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Multitabs im Test: Diese Geschirrspül-Tabs sind gefährlich für Besteck und Maschine

Geschirrspüler und Spültabs auf dem Prüfstand
Geschirrspüler und Spültabs auf dem Prüfstand Stiftung Warentest hat getestet 00:02:26
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Sauberes Geschirr mit Multitabs ohne Phosphate

Stiftung Warentest hat 13 Geschirrspültabs getestet, darunter sechs ohne Phosphate und drei mit wasserlöslicher Folie umhüllte Gele. Das Ergebnis überrascht: Einige Multitabs ohne Phosphate reinigen das Geschirr nicht nur umweltschonender, sondern auch besser. Alle Spülmittel enthalten Klarspüler und Salzersatz zum Enthärten des Wassers. Sechs Tabs scheiden gut ab, doch die Reinigungskraft der getesteten Gelkissen war unzureichend.

Verschiedene Multitabs wurden von Stiftung Warentest getestet.
Das Ergebnis des Tests ist unglaublich: einige Tabs schaden auf Dauer Besteck und Maschine.

Gewässerbelastende Phosphate

Das Problem an Phosphaten? Sie belasten die Gewässer. Phosphate sind Nährstoffe für Pflanzen. Wenn sie mit dem Abwasser in Seen und Flüsse fließen, fördern sie stark das Algenwachstum. Die Algen sterben ab und sinken. Bakterien am Boden des Sees zersetzen die Algen unter Sauerstoffverbrauch. Durch den stetigen Sauerstoffverbrauch kommt es irgendwann zu Sauerstoffmangel. Lebewesen, die nur unter aeroben Bedingungen leben können, wie Fische, sterben. Das vergrößert die Biomasse, die von den Bakterien abgebaut werden muss zusätzlich. Die Sauerstoffkonzentration sinkt auf Null und der See "kippt um". Gebundes Eisen-III-Phosphat löst sich wieder zu Phosphat und düngt den See zusätzlich, Bakterien wandeln Ammoniumionen zu giftigem Ammoniak um und es bilden sich Gase wie Methan und Schwefelwasserstoff. Aus diesem Grund ist Phosphat bereits aus Waschmitteln verschwunden. Voraussichtlich ab Januar 2017 wird eine EU-Verordnung auch die Verwendung von Phosphor in Geschirrspülmitteln strikt beschränken.

Problem: Phosphat ist schwer zu ersetzen

In Multitabs lassen sich Phosphate nur schwer ersetzen. Die möglichen Ersatzstoffe führen oft zu Nebeneffekten wie Kalkbelägen auf dem Geschirr. Phosphate binden die für Kalkbeläge verantwortlichen Kalzium- und Magnesiumionen. Außerdem erhöhen sie die Reinigungskraft. Nach gescheiterten Ersatzstoffen wie Zitronensäure setzen einige Unternehmen, auch der Testsieger, auf Methylglycindiessigsäure (MGDA). Es verhindert ebenso wirksam Kalkbeläge, ist aber leicht biologisch abbaubar.

Finger weg von diesen Multitabs: Sie verfärben Besteck und schaden dem Geschirrspüler

Die Gelkissen Actiff Gel-Caps All in 1 und Denkmit All in 1 Liquid Power-Tabs sind beide mit einer glatten 5,0 durchgefallen. Sie bringen nur unzureichende Reinigungsleistung, Teeränder und Nudelreste bleiben unverändert am Geschirr. Außerdem ließen sie das Edelstahlbesteck und den Maschineninnenraum nach 300 Spülgängen blau-violett schimmern. Mit üblichen Mitteln lassen sich diese Beläge nicht entfernen. Gerade ein ausreichend schaffte das dritte Gelkissen im Test, das Somat Multi Gel Tabs. Auch seine Reinigungsleistung ist schwach.

Dass es auch bei anfänglich guter Reinigungsleistung noch ein böses Erwachen geben kann, zeigt Domol Ökologisch. Die Tabs scheitern im Dauertest und sind deshalb mangelhaft. Bereits nach 100 Waschgängen glänzt das Edelstahlbesteck golden. Mit haushaltsüblichen Mitteln lässt sich die Verfärbung nicht mehr entfernen. Noch schlimmer: Ebenfalls nach 100 Spülgängen klebt braunes, feinsandiges Pulver im Innenraum der Maschine. Es haftet an Geschirrkörben und am Ablaufsieb.

Multitabs: Das sind die Testsieger

Den Sieg teilen sich zwei Multitabs mit dem Ergebnis gut (2,2). Das Fit Power Tabs 12 ohne und das Somat Gold mit Phosphaten. Bei der Reinigungsleistung überzeugt das Somat Gold mehr, dafür hat das Fit Tab bei den Kategorien Klarspülen, Materialschonung und Umwelteigenschaften die Nase vorn. Mit mehr als 20 Cent pro Spülgang haben beide einen stolzen Preis. Dafür werden selbst Teeränder und stärkehaltige Speisen restlos entfernt.

Auch diese Tabs überzeugen

Nur knapp dahinter auf Platz zwei und drei liegen übrigens die beiden phosphatfreien Multitabs Denkmit Nature, eine Eigenmarke von dm, mit 2,3 und Fit Grüne Kraft Alles in 1 mit 2,4. Beide sind gute Alternativen zum phosphatfreien Testsieger. Leichte Abstriche gibt es beim Klarspülen. Nach 300 Spülgängen haben manche Glasarten außerdem Korrosionsschäden.

Fazit: Die Jahrzehnte, in denen nur phosphathaltige Geschirrspültabs gute Reinigungsleistungen erbracht haben, sind vorbei. Die Aufgabe, gewässerbelastende Phosphate aus den Spültabs zu verbannen, ist auf jeden Fall gut lösbar.

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