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Muttermilch-Eiweiß wirkt wie Antibiotikum: Hilft es auch gegen multiresistente Keime?

Muttermilch-Eiweiß wirkt wie Antibiotikum: Hilft es auch gegen multiresistente Keime?
© picture alliance / dpa Themendie, Andrea Warnecke

Muttermilch schützt gegen Bakterien und Viren

Ein künstliches Virus gibt Anlass zur Hoffnung im Kampf gegen Keime: Es wirkt wie ein Antibiotikum und könnte sogar wirksam sein gegen Krankenhauskeime. Bei der Entwicklung dieses künstlichen Virus orientierten sich die britischen Wissenschaftler des National Physical Laboratory und dem University College London dabei an dem antibakteriellen Wirkmechanismus von Muttermilch. Das schreiben die Forscher im Fachmagazin ‚Chemical Science‘.

Was aber macht Muttermilch so besonders? Und inwiefern kann sie Wissenschaftlern als Vorlage für einen Wirkstoff gegen Keime dienen? Muttermilch besitzt eine natürliche antibiotische Wirkung und wirkt daher wie ein natürlicher Abwehrcocktail. Zudem beugt sie Entzündungen vor.

Verantwortlich dafür ist ein bestimmter Eiweißstoff. Das sogenannte Lactoferricin schützt Neugeborene vor Infektionen und ist in der Lage, Krebszellen zu bekämpfen. Zudem kann das Eiweiß die Schutzhülle von Bakterien aufweichen, wodurch es die Wirkung von Antibiotika verstärkt. Die Bakterien können sich nämlich folglich nicht mehr so leicht gegen die Antibiotika zur Wehr setzen. Lactoferricin findet sich außerdem in Tränenflüssigkeit und Nasensekret.

Forscher nutzen Muttermilch-Eiweiß als Waffe gegen Keime

Die britischen Forscher fanden heraus, dass ein kleines Fragment des Lactoferricins verantwortlich ist für dessen antimikrobielle Wirkung. Dieses haben die Forscher für die Entwicklung des künstlichen Virus isoliert. Die daraus gebildeten Peptidkapseln sind in der Lage, Bakterien und Viren gezielt anzugreifen. Hasan Alkassem, ein an der Studie beteiligter Wissenschaftler, beschreibt deren Wirkweise folgendermaßen: „Die Kapseln machen die Wand der Bakterien porös, indem sie diese mit hoher Geschwindigkeit förmlich durchschießen.“ Gutartige Zellen hingegen greifen sie nicht an. Vielmehr schleusen sie sich in diese ein und vermehren sich in und mit ihnen.

Die Forscher hoffen nun, diesen Wirkmechanismus im Kampf gegen die verschiedensten Keime einsetzen zu können. Im Fokus der Forscher stehen dabei multiresistente Keime.

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