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Müttergenesungswerk: Mutter sein ist ein Gesundheitsrisiko

Müttergenesungswerk: Mutter sein ist ein Gesundheitsrisiko
Der neue Jahresbericht des Müttergenesungswerks zeigt, wie schwer es Mütter haben © diego cervo

Schlafstörungen und Erschöpfungszustände - Mutter sein macht krank

Es ist nicht einfach, Mutter sein. Immer mehr Frauen werden in Deutschland krank, leiden unter Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen bis hin zum Burnout, da die familiären Belastungen zu groß sind. Das hat das Müttergenesungswerk herausgefunden. Was kann man tun, um den Stress im Alltag zu mildern?

Von Christiane Mitatselis

Die Kinder zur Schule bringen, dann ins Büro hetzen, die Arbeit so schnell wie möglich erledigen, da schon um drei der Hort schließt und die Kleinen wieder abgeholt werden müssen. Hausaufgaben betreuen, ein Kind zum Sportplatz fahren, Essen kochen… Der normale Arbeitstag einer Mutter kann an den Nerven zerren - und krank machen. Das Müttergenesungswerk stellte Anfang der Woche seinen Jahresbericht vor und konstatierte: "Die Übernahme von Familienverantwortung ist für viele Frauen in Deutschland ein Gesundheitsrisiko."

Und: "Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burnout (…) ist in den letzten zehn Jahren um 37 Prozent gestiegen." Die Erkrankungen seien "gesellschaftlich bedingt" und nicht auf "individuelles Versagen" der Frauen zurückzuführen. Als Ursachen nennt das Müttergenesungswerk "Unsicherheiten im Lebensverlauf und ungleiche Arbeitsteilung in der Familie" sowie "mangelnde Anerkennung".

Konkret heißt das: Beruf und Kinder lassen sich in Deutschland immer noch schlecht vereinbaren, da es zu wenige Möglichkeiten der Kinderbetreuung gibt. Mütter werden im Beruf zudem oft dadurch gemobbt, dass Chefs ihnen nicht viel zutrauen – und obendrein beteiligen sich die Väter nicht ausreichend an Familienaufgaben.

Frauen, die nicht mehr können, haben die Möglichkeit, eine von der Krankenkasse finanzierte Kur zu beantragen. Beim Müttergenesungswerk taten das im Jahr 2013 49.000 Mütter mit 71.000 Kindern.

Mütter müssen einfach mal "Nein" sagen, wenn es ihnen zu viel wird

Was kann eine Mutter tun, um den Stress im Alltag mildern? Einer der zentralen Punkte, den Psychologen in Ratgebern formulieren, lautet: Nein sagen. Frauen neigen dazu, sich zu viel aufzubürden und ihre Aufgaben obendrein perfektionistisch erledigen zu wollen. Der Satz "Nein, das mache ich nicht, es wird mir zu viel" kann sehr befreiend sein.

Wenn der Mann zum Beispiel ein ordentliches Hemd braucht, kann man ihm einfach das Bügeleisen in die Hand drücken – und sagen: "Mach' es selbst, ich habe keine Zeit." Er läuft am nächsten Tag verknittert zur Arbeit? Sein Problem, beim nächsten Mal macht er es besser. Mama kann nicht für alles verantwortlich sein! Die Kinder müssen abgeholt werden? Vater hätte Zeit, will aber lieber Fußball sehen? Sein Problem, er ist dran, Ausreden werden nicht anerkannt. Nein!

Das Müttergenesungswerk stellte fest, dass "gleichberechtigte Arbeitsteilung der Familienaufgaben einen direkten Bezug zur Gesundheit der Mutter" hat. Wer alleinerziehend ist, muss sich anderweitig Hilfe suchen: Etwa Kooperationen mit anderen Müttern – oder vielleicht eine Putzhilfe?

Überhaupt müssen sich Mütter etwas gönnen können: Zeit für sich selbst, Zeit, Sport zu treiben, Freunde zu treffen, bummeln zu gehen. Entspannung ist das beste Mittel gegen Stress. Wer entspannt ist, erledigt seine Aufgaben leichter und mit mehr Freude.

Natürlich ist das alles einfacher gesagt als getan. Wer aber merkt, dass es nicht mehr weitergeht, muss die Probleme angehen und nach Lösungen suchen, denn sonst bricht eines Tages alles zusammen.

Wahrscheinlich gelingt das besonders gut während einer Kur, und zwar besser früher als später. Das Müttergenesungswerk weist darauf hin, dass Mütter häufig zu lange versuchten, mit hohem Druck klar zu kommen und erst dann professionelle Hilfe suchten, wenn sie nicht mehr funktionierten.

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