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Multitasking in der Beziehung: Frauen müssen an alles denken

Multitasking
Eines der großen Talente von Frauen ist es, mehrere Dinge auf einmal zu tun.

Multitasking: Frauen als "lebende Kalender"?

Eines der großen Talente von Frauen ist es, mehrere Dinge auf einmal zu tun. Telefonieren und dabei eine Pizza belegen. Fernsehen, sich die Nägel lackieren und zugleich die Hausaufgaben der Kinder korrigieren. Als wäre das nicht genug, bringen Frauen auch eine unglaubliche Wandelbarkeit in ihre Beziehungen mit ein, was ihre verschiedenen Rollen angeht. Eben noch als wollüstige Geliebte nackt auf dem Laken, dann in die Kittelschürze und als Mama verkleidet dem erschöpften Mann ein Hühnersüppchen kochen und schließlich im Blaumann den verstopften Abfluss reparieren.

So haben die Männer es gern. So brauchen sie es. Zum Überleben. Schließlich bricht der durchschnittliche Mann bereits zusammen, wenn er gerade einen ganzen Satz sagen will - und es klingelt zufällig an der Tür.

Seit einigen Wochen beobachte ich, dass dieser seit Jahrhunderten etablierte Multifunktionalismus der Frauen ins Stocken geraten ist. Und zwar im Bereich der peniblen Kalenderführung. Ihr kennt das: Es sind immer die Frauen, die sich eifrig sämtliche Geburtstage und andere Ehrentage notieren, die Termine für die Fußballturniere der Söhne, selbst den Hochzeitstag. Ein saublöder Job. Demütigend. Ich stelle schmunzelnd fest: Plötzlich schreiben sich immer mehr Frauen immer weniger auf.

Angefangen hat es mit meiner Freundin Anne. Ein Grillfest mit Freunden stand auf dem Plan. Auf Annes Plan. Der Mann sagte, wie immer: "Mach mal."

Wann, wo, wie - wer bringt Fleisch mit, wer Salat - das Übliche. Der Mann hielt sich raus. Bei Nachfragen hieß es von seiner Seite: "Ich weiß von nichts. Fragt Anne, die hat alles notiert. Die kümmert sich."

In die Männersprache übersetzt heißt das: "Ich liebe Würstchen und Bier sehr, ich liebe jede Form von Geselligkeit am Wochenende. Doch ich kann mir den Kleinkram einfach nicht merken. Große Dinge prägen mein Dasein - der Job, die Firma. In meinem Timer steht: Konferenz. Nicht: Würstchen für zehn Menschen besorgen."

Da entschloss sich Anne, einem Gedächtnisschwund zu erliegen und für diese Peanuts ebenfalls keinen Sinn mehr zu haben. Ein leeres Blatt im Kalender. Es kam ein herrlich sonniger Sonnabend - aus allen Gärten duftete es, der Gatte rieb sich sein Bäuchlein und wollte wissen: "Wo ist die Wurst, wie kalt ist das Bier - und wann kommen die Gäste?" Niemand kam, nichts war organisiert. Das Bäuchlein blieb schmerzlich leer. Das hatte für das männliche Hirn wundersame Wirkung. Von diesem trostlosen Tag an hat der Gute sich alle Familien-Termine brav notiert.

Männer können auch, aber nur wenn sie wollen

Ein anderer Freund von mir, der ebenfalls fast vereinsamt wäre, weil die Frau den Stift hat fallen lassen und kein lebender Kalender mehr sein wollte, verfügt seither über ein Elefanten-Gedächtnis. Der hat jetzt alles im Kopf, der Mann. Und auch noch zusätzlich im Kalender. So schnell lernen Männer. Wenn man sie lässt.

Manchmal braucht es dafür eine kleine Revolution. Von Frauenseite aus. Ein Boykott. "Schick mir eine Mail" - sagte auch mein Mann immer, wenn es um Verabredungen geht. Dazu gehört sein eigener Geburtstag. Und das ist schon wieder liebenswert, weil so uneitel. Trotzdem, Annes Aufstand hat mir Mut gemacht.

Dieses Jahr im August werde ich ihn nicht an seinen Ehrentag erinnern, niemanden einladen, sondern ihm "nur" feierlich gratulieren und beschenken. Keine Party. Er liebt Partys. Ich gehe davon aus, dass er sich im nächsten Jahr seinen Geburtstag merken wird.

Macht es mir nach, wenn Ihr auch lebende Kalender und Event-Managerinnen in Eurem Beziehungsleben seid!

Eure Birgit

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