als das Mädchen ein Vierteljahr alt war, begann sie von ihm Fotos auf Instagram (#mylitttlemya_x) zu posten. Die Reaktionen sind geteilt: Einige finden es gut, anderen kritisieren die Art und Weise, wie sie das Kind präsentiert und werfen der Frau vor, das Mädchen zu sexualisieren.

Von Merle Wuttke

Das Baby ist auf den Fotos in extravaganten Outfits zu sehen, die von anderen Müttern entworfen wurden. Nicht wenige Klamotten sind hart an der Grenze zum guten Geschmack. Baby Mya trägt etwa schulterfreie Oberteile (ein Lieblingsoutfit von Khloe Kardashian) oder Schühchen, die wie Ballettschuhe Schnürbänder haben, die sich an den bloßen Beinchen hochziehen. Dazu sind die Haare des Kindes auftoupiert und das Gesichtchen wirkt geschminkt. Mutter Amy bekommt dafür begeisterte Kommentare auf Instagram – sie hat 123.000 Follower– kassiert aber auch Kritik: Mit den Bildern würde sie ihre kleine Tochter sexualisieren und zur Schau stellen. Und in der Tat, sind manche Fotos mehr als grenzwertig: Etwa eines, auf dem Mya eine Art Spitzenbody mit Pelzweste und schwarzen Schnurband-Schühchen trägt.

Die meisten Menschen mögen darin immer noch das unschuldige Baby sehen, aber leider gibt es auch ein paar Menschen auf dieser Welt, die das genau als Aufforderung verstehen, Kinder in einen völlig falschen Kontext zu setzen. Aber mal abgesehen davon, dass die Mutter mit solchen Fotos Pädophile anfixen kann, zeigt die ganze Art wie sie ihr Kind im Netz präsentiert, dass sie es vor allem selbst als ein Objekt sieht. Sie inszeniert das Mädchen als lebendes Püppchen, staffiert es aus und holt sich auf diese Art Bestätigung von außen, die sie offensichtlich dringend braucht. Auch das ist eine Art von Missbrauch, zumal sich das Baby ja in keiner Weise gegen die Instrumentalisierung durch die Mutter wehren kann.

Gut überlegen bei Fotos von Kindern im Netz

Ob man generell Fotos von seinen Kindern im Internet postet, ob bei Facebook oder Instagram, ist Einstellungssache – und hat viel damit zu tun, wie viel Wert man auch in anderen Dingen auf Privatsphäre und deren Schutz liegt. Eltern sollten sich aber zumindest vorher gründlich Gedanken darübermachen, welche Art von Fotos sie der Öffentlichkeit zeigen wollen und ob das vereinbar ist mit dem Schutz der Kinderwürde. Denn dazu sind sie als Erziehungsberechtigte ja nun auch verpflichtet. Ein kleines Kind weiß nicht, was das Internet ist und kann nicht seine Meinung dazu äußern, ob das süße Bild am Strand auf dem es nackt zu sehen ist, nun wirklich für Fremde gedacht sein sollte.

Auch andere diskreditierende Bilder von Kindern bei Missgeschicken oder auf der Toilette oder bei einem Wutanfall gehören nicht unbedacht ins Netz gestellt. Denn das Internet vergisst nie und das eigene Kind, ist es denn einmal groß und entscheidungsfähig, auch nicht. Es kann zuweilen nämlich schon als übergriffig gelten, was das aus einer Laune heraus von Eltern ins Netz gestellt wird. Also vor dem nächsten Klick, einmal kurz nachdenken und überlegen, wie man sich selbst fühlen würde, wenn der Partner Ähnliches der ganzen Welt von einem selbst zeigen würde.

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