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Mütter mit Borderline-Syndrom: Leben mit einer Persönlichkeitsstörung

So gehen Mütter wie Kati mit dem Borderline-Syndrom um

Menschen mit Borderline-Syndrom erleben Emotionen wie Freude, Trauer, aber auch Wut und Angst viel intensiver als gesunde Menschen. Die Erkrankung ist nicht nur eine Belastung für Betroffene, auch das nähere Umfeld und besonders die Familie leiden sehr darunter. So wie die von Kati Galluci. Seit Jahren kämpft die 37-Jährige gegen ihre schwere Persönlichkeitsstörung. Sogar einen Selbstmordversuch hat die Mutter von zwei Kindern bereits hinter sich. Was es mit der Erkrankung auf sich hat und wie Katis Familie mit ihrer Krankheit umgeht.

Mütter mit Borderline-Syndrom: Leben mit einer Persönlichkeitsstörung
Auch Katis Kinder Jolina und Gianluca leiden unter Mamas Borderline-Störung.

Ritzen, Zwänge, Selbstmordgedanken - unter ihrer Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet Katis gesamte Familie. Besonders die beiden Kinder. Oft gehen die Sorgen von Sohn Gianluca sogar soweit, dass er sämtliche Rasierklingen im Haushalt vor seiner Mama versteckt - aus Angst, dass sie sich ritzen könnte. Während Katis Tochter Jolina ihre ganz eigene Methode entwickelt hat, um mit Mamas Ausraster umzugehen: Die Neunjährige flüchtet dann einfach unters Bett.

All das sind Maßnahmen die Katis Kinder ergreifen, damit sie sich nicht selbst oder eben möglicherweise sogar andere verletzt. Angst haben die beiden Kinder nicht VOR ihrer Mutter, sondern viel mehr UM die 37-Jährige: Vor anderthalb Jahren nämlich will sich Kati mit Tabletten das Leben nehmen. Doch ihr Lebensgefährte Heiko findet sie glücklicherweise rechtzeitig.

Was genau ist eigentlich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)? Es handelt sich hierbei um eine psychische Erkrankung, bei der bestimmte Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handels beeinträchtigt werden. Dies äußert sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen und einem besonders gestörten Verhältnis zu sich selbst. Die Erkrankung macht sich oftmals im frühen Erwachsenenalter bemerkbar und beeinflusst sämtliche Lebensbereiche. Auslöser sind traumatische Erfahrungen wie psychische, physische, sexuelle Gewalt oder Vernachlässigung. Für Betroffene ist ein normales Leben mit Gefühlen nicht möglich, da sie im Bereich der Emotionen fast ausschließlich Extreme erleben.

Allein durch harte Arbeit an sich selbst und durch eine langjährige Therapie können Borderliner mit den Gefühlsschwankungen und Handicaps einigermaßen zurechtkommen. Leider erfolgt die Diagnosestellung recht spät und erst nachdem die Erkrankten eine Odyssee durch medizinische Einrichtungen hinter sich haben. Ungefähr 70 bis 75 Prozent der Borderline-Diagnosen werden bei Frauen gestellt. Oftmals haben diese zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Kinder oder setzen sich mit dem Gedanken auseinander, welche zu bekommen. Frauen mit dieser Erkrankung haben besonders hohe Ansprüche an sich und ihr familiäres Umfeld. Das kann sich durch Überbehütung oder einen Kontrollzwang äußern, was für das Kind eine extreme Belastung darstellt. Ganz normale Entwicklungsphasen des Kindes stellen für Mütter mit Borderline sogenannte `Triggersituationen‘ dar, in denen es ihnen schwer fällt, sich wie Erwachsene zu verhalten. Diese Schlüsselsituationen können die Erkrankung sogar noch verschlimmern und zu Eskalationen zwischen Familienmitgliedern führen. So wie bei Kati.

Doch mit Hilfe einer Therapie versucht die Mutter heute ihre Gefühlsausbrüche besser in den Griff zu bekommen. Seitdem hat sie ihre Emotionen deutlich besser im Griff. Nicht zuletzt auch wegen ihres Notfall-Päckchens. Dieses enthält ganz bestimmte Bonbons mit dem Namen 'weinende Himbeere'. In einer Notsituation kann sich Kati diese in den Mund stecken und das starke Brennen in ihrer Mundhöhle lässt die junge Mutter dann die Wut auf andere Dinge vergessen.

Das familiäre Umfeld ist ebenfalls eine große Stütze und beeinflusst maßgeblich Katis positiven Therapieverlauf. Heute verletzt sich die 37-Jährige nur noch selten selbst und hat ihre extremen Gefühle besser im Griff. Als geheilt wird sie vermutlich jedoch nie gelten. Aber Kati hat neuen Lebensmut gefunden und wird ihren Kampf gegen Borderline niemals aufgeben.

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