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Mutter zahlt kein Unterhalt: Warum immer mehr Frauen ihre Familie verlassen

Wie das Jugendamt mit einer Beistandschaft helfen kann

Wenn eine Mutter abhaut, ihre eigenes Kind zurücklässt – dann fällt es zunächst schwer, das zu verstehen. Elisa ist von ihrer Mutter verlassen worden, als sie acht Jahre alt war. Diesen Tag wird die inzwischen 13-Jährige nie im Leben vergessen. Zur Trauer um den Verlust mischt sich auch Wut und Unverständnis. Denn die Mutter verweigert nicht nur den Kontakt zu ihrer Tochter, sie zahlt auch keinen Unterhalt, obwohl sie dazu verpflichtet ist.

Und das ist kein Einzelfall in Deutschland. Fast jede dritte Frau, die ihre Familie verlässt, entzieht sich ihren Unterhaltsverpflichtungen. Laut Statistik des Ministeriums für Familie zahlen 24 Prozent der Männer nicht, bei Frauen sind es 31 Prozent. "Es ist weitaus schwieriger von einer Mutter Unterhalt zu kriegen, als von einem Vater", weiß Astrid Leonhardt. Die ehemalige Rechtspflegerin hat jahrelang beim Jugendamt gearbeitet und schult inzwischen andere Jugendamts-Mitarbeiter in Sorgerechts- und Unterhaltsfragen.

Warum Elisa gespürt hat, dass ihre Mutter für immer gehen wird, weiß sie nicht. Anzeichen dafür gab es wohl keine. Zurück bleibt eine familiäre Großbaustelle: Das Haus steckt mitten in der Sanierung, ihr Papa ist kurz zuvor an Krebs erkrankt, sitzt seitdem im Rollstuhl und ist auf Pflege angewiesen. Von einem Tag auf den anderen muss Elisa die Rolle der Mutter übernehmen. Die 13-Jährige geht aufs Gymnasium, nach der Schule putzt und kocht sie, räumt auf.

Zu der Ungewissheit kommen finanziellen Sorgen. Der Vater muss seit fünf Jahren mit seiner kleinen Erwerbsminderungsrente das Familienleben finanzieren. Von der Mutter gab es bisher keinen Cent – obwohl sie unterhaltspflichtig ist. Tausende Euro haben Vater und Tochter bereits für einen Anwalt ausgeben, um den Unterhalt einzuklagen, brauchen nun dringend Hilfe. Ihr letzter Versuch: Elisa beantragt bei Jugendamt eine Beistandschaft. Damit kann das Jugendamt im Namen des Kindes außergerichtlich und gerichtlich tätig werden und versuchen, den Unterhalt einzuklagen.

Elisa muss sich damit abfinden, dass ihre Mutter keinen Kontakt mehr zu ihr haben will. Die Rechtspflegerin Astrid Leonhardt weiß aus Erfahrung: Manchmal ist es einfach besser, ganz ohne jemanden zu leben – als mit.

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