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Mutter sein macht schlau

Intelligenz: Mutter sein macht schlau
Mutter sein macht schlau © diego cervo

Mütter sind im Zeitmanagement überlegen

Popo-Abwischen, Playmobil-Püppchen aufsammeln und sich gleichzeitig von Kinderkassetten berieseln lassen - nicht gerade das richtige Futter fürs Gehirn einer Mutter und Frau, mag man denken. Doch das Gegenteil ist richtig. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Mutter werden und Mutter sein - das ist Dauer-Aerobic fürs Gehirn.

Von Sigrid Schulze

"Stellen Sie sich vor, eine Frau hat drei Kinder: Das erste Kind geht schon in die Schule, das zweite in den Kindergarten, das dritte ist noch zu Hause. Das führt zu logistischen Problemen: Weil Mütter ständig solche Probleme lösen müssen, sind sie im Zeitmanagement allen anderen überlegen. Und darauf verlassen sich Schule und Staat", so der Berliner Mikrosoziologe Prof. Dr. Hans Bertram.

Die Hormone, die während der Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit das Gehirn überschwemmen, verändern ganze Hirnregionen. Zellen wachsen, ganze Bezirke verändern sich - all das, damit eine Mutter möglichst gut ihr Kind versorgt. Erstaunlich dabei: Es verändern sich nur diejenigen Gehirnzonen, die konkret die Aufzucht des Nachwuchses steuern. Betroffen sind auch solche Hirnregionen, die arbeiten müssen, wenn die Mutter etwas lernt oder wenn sie ihr Gedächtnis beansprucht. Mit anderen Worten: Wer nicht rastet, der rostet auch nicht.

Tierversuche: Erstaunliche fitte Rattenweibchen

Kinderkriegen trainiert das Gehirn. Das haben die amerikanischen Professoren Craig Howard Kinsley und Kelly G. Lambert herausgefunden - mit Hilfe von Tierstudien, die sich gut auf Menschen übertragen lassen.

Welche Auswirkungen haben Schwanger- und Mutterschaft auf das Gehirn? Um Antworten auf diese Frage zu finden, haben sie unter anderem an der Universität Richmond in Virginia folgenden Versuch mit Ratten durchgeführt: In einem Labyrinth sind zunächst in acht Gängen Leckerbissen versteckt, später nur noch in vieren, dann in zweien - und am Ende gibt es nur noch in einem Gang Futter. Welche Ratten können diesen Gang wiederfinden?

Haushoch überlegen sind die Rattenweibchen, die mindestens zwei Schwangerschaften durchgemacht haben. Schon nach drei Minuten flitzen sie an die richtige Stelle - während die jungfräulichen Weibchen noch bis zu sieben Tage brauchen, um das Futter zu finden. Das bedeutet nun nicht, dass Mütter in allem besser sind als Nicht-Mütter. Höchstwahrscheinlich aber heben sie sich in solchen Fähigkeiten ab, die den Kindern nützen. "Mehr Geschick, mehr Mut und ein besserer Orientierungssinn dürften letztlich dem Nachwuchs zugute kommen", so Craig und Lambert.

Mütter können Multitasking

Weil das Gehirn ständig unter Strom steht, bilden sich neue Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen. Die sorgen dafür, dass der Denkapparat effektiver arbeitet, und zwar dauerhaft. Die vielen neuen Aufgaben, die Mütter täglich bewältigen müssen, trainieren ihren Kopf.

Wie lange darf ich die Milch in der Mikrowelle lassen? Ist die Beule meiner Tochter harmlos oder muss ich mit ihr zum Arzt? "Wird der Opa im Grab bei Regen nass?" Schnell! Meine Fünfjährige erwartet eine Antwort! Und was sage ich dem Lehrer, der sich beklagt, dass mein Sohn zwar tolle Aufsätze schreibt, diese aber nichts mit den vorgegebenen Themen zu tun haben?

Wie schaffen Mütter all das? Schließlich hat auch für sie der Tag nur 24 Stunden. Das Erfolgsrezept heißt: Multitasking. "Weil Frauen mehrere Gehirnteile gleichzeitig aktivieren können, können sie sich hervorragend auf verschiedene Dinge konzentrieren", so die amerikanische Pulitzer-Preisträgerin Katherine Ellison aus Kalifornien in ihrem Buch "Mutter sein macht schlau". Und das heißt nicht nur: Lasagne kochen und gleichzeitig telefonieren. Es ist mehr: sich auf das Wesentliche konzentrieren und das Unwichtige übersehen - mit einem Wort: Es geht um Effizienz.

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