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'Mommy Makeover': Brauchen Mütter Schönheitsops nach der Geburt?

Mommy Makeover: Nach der Geburt wieder schön
Mommy Makeover: Nach der Geburt wieder schön Muss die Rundum-Erneuerung wirklich sein? 00:03:01
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Schönheitsoperationen für Mütter?

In den USA gibt es ihn schon länger, den Trend zum „Mommy Makeover“, quasi eine Art Generalüberholung des Körpers, mit der Frauen die Spuren von Schwangerschaft und Geburt beseitigen wollen. Doch auch in Deutschland wird zunehmend danach gefragt – mal ehrlich, haben wir das nötig?

'Mommy Makeover': Brauchen Mütter Schönheitsops nach der Geburt?
© NiDerLander - Fotolia

Von Merle Wuttke

Wer die Begriffe „Mommy Makeover“ in den Rechner eingibt, der bekommt über zwei Millionen Treffer von der Suchmaschine ausgespuckt – es scheint also kein Randphänomen zu sein, wie man es beim ersten Hören vermuten würde. Bei einem „Mommy Makeover“ schickt man seinen Körper in die Werkstatt: schlaffe Bauchdecken werden gestrafft, Brüste angehoben, Dehnungsrisse korrigiert, die Vagina verengt, Schamlippen aufgehübscht... In den USA sollen sich im letzten Jahr über eine halbe Million Frauen diese Eingriffe in Kauf genommen haben, um die Prüfung durch den Mütter-TÜV zu schaffen. Der da ist: der eigene kritische Blick in den Spiegel und höchstwahrscheinlich auch der des Partners. Und ja, auch in Deutschland nimmt die Zahl der Schönheitsoperationen mit jedem Jahr zu, „Korrekturen“ im Intim-Bereich ist längst nichts mehr über das man hinter vorgehaltener Hand spricht. Die Frage ist nur: Was ist hier los?

Nachdem vor ein paar Jahren der „Wer ist nach der Schwangerschaft am schnellsten wieder dünn“-Wahn losgetreten wurde, angefacht von den Bildern irgendwelcher Promi-Mütter, die vier Wochen nach der Geburt wieder Bikini-Größe hatten (man denke nur an Heidi Klums Post-Geburts-Laufstegauftritte), scheint die Spirale sich jetzt noch weiter in die Höhe zu schrauben. Wahrscheinlich legt man demnächst am Tag des Schwangerschaftstests schon Geld für die Schönheits-OP zurück...

Warum meinen wir heute sämtliche Spuren von Leben verleugnen zu müssen?

Ohne Frage: Eine Schwangerschaft verändert den Körper. Den einen mehr, den anderen weniger. Das hat viel damit zu tun, wie fit man bereits vorher war, wie man sich ernährt hat, welchen Lebensstil man pflegte und ja, auch, ob Mutter Natur es gut mit einem meinte, was das Bindegewebe angeht. Und natürlich wird der Bauch auch mit täglichen 100 Sit-ups nicht mehr wie vorher sein, nach mehreren Schwangerschaften sowieso nicht. Aber ganz ehrlich: Das ist bei einer kinderlosen Frau im Laufe der Jahre auch nicht mehr der Fall. Und im Schwimmbad unter der Dusche gibt es oft genug 18jährige mit Hängebusen zu sehen. Na und?! Das ist Leben, das ist die Vielfalt der Natur.

Natürlich muss man sich als frisch gebackene Mutter nicht damit abfinden, dass man seinen Körper nicht wiedererkennt, mit Sport, guter Ernährung, geht schon was. Aber eben nur etwas und nicht alles. Und das ist auch okay. Warum sollte man denn nicht sehen dürfen, das dieser Körper ein Kind zur Welt gebracht hat, einen wahren Kraftakt vollbracht hat, etwas, dass nach wie vor zu den größten Wundern zählt?! Warum meinen wir heute sämtliche Spuren von Leben verleugnen zu müssen? Narben von Schwangerschaft und Geburt sind wie Falten im Gesicht, sie zeigen, dass wir ein erfülltes Leben haben, ja, das wir uns trauen zu leben mit allem, was dazu gehört. Der Körper, der diese Wahnsinnsleistung schafft ist nicht unser Feind, wir sollten ihn daher nicht wie einen behandeln. Und wir sollten selbstbewusst mit diesem Wissen umgehen – auch, was die Vorstellungen unserer Partner angeht. Es gibt etliche Geschichten von Vätern, die noch im Kreißsaal nach einem Dammriss die Ärzte beim Nähen zur Seite nehmen und heimlich fragen, ob es „Nicht ein bisschen enger ginge...?“ Hallo, geht’s noch? Wir sind Frauen und Mütter, keine Porno-Häschen. Statt uns immer weiter davon zu entfernen, was ganz normal und ein natürlicher Lauf der Dinge ist, sollten wir froh sein, dass wir überhaupt in der Lage sind, ein Kind auszutragen und zu gebären. Da sollen die schlaksigen Miezen am Strand erst einmal schaffen. Übrigens, falls die Laune beim Anblick des Bäuchleins mal wieder in den Keller geht – auf divine-mothering.com wird dem Mütterkörper sehr schön gewürdigt. Ein Klick lohnt sich.

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