
Nägelkauen: Was hilft gegen Fingernägel kauen?
Für Fingernägelkauen gibt es keine Altersgrenze
Unbewusst wandert der Finger in den Mund. Die Zähne beginnen an den Nägeln zu knabbern - viele Menschen sogar bis das Nagelbett sichtbar wird. Dieses Ritual wiederholen Millionen Menschen tagtäglich – viele leiden darunter. Für Nägelkauen, der medizinische Fachbegriff lautet 'Onychophagie', gibt es keine Altersgrenze.
"Nägelkauen tritt sehr häufig in der Kindheit auf und zieht sich durch bis ins Erwachsenenalter", sagt Prof. Dr. Häßler. Er leitet die Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter in Rostock. Die Spuren des Beißdrangs sieht Häßler bei seinen täglichen Visiten: "Von den stationär Behandelten macht es fast jedes 10. Kind." Nägelkauen sei zwar nie der einzige Therapiegrund, aber ein häufiges Begleitsymptom.
In den meisten Fällen beginnt diese Verhaltens- und emotionale Störung in der Kindheit, "weil Kinder einem Umfeld aus Leistungs- und Entwicklungsdruck ausgesetzt sind", so Häßler. Auch negative Erlebnisse können Auslöser sein: Elternstreit, Alkoholismus bei Eltern, Schockmomente oder psychische Traumata. Genauso gut können Kinder und Erwachsene aber auch aus Langeweile oder Nervosität an den Fingernägeln kauen.
Grundsätzlich ist es für Klein und Groß eine Form der Stressbewältigung. Es dient zur Spannungsabfuhr und versetzt die Betroffenen in eine Art Trancezustand. Das ist an sich nicht weiter schlimm. Zum Problem wird es erst, wenn sich das Knabbern zum Dauerzustand entwickelt.
Nägelkauen ist vollständig heilbar
Wann sollte man sich Sorgen machen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen? Prof. Dr. Häßler unterscheidet drei Phasen:
• Tritt Nägelkauen nur in geringfügiger Frequenz oder Ausmaß auf, besteht für Sie kein Handlungsbedarf.
• Tritt es häufiger auf, aber die Person leidet nicht darunter, sollten Sie das Problem offen ansprechen und immer daran erinnern: "Das ist nicht schön, schau Dir das mal an!" oder "Du kaust jetzt wieder!"
• Leidet der Betroffene selbst unter seinem Knabberzwang oder treten weitere Symptome auf (z.B.: Essstörungen, Schlafstörungen, Unlust), sollten Sie sofort professionelle Hilfe hinzuziehen. Helfen kann dann eine Verhaltenstherapie und Ursachenforschung.
Generell ist Nägelkauen nach Ansicht von Häßler vollständig heilbar. "Wenn man rechtzeitig interveniert und konsequent eine gute Beziehung zum Kind hat, kann man das recht schnell beheben." Trotzdem sei man auch vor Rückfällen als Erwachsener nicht gefeit.
Von Strafen und Abschreckung bei der Bekämpfung dieser lästigen Marotte rät Häßler ab. Nach seiner Ansicht führen Belohnungen zum größten Erfolg. Beispielsweise: Wenn über einen bestimmten Zeitraum an einem Fingernagel nicht gekaut wurde, gibt es ein Eis oder einen Kinobesuch. Denn positives Feedback erleichtert das Einhalten weiterer Ziele, so Häßler.
Funktioniert das alles nicht und es kommen weitere Symptome hinzu, sollten Sie sich an einen Experten für Psychosomatik und Psychotherapie wenden.
Von Benjamin Seebach











