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Mutter und Tochter: Beste Freundinnen?

Mutter und Tochter: Beste Freundinnen?
Sind Mutter und Tochter heute beste Freundinnen? © Franz Pfluegl

Mutter-Tochter-Verhältnis wird enger

Mit 15 ist es doch so: Man will so wenig wie möglich mit der eigenen Mutter zu tun haben und träumt von dem Tag, an dem man endlich von Zuhause ausziehen kann. Zehn Jahre später sieht das völlig anders aus: Eine britische Umfrage unter 1.500 Frauen zwischen 25 und 40 Jahren hat ergeben, dass sieben von zehn Frauen ihre Mütter ab diesem Alter zu ihren engsten Freundinnen zählen.

Von Merle Wuttke

Den schlimmsten Streit hatte ich mit meiner Mutter, als ich mit 16 Jahren und mitten in der Grufti-Phase mit einer Radikalfrisur nach Hause kam. Eine Freundin hatte mir den Hinterkopf komplett kahl rasiert. Und meine Mutter, die bis dahin - und aus den Erfahrungen mit meiner älteren Schwester - versucht hatte, möglichst verständnisvoll mit meiner Pubertät umzugehen, war entsetzt, wütend und plötzlich sehr laut. Ich fühlte mich unverstanden, herab gesetzt und wie ein Kleinkind behandelt. Also verhielt ich mich auch wie eines und schmollte ganze drei Tage lang.

Wie die Mutter, so die Tochter?

Heute verstehen wir uns blendend. Telefonieren jeden zweiten Tag, und unsere Meinungsverschiedenheiten tragen wir wie Erwachsene aus. Meine Mutter hilft mir, wenn ich nicht weiter weiß, umgekehrt stehe ich ihr mit Rat zur Seite, wenn es ihr nicht gut geht. Wir sind eine Familie und wir sind Freundinnen.

Wenn Töchter das magische Alter von 25 Jahren erreicht haben, wendet sich das Blatt in der Eltern-Kind-Beziehung, so das Ergebnis der britischen Umfrage. Zwei Drittel der befragten 1.500 Frauen gaben jedenfalls an, dass sie erst ab diesem Zeitpunkt die Ratschläge ihrer Mütter wirklich zu würdigen wussten. 28 Prozent fingen spätestens nach der Geburt der eigenen Kinder an, ihre Mütter um Tipps und Hilfe zu bitten. Und ein Viertel der Frauen vertraut der Mama sogar so sehr, dass sie ihr mehr erzählen als dem Partner.

Kam es während der Teenie-Zeit zu Streit, Tränen und Machtkämpfen, lag das unter anderem daran, dass Töchter und Mütter sich in ihrem Charakter oft sehr ähneln. Doch mit zunehmendem Alter wird die Ähnlichkeit in der Persönlichkeit noch größer: Laut Umfrage benutzt heute eine von fünf Frauen dieselben Kosmetikmarken oder sogar dasselbe Parfüm wie die eigene Mutter. Wen wundert es da, dass Männer erst einmal die Schwiegermutter in spe unter die Lupe nehmen, bevor sie ihre Liebste vor den Altar bitten. An der Dame können sie ziemlich genau sehen, wie die Frau, neben der sie dreißig Jahre lang Morgen für Morgen aufwachen werden, mal aussehen und sein wird.

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