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Mutter mit 20: Danke, Mama, das hast du toll gemacht!

Vivian Bahlmann mit ihrer Mutter
Als Vivian Bahlmann auf die Welt kam, war ihre Mama gerade 20 Jahre alt. © Picasa

Sie war erst 20 Jahre alt, als sie Mutter wurde

Wäre ich meine Mama, hätte ich jetzt schon eine dreijährige Tochter. Ich habe zwar nichts gegen Kinder, aber das könnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich bin ja selbst erst 23 Jahre alt. Aber für meine Mama verlief damals alles nach Plan und sie war mehr als glücklich, als sie - im Alter von 20 Jahren – ein kerngesundes Mädchen auf die Welt brachte. Es gab in unserem Leben auch viele schwierige Situationen, aber – und das weiß ich aus eigener Erfahrung – es gab und gibt auch genauso viele Situationen, in denen ich es wundervoll finde, dass meine Mama so jung ist.

Von Vivian Bahlmann

Was eine aufregende und verrückte Zeit das gewesen sein muss: Als meine Mama 18 Jahre alt war, floh sie aus Ost-Berlin nach West-Deutschland – und das genau am Tag des Mauerfalls. Ihr Weltbild wurde wohl ziemlich auf den Kopf gestellt, in den zwei Jahren, in denen sie mit ihrer besten Freundin in Hamburg lebte. Doch sie vermisste Berlin. Zurück in der Heimat, lernte sie meinen Vater kennen, mit dem sie eine Familie gründete. Doch als ich auf der Welt war, stellte sich ziemlich schnell heraus, dass mein Vater doch nicht so Papa-tauglich war, wie meine Mama gedacht hatte. Und so waren Mama und ich schnell unsere eigene kleine Familie.

Im Alter von 20 hatte ich damit zu kämpfen, eine geeignete Balance zwischen Schule, Party-Wochenenden und meinem Sport zu finden. Hätte man mir in diesem Alter ein Kind auf den Schoß gesetzt - ich wäre komplett überfordert gewesen. Für meine Mama muss es damals ähnlich gewesen sein. Doch wie Mamas halt so sind – mit ihrem riesigen Herzen – die haben immer eine Lösung! Mittlerweile sehe ich, wie selbstlos sie sich den Herausforderungen des Mama-Seins gestellt hat. Im Mittelpunkt der Problemlösung stand für sie immer ihr Kind. Sie selbst stellte sich an zweite Stelle.

Meine Mama hat weder einen akademischen Abschluss, noch Abitur. Und sie befürchtete, sie könne mir nicht die nötige Bildung und das Wissen vermitteln, das sie sich für mich wünschte. Und genau das ist es, was sie mir auf den Weg gab: "Mausi, sei fleißig in der Schule, nur so stehen dir irgendwann alle Türen der Welt offen!" So wurden ihre Freunde und Brüder zu meinen Nachhilfelehrern, die Tageszeitung zur Pflichtlektüre und 'n-tv' lief in der Endlosschleife.

Sie hat mir beigebracht, zu leben

In meiner kompletten Kindheit empfand ich meine Mama als unheimlich locker - im Vergleich zu den Eltern meiner Freunde. Ich durfte bei Freunden übernachten, ich durfte essen wie und anziehen was ich wollte. Ich durfte immer so lange zum Spielen draußen bleiben, wie meine Freunde - und dann selbst nach Hause kommen. Und immer war sie sich sicher, dass ich ihr Vertrauen nicht missbrauchen und weder sie, noch mich in Schwierigkeiten bringen würde. Und ich kann nur sagen: Diese Vertrauenssache funktionierte.

Sie hat all ihre Energie investiert, um mich zu unterstützen und half mir immer, meine Ziele zu verwirklichen. Sogar der Job spielte für meine Mama nur die zweite Geige. Sie arbeitete, um mir gewisse Dinge bieten zu können und beispielsweise den Sportverein zu finanzieren. Aber es war ihr immer wichtiger, Zeit mit mir zu verbringen, für mich da zu sein.

Trotz ihres relativ jungen Alters stand meine Mama immer mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen und hat mir gezeigt, was wichtig im Leben ist. Und genau das hat wohl ihre Erziehung ausgemacht, wobei sie den Begriff 'Erziehung' gar nicht mag. Sie spricht immer davon, mit dem Kind zusammen zu 'leben' und ihm Raum für die Entfaltung der Persönlichkeit zu geben. Und das mit dem 'leben' trifft es schon ganz gut: Seitdem ich 21 Jahre alt bin, habe ich eine eigene Wohnung, kann mir alleine mein Essen kochen und auch mit Geld kann ich umgehen. Sie hat es geschafft, mich auf das Leben da draußen vorzubereiten. Und dafür bewundere ich sie sehr.

Wenn ich irgendwann selbst Mutter werden sollte, werde ich wesentlich älter sein als sie es war. Ich werde keine jugendlichen Hummeln mehr im Popo haben oder mich mit einer Ausbildung herumplagen. Vielleicht sieht die Situation dadurch etwas entspannter, sicherer aus – vielleicht aber auch nicht. Was ich mir aber wirklich wünsche, ist, dass ich eine genauso tolle und lockere Mama werde, wie meine es war und immer noch ist! Und ich bin mir absolut sicher, dass es völlig egal ist, in welchem Alter man sein erstes Kind bekommt – denn das Herz einer Mama ist das größte und liebevollste, was man sich nur vorstellen kann. Danke, Mama!

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