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Mutterschutz war gestern: Modell 'Marissa Mayer' als Vorbild?

Geburtenrate in Deutschland sinkt
Arbeiten bis zum Umfallen statt Babyglück © picture alliance / beyond, Sonntag

Trotz Mutterschutz einfach weiterarbeiten?

Die Yahoo-Chefin Marissa Mayer ist wieder schwanger. Die 40jährige Amerikanerin erwartet Zwillings-Mädchen. In den Mutterschutz gehen will sie jedoch nicht: „Ich werde eine begrenzte Zeit wegbleiben und trotzdem weiterarbeiten.“ Ist das ein Zukunftsmodell für arbeitende Mütter?

von Jutta Rogge-Strang

Das ist die Horrorversion für jeden Arbeitgeber: Die neue Angestellte verkündet schon am ersten Arbeitstag ihre Schwangerschaft. Für Managerin Marissa Mayer war das jedoch kein Problem: Seit dem 16. Juni 2012 ist sie Geschäftsführerin bei Yahoo, gab an diesem Tag ihre erste Schwangerschaft bekannt und brachte dann Anfang Oktober 2012 einen Sohn zur Welt. Jetzt ist die taffe Amerikanerin wieder schwanger, dieses Mal mit Zwillingen. Für Marissa kein Thema: „Meine Schwangerschaft ist unkompliziert und ich bin gesund. Und weil es eine wichtige Zeit des Umschwungs bei Yahoo ist, plane ich, die Schwangerschaft und Geburt so zu gestalten, wie ich es vor drei Jahren mit meinem Sohn gemacht habe. Ich werde eine begrenzte Zeit wegbleiben und trotzdem weiterarbeiten.“

In Deutschland gilt für werdende Mütter der Mutterschutz: Sechs Wochen vor dem Geburtstermin und acht Wochen nach der Geburt dürfen die Frauen nicht beschäftigt werden, es sei denn, sie erklären sich ausdrücklich dazu bereit. Vorbei also die Zeiten, in denen eine Schwangere auf dem Feld kurz ihr Kind zur Welt brachte und dann weiter Kartoffeln erntete. Erst 1878 wurde unter Kanzler Bismarck ein Arbeitsverbot für frisch gebackene Mütter eingeführt: Bis zu drei Wochen nach der Geburt durften sie nicht mehr beschäftigt werden, allerdings weniger zum Schutz der Frauen, sondern wegen der hohen Säuglingssterblichkeit. Erst 1891 wurde die Höchstarbeitszeit auf 65 Wochenstunden festgesetzt.

Die einflussreiche Managerin Marissa Mayer hat bei Yahoo natürlich auch einen ausgefüllten Arbeistag und trägt große Verantwortung. Sie steht auf dem Standpunkt, dass sie gegenüber männlichen Kollegen ihrem Arbeitgeber keinen Nachteil bringt. Dazu bringt sie eben auch persönliche Opfer: Ihre Kinder werden dann von einer Nanny oder den Großeltern betreut, während sie wichtige Entscheidungen trifft.

Marissa Mayer als Horror-Vision für alle Frauen

Natürlich geht das. Ich kenne Elternpaare, die beide arbeiten und viel unterwegs sind, während die Kinder von den Großeltern versorgt werden. Den Eltern geht es gut. Aber wie geht es den Kindern? In diesem speziellen Fall sind die Kinder eben nicht glücklich, sondern durchgedreht und gestört. Das muss nicht der Regelfall sein, aber irgendjemand muss einer Preis bezahlen. Aber ist der Preis – in diesem Fall das seelische Wohlbefinden der eigenen Kinder – vielleicht zu hoch?

Da ist eine Marissa Mayer für alle Frauen eine Horror-Vision: Arbeiten bis zum Umfallen, Verzicht auf persönliches Glück bis hin zur Selbstaufgabe und Rücksichtslosigkeit den Kindern gegenüber gehört eben nicht zum Lebensentwurf jeder Frau. Und immerhin hängt von unseren Kindern die Zukunft ab. Wenn es die nicht mehr gibt, oder kleine gestörte Egoisten zu großen gestörten Irren werden, geht schlicht und einfach unsere Welt zugrunde. Aber immerhin hat Yahoo dann ein erfolgreiches Geschäftsjahr gehabt.

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