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'Muttitasking' von Monika Bittl und Silke Neumayer

'Muttitasking': Monika Bittl und Silke Neumayer
'Muttitasking' von Monika Bittl und Silke Neumayer © Knaur/ RTL interactive

Leseinfo zu 'Muttitasking'

Mutti ist die Beste! Das haben wir schon immer gewusst. Und ab und zu bekommt die eine oder andere von uns diesen Satz sogar gesagt, wenn auch gerne garniert mit einem leicht ironischen Unterton. In der Tat: Wie gut sie ist, die Mutti, das vergessen wir immer mal wieder gerne. Was eigentlich schade ist im Umgang mit der eigenen Mutter, und was auch schade ist im inneren Umgang mit sich selbst.

Statt sich mal auf die eigene Schulter zu klopfen und sich einzugestehen, dass man seine Einfach-, Zweifach- oder Dreifachbelastung doch eigentlich ganz gut hinbekommt und sich jetzt auch mal entspannen könnte, neigen Mütter leider häufig eher zur "ja, schon, aber …"-Selbstzerfledderung: Wieder zu wenig Zeit gehabt für die Kinder, für den Haushalt, für die Karriere, für sich, für den Mann, für die gesunde Ernährung, für den Finanzamtkram. Und beim Fußballturnier hat man auch nur so getan, als ob man gerne am Spielfeldrand steht.

Diesem ganz alltäglichen Irrsinn widmet sich ein Buch mit dem schönen Titel "Muttitasking". Geschrieben haben es - natürlich - zwei Mütter. Monika Bittl und Silke Neumayer, einigen vielleicht bekannt als Autorinnen von "Alleinerziehend mit Mann".

Über 'Muttitasking'

"Ehrlich und charmant", so der Verlag, berichten die beiden "über den zuweilen irrwitzigen Alltag der Mütter zwischen Kind, Job und Haushalt". Ein Buch mit hohem Wiedererkennungseffekt: Denn eigentlich steht auf den 250 Seiten ja nichts Neues, sondern nur das, was an einem ganz normalen Alltag halt so vorfällt. Aber dieses "ganz normale" ist wunderbar auf den Punkt gebracht. Und immer wieder kann man sich nur denken: Ja! Genau so isses!

Schön zu erfahren, dass auch andere ihrem Kind nach einem Wachstumsschub im Februar Winterschuhe im Gegenwert eines Familienwochenendes kaufen, weil der Schuhladen einfach nichts anderes Warmes mehr im Lager hat. Schön zu lesen, dass auch andere völlig überfordert sind mit der Entscheidung, was denn nun "gesundes" Essen ist - vor allem angesichts einer sich täglich ändernden Wissenschaftslage in diesem Bereich (und von Zeiten träumen, als es noch völlig in Ordnung war, einfach so Frikadellen, Schnitzel und Rindsrouladen zu essen). Schön zu hören, dass auch andere an Mathe-Aufgaben der dritten Grundschulklasse zu knabbern haben und sich fragen, ob das wirklich noch normal ist, dass Mutti im Grunde den gesamten G8-Stoff mitlernen muss, um ihr Kind zum Schulabschluss zu bringen. Oder ob der Umgangston und die zeitliche Belastung in einer Eltern-Ini noch normal sind.

Kurz: Bittl und Neumayer schildern ein Leben mit dem schlechten Gewissen als ständigem Begleiter. Und das tun sie sehr humor- und auch liebevoll. Und ab und zu auch so, dass man innehalten möchte und sich selbst fragt, ob das mit den hohen Eigenerwartungen an die Mutti-Taskerin wirklich so eine clevere Idee ist. Angeblich stieg die Zahl der psychischen Erkrankungen von Müttern in den vergangenen acht Jahren infolge der nicht zu erfüllenden Ansprüche um ein Drittel. Und eine Krankenkasse hat pünktlich zum Muttertag eine Studie veröffentlicht, nach der sich 75 Prozent aller Mütter ausgelaugt fühlen.

Kleiner Hinweis für potenzielle männliche Leser: ein Blumenstrauß zum Muttertag ist okay, regelmäßiges Lob und Anerkennung für Mutti aber langfristig deutlich okayer. Immerhin muss sie einen Job erfüllen, den die Autorinnen so umschreiben: "24-Stunden-Job, Mindestvertragslaufzeit 18 Jahre, keine Bezahlung, hohe psychische Stabilität erforderlich, Krankheitsvertretung nicht vorhanden, Festlichkeiten und Urlaubszeiten stellen zusätzlich hohe Anforderungen an die Belastbarkeit - und die Fähigkeit zum Managen verschiedenster Lebensbereiche gleichzeitig ist unabdingbare Voraussetzung." Auf so was würde sich doch nie im Leben ein Mann bewerben. Frauen schon. Und das noch nicht mal blind, sondern mit Überzeugung und Liebe.

All die kleinen Hinweise auf andere Gutmütter; auf Politiker, die wahrscheinlich noch nie in einem Meeting bis 17 Uhr saßen, während der Hort halt schon um 16.30 Uhr zumacht; auf Väter, die überfordert sind, wenn sie auf dem Heimweg vom Büro noch beim Bäcker Halt machen sollen oder Kindergeburtstage mit dem Budget eines Staatsempfangs sind sehr lustig zu lesen. Und das Taschenbuch hat noch einen großen Vorteil, gerade für ausgelaugte Mütter: Es ist in viele - in sich abgeschlossene - Kapitel unterteilt. Ideal also als Bettlektüre für all die müden Mütter, die bei einem Roman am nächsten Abend ohnehin nicht mehr so genau nachvollziehen können, auf welcher Seite sie mal wieder, ermattet vom Muttitasking, eingeschlafen sind.

Über das Autorinnen-Team

Monika Bittl studierte Germanistik und Psychologie, Silke Neumayer Kommunikationswissenschaften. Beide schreiben mit großem Erfolg Romane und Drehbücher - zuletzt erschien von ihnen 'Alleinerziehend mit Mann': Sie leben mit ihren Familien in München.

(Text: Ursula Willimsky)

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