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Mütter-Ranking: Wo hat eine Mutter es besonders schwer?

Hilflose Mütter: Niger ist Schlusslicht im Mütter-Ranking von Save the Children.
Hilflose Mütter: Niger ist Schlusslicht im Mütter-Ranking von Save the Children. © Anna Kari

Im Mütter-Ranking ist Niger ganz unten

Das aktuelle Ranking von 'Save The Children' zur Situation von Müttern weltweit könnte für uns ein ganz hervorragender Anlass zum Jammern und Wehklagen sein: Deutschland - immerhin eines der wenigen Länder mit einer Frau an der Spitze - hat es nämlich in diesem Jahr nicht unter die Top Ten geschafft. In das Ranking wurden Indikatoren wie Müttersterblichkeit, Ernährung der Kinder und der Anteil von Kindern, die zur Schule gehen, mit eingerechnet. Der politische Einfluss von Frauen, ihre Bildungschancen, der Einsatz von Verhütungsmitteln sowie die Möglichkeiten, in den Mutterschutz zu gehen, spielten eine Rolle. Genauso wie die Frage, wie groß zwischen Männern und Frauen das Gefälle beim Einkommen ist.

von Ursula Willimsky

Tja. Und für Deutschland hat es da nur für Position 12 gereicht. Spitzenreiter ist mal wieder ein skandinavisches Land: Norwegen. Jetzt könnte man beginnen, Ursachenforschung zu betreiben. Warum nur schneidet unser Land so schlecht ab? Liegt es an zu wenigen Krippenplätzen? Mangelnder gesellschaftlicher Akzeptanz von arbeitenden Müttern? Zu unflexiblen Betreuungszeiten? Unwilligen Chefs? Falschen politischen Weichenstellungen?

Aber in uns sträubt sich etwas dagegen, uns angesichts dieses Rankings mit der verbesserungsfähigen Situation von Müttern in Deutschland auseinanderzusetzen. Denn der 'State of World´s Mother Report' führt uns vor Augen, wie gut es uns auf unserer Postition 12 geht: In Niger zum Beispiel - dem Schlusslicht des Rankings - besucht ein Mädchen durchschnittlich nur vier Jahre lang eine Schule. Seine Lebenserwartung liegt bei 56 Jahren. Im Durchschnitt. Denn laut 'Save the Children' sterben 2,6 Millionen Kinder und rund 100 000 Mütter an Unterernährung. Jahr für Jahr! 7,6 Millionen Kinder sterben an eigentlich verhütbaren oder behandelbaren Krankheiten, bevor sie ihren fünften Geburtstag feiern können. Und zwar Jahr für Jahr!

Was untersucht das Mütter-Ranking?

In mehr als 80 Ländern dieser Erde mussten die Mitarbeiter dieser Kinderhilfsorganisation feststellen, dass mindestens 20 Prozent der Kinder unterentwickelt sind. In 30 dieser Länder liegt diese Rate gar bei 40 Prozent. Und in 10 Ländern bei 60 Prozent.

Kinder, die von hungernden Müttern zur Welt gebracht werden. Die selbst Hunger leiden. Sich nicht entwickeln können; deshalb vielleicht unter irreparablen Schäden ihr Leben lang zu leiden haben. Die nicht oder nur kurz zur Schule gehen dürfen. Diese Kette an Schäden - so der Report - beginnt oft schon vor der Geburt, wenn eine arme, unterernährte Schwangere einfach körperlich nicht in der Lage ist, das Baby in ihrem Bauch ausreichend zu versorgen. Das Kind kommt mit Untergewicht zur Welt. Seine Mutter - oft verarmt, überarbeitet, schlecht ausgebildet oder krank - ist dann oft nicht in der Lage, das Kind ausreichend zu ernähren. Die Folge: Häufige Infektionen und Mangelerscheinungen.

Dabei, so 'Save the Children', sind vor allem die ersten 1.000 Tage - vom Beginn der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag entscheidend für die Gesundheit des Kindes. „Die richtige Ernährung in diesem Zeitfenster kann sehr großen Einfluss haben auf das Heranwachsen des Kindes, seine Fähigkeit, sich zu entwickeln. Zu Lernen. Und aus der Armut auszubrechen.“

Die Organisation propagiert derzeit eine Still-Kampagne, die helfen soll, mehr Kinder in den ersten Monaten ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Ihr Augenmerk liegt nicht nur auf den Kindern, sondern auch auf den Müttern (deshalb auch das regelmäßige Ranking). Denn „mehr als 90 Jahre Erfahrung vor Ort“ hätten gezeigt, dass „die Qualität von Kinderleben von Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden ihrer Mütter abhängt“, so der Report.

„Millionen von Müttern in armen Ländern kämpfen sich ab, um ihren Kindern einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen. Doch komplexe soziale und kulturelle Strukturen“ benachteiligten sie in vielen Entwicklungsländer und sorgten dafür, dass viele Mädchen schon sehr früh hungern müssten. Deshalb sei wichtig, Mädchen in armen Ländern Bildungschancen zu eröffnen, so die Autoren des Rankings. Mädchen mit guter Schulbildung bekämen weniger Kinder, die aber gesünder und besser ernährt seien. Mädchen-Bildung sei „eine der effektivsten Methoden im Kampf gegen den Teufelskreislauf der Unterernährung.“

Und damit auch gegen diese erschreckende Zahl von 7,6 Millionen Kindern, die nicht älter als vier werden. Weil ihre Mutter nicht in einem Land lebt, das im Ranking auf Platz 12 gerutscht ist, sondern in einem Land mit der Nummer 122, 141 oder 165, wie Niger.

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