Modekette diskriminiert Kunden: Mollige nicht erwünscht!

Modekette: Wir wollen nur schlanke Kunden!

Der Chef der Modefirma Abercrombie & Fitch hat entschieden, nur noch Damen-Klamotten bis Größe L anzubieten. In seinen Läden will er künftig nur noch Schöne und Schlanke sehen. Da helfen ja wohl nur Taten...

Abercrombie & Fitch: Mollige Kunden nicht erwünscht!
Abercrombie&Fitch © picture-alliance / beyond/Tips R, beyond/Tips RF

Von Jutta Rogge-Strang

Merken Sie sich den Namen Mike Jeffries - und gehen Sie ihm und seinen Produkten künftig aus dem Weg. Denn der US-Amerikaner ist wohl etwas zu oft vor den Kleiderschrank gerannt. Nicht nur, dass es in seinen Geschäften nur noch "kleine" Konfektionsgrößen für Frauen gibt, es müssen auch die Angestellten in den Shops, die Stewards in seiner privaten Airline und sein Hauspersonal jung, schön und makellos sein. Klagen gegen die Firma waren bereits erfolgreich, die Umsätze von Abercrombie & Fitch sinken. Abgesehen davon, dass Mike Jeffries offenbar auf dem besten Wege ist, mental ein wenig – sagen wir mal – abzugleiten: Was ist denn das schon wieder für ein Signal für die Frauen dieser Welt?

Ja, es soll schon vorgekommen sein, dass Frauen irgendwann nicht mehr in Klamotten für 12-Jährige passen. Das hat mehrere Gründe – unter anderem, dass Frauen von der Natur eigentlich fürs Kinderkriegen vorgesehen sind. Ihr Körper ist also von vornherein entsprechend eingerichtet: Das bedeutet, Hüften, Po und Bauch sind so angelegt, dass sie einem ungeborenen Baby den bestmöglichen Kuschelfaktor bieten.

Das bedeutet nicht zwingend eine Übergröße, reicht aber aus für Shopping-Frust! In Größe S finden sich überall schöne coole Klamotten, aber je größer die Konfektionsgröße, desto kleiner die Auswahl. Da kann einem die Lust am Shopping-Rausch schon mal gründlich vergehen. Ist aber auch blöd von der Natur, dass sie nicht ahnen konnte, dass genau die weibliche Figur irgendwann mal ein Problem sein könnte.

Im Laden kommt dann die Ernüchterung

Kürzlich habe ich mit einer Freundin einen neuen BH gesucht. Sie ist gut proportioniert, nicht wirklich dünn, aber hat für ihr Alter eine gute Figur. Ich musste sie regelrecht überreden, mit mir loszuziehen: Irgendwie hatte sie keine große Lust, sich neue schöne verführerische Dessous zu kaufen – merkwürdig. Wir landeten in einem großen gut sortierten Kaufhaus mit BHs, so weit das Auge reicht, in allen Formen und Farben. Ich war die „Läuferin“ und reichte Modelle in die Umkleide: alle zu klein, hm. Auf die Schnelle konnte ich nicht die passende Größe finden und fragte die Verkäuferin, die mich regelrecht entsetzt anschaute: „Nein, die Größe haben wir nicht!“ Da hängen also schätzungsweise 5.000 BHs – aber alle nur in kleinen Größen???

Wir haben natürlich noch einen schönen neuen perfekt passenden BH gefunden (ich sage es nur ganz leise: in einem Geschäft für Übergrößen). Aber das war nur mir zu verdanken, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es für die „normale“ Figur meiner Freundin keinen passenden BH geben sollte. Mitten in Deutschland, einer reichen Industrienation, sollte es doch wohl möglich sein, dafür problemlos Geld auszugeben!

Meine Freundin war hinterher wirklich glücklich. Und ich habe verhindert, dass sie frustriert nach Hause fährt, sich mit einem Schokoriegel einigelt und sich das Märchen vom Brauereipferd erzählt, das zusammen mit einem Fass einen BH kaufen geht.

Dabei ist das Ideal des dünnen Frauenkörpers noch gar nicht so alt: Erst ab Ende der 90er-Jahre wurden die Models immer dünner, die Zahl der Diättipps in Zeitschriften stieg massiv an. Absurdes Theater: Seit den 80er-Jahren sind deutsche Frauen im Durchschnitt um einen Zentimeter gewachsen, haben an der Taille um 4,1 und an der Hüfte um 1,8 Zentimeter zugelegt. Der Brustumfang ist um rund 2,3 Zentimeter gewachsen. Da soll mir mal jemand erklären, wie das zusammengehen soll. Richtig: Gar nicht!

Und so quälen sich täglich Millionen Frauen damit herum, ein paar Pfündchen abzunehmen, um endlich wieder sexy zu sein. Doch merke: Wer entspannt ist und sich in seinem Körper wohl fühlt, hat deutlich bessere Chancen, sexy zu wirken. Denn Schönheit kommt tatsächlich von innen und strahlt im besten Fall nach außen. Sobald Sie das an sich feststellen, ist es an der Zeit, ihre hoffentlich vielen ebenfalls strahlenden Freundinnen anzurufen, sich im nächsten Abercrombie-Shop zu verabreden und die superschlanken Verkäuferinnen in mehrstündige bis ganztägige Beratungsgespräche zu verwickeln, bevor sie – schade, schade – ohne Einkauf wieder von dannen ziehen…

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