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Mutter-Kind-Kur: So können sich Mütter am Limit Hilfe holen

Wenn Mütter eine Auszeit brauchen
Wenn Mütter eine Auszeit brauchen Zahl der Mutter-Kind-Kuren steigt 00:02:27
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Mutter-Kind-Kur: Der Bedarf liegt in Millionenhöhe

Kind, Haushalt, Job, finanzielle Sorgen und Probleme in der Partnerschaft - alles zusammen kann Mütter an den Rand ihrer Belastungsgrenze bringen oder gar darüber hinaus. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, sich Hilfe zu holen. Und das tun immer mehr Mütter, wie die Zahlen des Müttergenesungswerks zeigen: 2016 haben etwa 49.000 Mütter und 72.000 Kind eine Kur in Anspruch genommen, der Bedarf liegt nach Einschätzungen der Experten aber in Millionenhöhe. Letztlich beantragt aber nur ein Bruchteil der Mütter eine Kur. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Mutter-Kind-Kur und erklären Ihnen, wo Sie sich informieren und einen Kur-Antrag stellen können.

Die Mutter-Kind-Kur ist eine Auszeit für Mama

Eine Mutter-Kind-Kur soll vom Alltag befreien und Müttern, die oft an Mehrfacherkrankungen leiden, eine Möglichkeit geben, sich eine Auszeit zu nehmen. Zu den häufigsten Problemen zählen Erkrankungen des Bewegungsapparates, meist Rückenprobleme, und psychosomatische Erkrankungen. Immerhin leiden über 87 Prozent der Mütter, die eine Kur gemacht haben, unter Erschöpfungszuständen bis hin zum Burnout. Viele der Mütter sind durch Doppelaufgaben, wie der Pflege eines Familienmitglieds oder durch die Situation als alleinerziehende Mutter nicht mehr in der Lage, auf ihr eigenes Wohlbefinden zu achten - und die Gefahr von Folgeerkrankungen wie Depressionen oder einem Zusammenbruch sind enorm.

Eine Studie der Universität Freiburg hat bereits vor einigen Jahren ergeben, dass sich die Situation durch eine Kur nicht nur kurzfristig verbessert, sondern auch langfristig Kosten gespart werden können. Die Frauen gingen nach einer Kur weniger häufig zum Arzt und mussten auch weniger Medikamente einnehmen. Es gibt also gute Gründe, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen.

Mutter-Kind-Kur: Wo beantragen, wer zahlt, wo wird beraten?

Mutter mit Tochter
Eine Mutter-Kind-Kur soll die Situation der Mutter langfristig verbessern. © iStockphoto

Was genau ist eine Mutter-Kind-Kur?

Eine Mutter-Kind Kur ist eine Sonderform der medizinischen Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahme. Zum therapeutischen Programm gehören: Ärztliche und psychologische Beratung, Bewegung und Sport, Gruppen- und Einzelgespräche, Entspannungsverfahren, kreative und musische Angebote und Ernährungsberatung. Kinder werden von Pädagogen betreut und bei Bedarf medizinisch behandelt. Schulpflichtige Kinder bekommen eine Art Schulunterricht.

Welche Krankenkassen bezahlen eine Mutter-Kind-Kur?

Eine Mutter-Kind-Kur dauert in der Regel 21 Tage und ist Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung. Dort spricht man dann von einer Sanatoriumskur. Für eine Kur darf während dieses Zeitraumes kein Urlaub genommen werden.

Die private Krankenversicherung bezahlt im Normalfall nur die Kosten für die medizinische Behandlung während eines Kur-Aufenthaltes. Je nach Versicherungspolice kann es aber sein, dass eine Mutter-Kind-Kur mit eingeschlossen ist. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob diese eine Vorsorge- / Rehabilitations- oder Sanatoriumsbehandlung enthält.

Wer kann eine Mutter-Kind-Kur beantragen?

Bei einer Mutter-Kind-Kur muss die Mutter bzw. der Vater behandlungsbedürftig sein und darf die Kinder als Begleitpersonen mitnehmen, wenn zuhause keine ausreichenden Betreuungsmöglichkeiten bestehen. Die Mütter, bzw. alle Erziehungsverantwortlichen, sind die Zielgruppe dieser Kur. Auch Väter und Großeltern können eine Mutter-Kind-Kur beantragen. Falls das Kind auch medizinisch behandelt werden muss, wird ein entsprechend passendes Kurhaus ausgesucht.

Kann auch eine ganze Familie zur Kur fahren?

Nein - grundsätzlich können nur Frauen mit und ohne Kinder oder Väter mit Kindern bei einer Mutter-Kind-Kur aufgenommen werden. In Sonderfällen, wie einer Krebserkrankung, werden auch Familienmaßnahmen bewilligt.

Was kostet die Mutter-Kind-Kur?

Wenn die Krankenkasse die Mutter-Kind-Kur bewilligt, übernimmt sie auch die vollen Kosten. Auch die Anreise wird von der Krankenkasse bezahlt. Für die Mütter wird ein Eigenanteil von zehn Euro am Tag für Essen und Unterkunft fällig. Kinder fahren kostenfrei zur Mutter-Kind-Kur. Die Zuzahlung zur Kur kann man aber steuerlich absetzen.

Das Müttergenesungswerk ist Anlaufstelle

Wie beantragt man eine Mutter-Kind-Kur?

Der erste Weg ist der zum Arzt. Wenn dieser eine Kur für sinnvoll und - ganz wichtig - medizinisch notwendig hält, können Eltern bei der Krankenkasse einen Antragsvordruck anfordern. Auch im Internet auf der Homepage des Müttergenesungswerks man kann sich das Antragsformular anschauen, herunterladen und ausdrucken.

Damit der Antrag gute Chancen auf Erfolg hat, ist einiges zu beachten: Das Gutachten des eigenen Arztes sollte sehr ausführlich sein. Der Arzt sollte differenziert berichten und den Erschöpfungszustand genau beschreiben. Rücken- und Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie Beziehungskrisen im Attest genau zu beschreiben wird helfen, eine Bewilligung von der Kasse zu erhalten. Ganz wichtig ist es, im Gutachten zu erwähnen, dass es zwingend notwendig ist, die Mutter aus ihrem Alltag herauszunehmen. Das Attest vom Arzt wird dann gemeinsam mit dem ausgefüllten Antragsformular bei Ihrer Krankenkasse eingereicht.

Was sollte man tun, wenn die Krankenkasse den Antrag auf eine Kur ablehnt?

Zwölf Prozent aller Anträge werden abgelehnt. Aber zwei Drittel aller Widersprüche gegen die Ablehnung sind erfolgreich. Darum empfiehlt sich, bei einer Ablehung immer einen Widerspruch einzulegen!

Wo kann man sich beraten lassen?

Das Müttergenensungswerk ist eine gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, Mütter zu unterstützen und die Gesundheit zu stärken. In ganz Deutschland stehen Müttern rund 1.360 Beratungsstellen zur Verfügung. In 84 anerkannten Einrichtungen werden für Mütter und Väter Rehabilitationsmaßnahmen sowie gemeinsame Kuren mit Kindern angeboten.

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