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Mutterliebe: Muss man sein Baby sofort lieben?

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Mutterliebe ist nicht angeboren, sie entsteht

Schauspielerin Jessica Stockmann hat zwei Töchter - und sich mal wieder unbeliebt gemacht. Als sie ihren Hund kaufte, sei sie sofort "schockverliebt" gewesen. "Bei (meinen) Kindern habe ich das nicht, muss ich ganz ehrlich sagen. Weder bei der Adoption noch bei der Entbindung." Rabenmutter oder ganz einfach ehrlich?

Von Jutta Rogge-Strang

Tatsächlich ist das Hormon Oxytocin dafür verantwortlich, dass Mutterliebe entsteht. Während der Geburt wird dieser Botenstoff ausgeschüttet, und später dann besonders beim Stillen des Babys. Bevor es künstliche Babynahrung gab, konnte ein Säugling nur an der weiblichen Brust überleben. Praktisch, dass dadurch Mutterliebe gefördert wurde.

Allerdings weiß ich, dass diese Automatik nicht auf Knopfdruck funktioniert. Auch bei meiner Tochter musste sich die Mutterliebe erst entwickeln. Am Anfang war da ein neuer kleiner Mensch, den man erstmal kennenlernen musste. Dazu wenig Schlaf, Aufregung, die Angst, etwas falsch zu machen. In diesem ganzen Chaos nach der Geburt hat sich still und heimlich etwas entwickelt, ohne dass ich es bemerkt hätte oder den genauen Zeitpunkt bestimmen könnte: Dieser neue kleine Mensch hat mich verzaubert, trotz Schlafmangel, Wickelstress, Körperflüssigkeiten in allen Varianten. Dieses Kind ist zu meinem Baby geworden, mit allem, was dazu gehört.

Mutterliebe ist nicht immer gerecht, aber menschlich

Heutzutage gehört es zum guten Ton, sofort nach der Geburt tiefe Mutterliebe zu empfinden. Psychologen sind allerdings überzeugt, dass die übermächtigen Anforderungen an eine perfekte Mutter kaum mehr zu erfüllen sind. Was ist, wenn die Mutter eben nicht selbst stillt, wenn die Geburt sehr schwierig war oder sich postnatale Depressionen einstellen? Bleibt das Oxytocin dann einfach weg und die Kinder werden nie geliebt?

Das ist natürlich Unsinn! Mutterliebe wächst durch die Erfahrung und entfaltet sich mit der Zeit. Väter schütten ja auch kein Oxytocin aus und lieben ihre Kinder trotzdem - eben auch durch Erfahrung. Ebenso geht es Adoptiveltern: Mutterliebe ist sowohl angeboren als eben auch angelernt. Ein ganz wichtiger Punkt, um das Überleben der Menschheit abzusichern. Das wäre noch schöner, wenn alles nur von einem popeligen Hormon abhängen würde!

Was aber passiert, wenn mehrere Kinder auf die Welt kommen? Lieben wir sie alle gleich? Oder gibt es Unterschiede? Es kann passieren, dass das eine Kind mehr geliebt wird als das andere: Das hängt mit dem persönlichen Charakter sowohl der Eltern als auch der Kinder zusammen. Da ziehen sich Gegensätze an, oder eben nicht. Da gesellen sich Gleich und Gleich sehr gern, oder eben nicht. Und trotzdem ist es möglich, alle Kinder zu lieben. Die Mutterliebe muss ja nicht absolut identisch sein.

Ich bin der festen Überzeugung, dass man seine Kinder eben nicht alle gleich lieben kann. So unterschiedlich wie die Menschen selbst ist auch die Liebe zu ihnen. Das bedeutet nicht, dass ein Kind mehr und das andere weniger geliebt wird. Das bedeutet, dass die Liebe jeweils anders ist - aber nicht mehr oder weniger stark!

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