BABY BABY

Mutter werden: Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Mit diesen Fragen finden Sie es heraus! 00:09:19
00:00 | 00:09:19

Wann ist es ideal Mutter zu werden?

"Als Frau arbeiten ist ja gut, aber mit 38 Mutter werden, finde ich schon komisch. Dann ist sie ja fast 60, wenn ihr Kind 20 ist". Damit wurde Schauspieler Matthias Schweighöfer, beliebt unter anderem auch wegen seines Bubi-Charmes, in einem Interview mit dem ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ zitiert und hat damit eine Welle des Protests losgetreten. Inzwischen hat er den Satz zwar dementiert, aber die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt der Kinderplanung ist aktuell wie eh und je.

späte Mütter: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
späte Mütter: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Von Ursula Willimsky

Der Schauspieler, Jahrgang 1981, wurde mit 28 Vater, seine damalige Lebensgefährtin war 27. Und damit lag die Gute altersmäßig unter dem deutschen Durchschnitt. Laut Statistischem Bundesamt (Stand: 2011) waren Mütter aus dem alten Bundesländern bei der Geburt ihres ersten Kindes 29,31 Jahre alt, in den neuen Ländern 27,66 Jahre alt (Berlin wurde in keiner der beiden Berechnungen berücksichtigt). Auffällig ist, dass verheiratete Mütter deutlich älter sind als unverheiratete: 30,13 Jahre zu 27,70 Jahre.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Kind?

Das mit dem Gebären fängt also gerne kurz unter 30 an. Das wissen wir jetzt. Aber sagt das auch etwas darüber aus, wann der beste Zeitpunkt wäre? Junge Mütter, alte Mütter, Mittendrin- Mütter – was das beste Alter ist, um sich fortzupflanzen, darüber scheiden sich die Geister. Auf der Seite des Familienministeriums (die müssten das ja eigentlich wissen) haben wir vage Hinweise gefunden, zumindest für den Punkt „Adoption“. Wer ein Kind adoptieren will, muss laut Bundesministerium "unbeschränkt geschäftsfähig" sein – und mindestens 25 Jahre alt. "Bei Ehepartnern kann einer beziehungsweise eine dieses Alter unterschreiten. Er beziehungsweise sie muss jedoch mindestens 21 Jahre alt sein.“ Nach oben hin wird es ein bisschen unkonkreter: Ein Höchstalter sei nicht festgelegt, der "Altersunterschied zwischen dem Kind und seinen Adoptiveltern sollte jedoch nicht größer als 40 Jahre sein."

Da hätten Frauen mit 38 also theoretisch noch gute Chancen. Auch wenn sie fast 60 sind, wenn ihr Kind seinen 20. Geburtstag feiert. Im Mutterpass – wenn wir wieder zur leiblichen Geburt zurückkehren – gelten 38-Jährige allerdings schon als Frauen mit 'Risikoschwangerschaft'. Den Vermerk erhält jede Schwangere ab 35 – und unter 17.

Die Mütter selbst brauchen wir nach dem "richtigen" Alter erst gar nicht zu fragen – da würden wir von 30 Befragten wahrscheinlich 35 unterschiedliche Antworten erhalten. Die eine findet es toll, dass sie emotional und überhaupt so nah an ihren Kindern dran ist und noch einen richtigen guten Draht zu ihnen hat, selbst wenn die Grauen der Pubertät über die Familie hereinbrechen. Die andere findet den zeitlichen Abstand super, weil sie da einfach abgeklärter mit den Grauen der Pubertät oder ähnlichem umgehen kann als junge Mütter. Die eine ist froh, jung Mutter geworden zu sein, weil sie und ihre Kinder in ähnlichen Welten leben – und die andere ist vielleicht froh, dass sie auch im vorgerückterem Alter nicht erst umständlich recherchieren muss, was zum Teufel denn ein 'Dongle' ist, sondern sich den ganzen Technikkram einfach von ihren Kindern installieren lassen kann. Und so auf dem Stand der Zeit bleibt. Und bei Dingen wie Musikgeschmack und Mode scheint das Alter inzwischen ohnehin egal: Die Toten Hosen hören alle, und bei vielen Klamottenläden erkennt man ohnehin nur noch an der Größenangabe auf dem Etikett, ob man gerade in der Damen- oder in der Kinderabteilung stöbert.

Die Liste der Pro und Contras ließe sich ewig weiterführen – die Entscheidung, wann der richtige Zeitpunkt für Kinder ist, muss wohl jede für sich fällen – ihre ganz persönlichen Lebensumstände müssen stimmen oder es geschieht halt ganz einfach, und dann muss man damit eben leben und das Beste daraus machen. Eine frühe Mutterschaft hat viele Vorteile. Unter anderem ein langes selbstbestimmtes Leben, nachdem die Kinder aus dem gröbsten oder aus dem gemeinsamen Haushalt raus sind – sofern der oftmals schwierige Einstieg oder Wiedereinstieg in den Job funktioniert.

Bei späten Müttern mag es sich umgekehrt verhalten: Sie konnten sich – hoffentlich – vor den Kindern viel um sich selbst, ihre Selbstverwirklichung oder ihre Karriere kümmern. Und sie haben häufig mehr Geld als „junge“ junge Familien. Während die eher Großeltern in petto haben, die die lieben Kleinen mal für einen Nachmittag oder für ein Wochenende übernehmen. Frühe Mütter selbst können sich auf eine lange gemeinsame Zeit mit potenziellen Enkelkindern freuen, was späteren Müttern wohl eher versagt bleibt, vor allem, wenn die eigene Brut sich auch zur späten Elternschaft entschließen sollte.

Dafür bürden sie vielleicht ihren Kindern in recht jungen Jahren die Verpflichtung auf, sich um die betagten Eltern zu kümmern. Frühen Müttern wird manchmal nachgesagt, sie hätten leichter das Gefühl, "etwas im Leben zu versäumen“ – oder eben nicht.

Denn bei der Mutter- oder Elternschaft gibt es ja noch einen Aspekt, den man über der ganzen Altersdiskussion nicht vergessen sollte: Es kann ja auch ganz einfach Spaß machen und Erfüllung bringen, Mutter zu sein und Kinder großzuziehen. Ihnen Liebe zu schenken und Fürsorge. Sie zu einem wichtigen Lebensinhalt zu machen – und irgendwann ins Erwachsenen-Dasein zu entlassen. Und wer weiß – vielleicht sind solche mütterlichen Eigenschaften ja sogar wichtiger als die paar Zahlen, die da in Mamas Pass als Geburtsdatum eingetragen sind?

Anzeige