#Muttivation: Mit weiblicher Unterstützung zum Titel

#Muttivation: Mit weiblicher Unterstützung zum Titel
© dpa, Martin Schutt

Darum war die "Muttivation" so wichtig

Fairplay, Hilfsbereitschaft, Teamgeist: Diese eigentlich weiblichen Tugenden haben der Nationalelf zum WM-Titel verholfen, Angela Merkel versprühte ihre "Muttivation". War die weibliche Unterstützung der Schlüssel zum Erfolg?

Jutta Rogge-Strang

Lukas Podolski läutete vor dem WM-Finale mit einem Versprecher eine neue Ära ein: "Dass sie morgen kommt, ist für uns eine 'Muttivation.' Gemeint war Kanzlerin Angela Merkel, die 'Mutti der Nation'. Im Netz wurde der hashtag #Muttivation schnell zum Renner. Sigmund Freud hätte seine Freude daran gehabt.

Denn mit weiblicher Unterstützung und weiblichen Werten hat es dieses Mal geklappt. Bundestrainer Jogi Löw hat also alles richtig gemacht. In früheren Jahren war die Anwesenheit der Spielerfrauen und Familien ein absolutes No Go. Auch bei der WM 2014 setzten einige Trainer auf Sex- und Familienverbot. Kein Wunder, dass Spanien, Russland, Bosnien-Herzegowina, Chile und Mexiko bereits früh die Heimreise antreten mussten. "An 40 Tagen Enthaltsamkeit ist noch niemand gestorben", so Mexikos Trainer Miguel Herrera zur 'Daily Mail'. Aber eben auch nicht Weltmeister geworden. Andere Teams mit lockeren Regeln - Niederlande, Frankreich, Brasilien und Costa Rica - schafften es immerhin bis ins Viertelfinale.

Die deutschen Sportler durften sich schon zu Beginn der WM an ihren Freundinnen und Familien erfreuen. Jogi Löw hatte ihre Besuche im Campo Bahia ausdrücklich erlaubt. So durfte Mats Hummels (25) mit seiner Cathy Fischer (26), Sami Khedira (27) mit Lena Gercke (26) und Mario Götze (22) mit Ann-Kathrin Brömmel (24) auch mal einen privaten Moment genießen. Und geschadet hat es der Mannschaft und dem Teamgeist nicht - eher im Gegenteil.

"Unsere Spieler sind acht Wochen von zu Hause weg. Hier bei einer WM stehen sie gerade bei den K.o.-Spielen unter massivem Druck. Da tut ein Tag Ruhe vor dem nächsten Sturm nur gut", erklärte Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "Family and friends" heißt das DFB-Programm, mit dem Freundinnen, Frauen und Familienangehörige der deutschen Nationalspieler nach Brasilien reisten. "Im Grunde organisieren wir seit 1982 die komplette Reise der Angehörigen, aber erst seit der WM in Japan und Südkorea 2002 als eigenständige Gruppe mit exklusivem Rahmenprogramm" sagte Wolfgang Wirthmann, Geschäftsführer des DFB-Reisebüros.

Teamgeist und weiblicher Rückhalt"war der Schlüssel zum Erfolg

In diesem Jahr reisten 37 Väter, Mütter, Frauen und Freundinnen der Nationalspieler zum ersten Spiel an. "Zum Achtelfinale werden es bereits 50 sein", so Nicole Hickmann, die Leiterin der "Family and Friends"-Reisegruppe. Eine Rechnung, die offenbar aufgeht: Ein guter Teamgeist, Sportler, die sich wohlfühlen und die füreinander einstehen beflügeln die ganze Mannschaft. "Sind die Frauen zufrieden, sind es auch die Männer", bringt es Wolfgang Wirthmann auf den Punkt.

Dass Mario Götze bei der Siegerehrung ein Trikot des verletzten Marco Reus hochhielt, dass die Ersatzspieler die Jungs anfeuerten, dass sie nach dem Schlusspfiff auf dem Platz mitjubelten, ist bezeichnend für den überragenden Teamgeist der Nationalelf 2014. Und nicht zuletzt Angela Merkel gab emotionalen Rückhalt mit ihrer "Muttivation": "Das war der Schlüssel, warum es dann am Ende geklappt hat. Wir waren von Anfang an, nicht nur im ersten Spiel, sondern seit dem Trainingslager ein Team", sagte Lukas Podolski im Interview. Und so geht unser Dank nicht nur an den 23 Mann starken Kader, sondern auch an Cathy Fischer, Sarah Brandner, Mady Capristo und alle anderen Spielerfrauen.

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