Mobbing: Wenn Selbstmord als einziger Ausweg erscheint

Mobbing in der Schule
Cybermobbing, d.h. lästern und hetzen über soziale Netzwerke, nimmt immer mehr zu. Viele Schüler stehen dem machtlos gegenüber und kapseln sich komplett von der Umwelt ab. © dpa, Stephan Jansen

Fast jeder 3. Schüler wurde schon einmal Opfer von Mobbing. So wie Silvia. Die junge Frau hatte bereits ihren Selbstmord geplant. Nur der Rückhalt ihrer Familie hat sie davon abgehalten, sich das Leben zu nehmen. Wie können sich Betroffene wehren? Und wo finden sie bzw. ihre Eltern Hilfe?

Mobbing hat viele Gesichter: Die offensichtlichste Form ist offene Gewalt, wo Kinder von Mitschülern geschlagen oder getreten werden. Oder aber ihre Schulsachen oder Kleidung werden entwendet oder beschädigt. Daneben gibt es die subtileren Varianten wie verbale Gewalt, soziale Ausgrenzung bis hin zu Verleumdungen und Hetze über das Internet.

Silvia Hamacher hatte bereits ihren Selbstmord geplant. Sie wurde von ihren Mitschülern gemobbt. "Ich hatte alles vorbereitet - ich hatte nur verdammt viel Glück", erzählt die heute 20-Jährige. Die Mutter ahnte von den Plänen ihrer Tochter und suchte das Gespräch mit ihr - vergeblich. „Sie hat mir nicht mehr alles erzählt. Ich habe gemerkt, dass sie sich verschließt. Dann habe ich bemerkt, dass sie sich ritzt und alles wurde immer schlimmer", berichtet Silvias Mutter.

Begonnen hatte alles mit einem kleinen Streit. Die damals 14-jährige Silvia lud zu ihrer Geburtstagsfeier nicht alle Mädchen aus der Klasse ein. Daraufhin begannen die Mitschüler, sie zu ignorieren. Sie lästerten, erfanden Gerüchte und irgendwann machte die ganze Schule mit.

„Wann verpisst du dich endlich? Wir wollen dich hier nicht, wir hören nicht auf.“ Diese und ähnliche Sprüche bekam Silvia oft zu hören. Kurz darauf weitete sich das Mobbing aufs Internet aus. Schließlich gab es „Wir hassen Silvia“-Gruppen. Es ging 24 Stunden lang - ohne Pause.

Mobbing im Internet ist gerade bei Jugendlichen besonders fruchtbar. Denn in diesem Alter orientieren sich die meisten an den anderen Gleichaltrigen, beginnen die Schuld bei sich selbst zu suchen und sich immer mehr zu verschließen. "Ich dachte irgendwann, dass ich das verdiene. Ich war sehr schnell bei der Entscheidung zum Suizid", erinnert sich Silvia.

Was Mobbing für die Betroffenen bedeuten kann, zeigt der traurige Fall von Amanda Todd aus Kanada. Sie hatte nicht so viel Glück und Rückhalt wie Silvia. Mit zwölf Jahren lernt sie im Internet-Chat einen Mann kennen. Er bitte sie um ein Foto ihrer Brüste. Der Teenager willigt ein - und der Horror begann. Das Foto verbreitete sich rasend schnell im Internet. Amanda wechselte zwar drei Mal die Schule, doch die Fotos und die Kommentare eilten ihr immer voraus, verbreitet durch soziale Netzwerke. Drei Jahre ertrug Amanda das Mobbing. Vor ihrem 16. Geburtstag erhängte sich der Teenager.

Auch Silvia war kurz davor, ihr Leben zu beenden. Der einzige Grund, warum sie heute noch lebt, ist ihre Familie. Silvia hatte das Gefühl, mit ihrem Selbstmord auch das Leben ihrer Eltern und ihrer Schwester zu zerstören. „Wenn ich meine Familie nicht gehabt hätte – alleine hätte ich das nicht durchgestanden", erzählt die junge Frau. Durch einen Schulwechsel und psychologische Hilfe geht es der heute 20-Jährigen wieder gut. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, über das Thema Mobbing zu informieren.

Kinder und Eltern finden beispielsweise hier Hilfe:

http://www.mobbing-schluss-damit.de/

Das Kinder und Jugendtelefon erreichen Sie unter den kostenlosen "Nummer gegen Kummer" unter 0800/1110333 oder per Internet unter https://www.nummergegenkummer.de/cms/website.php

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