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Mobbing in der Schule: Woran erkenne ich, ob mein Kind Opfer ist?

Mobbing in der Schule: Fast jeder dritte Schüler wird einmal Opfer von Ausgrenzun
Mobbing in der Schule: Fast jeder dritte Schüler wird einmal Opfer von Ausgrenzun © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Fast jeder 3. Schüler wird einmal Mobbing-Opfer

Nach dem Sportunterricht fehlen auf einmal die Klamotten, der Ranzen wird mit Hundekot beschmiert, im Internet wird man als "Hure, die es mit jedem treibt" bezeichnet: Mobbing an Schule hat viele hässliche Gesichter. Und weil sich die betroffenen Kinder oft nicht trauen, ihre Peiniger anzuzeigen, wissen häufig Eltern und Lehrer nicht, welchen Horror ihr Kind in der Schule jeden Tag durchleben muss. Ein Dokumentarfilm aus den USA macht gerade wieder einmal auf dieses Phänomen aufmerksam.

von Merle Wuttke

"Ich bringe Dich um!", "Du eklige Schwuchtel", "Du wertloses Stück Dreck" - in dem US-Film 'Bully' sind das keine fiktionalen Dialoge, sondern bittere Realität. Der Dokumentarfilm zeigt die alltägliche Grausamkeit, die Kinder durch andere Kinder in der Schule erleben. Jeder vierte US-Schüler wird aufs Schlimmste täglich schikaniert, etliche Kinder hat dieser Horror bereits in den Selbstmord getrieben.

Solche Zahlen sind zwar glücklicherweise (noch) nicht in Deutschland zu finden, aber auch hier wird jedes dritte Kind an einer weiterführenden Schule zumindest einmal von "Klassenkameraden" im Laufe der Schulkarriere gemobbt, wie eine Studie der Leuphana-Universität Lüneburg 2009 feststellte.

Im Schnitt geht es an Schulen heute drei- bis viermal im Jahr um aktuelle Mobbingfälle, wie eine Umfrage der Freien Universität Berlin unter Lehrern herausfand. Und das Schlimme: Wenn die Schule aus ist, hört das Mobbing nicht auf. Dann wird in den sozialen Netzwerken fröhlich weiter gehänselt und bepöbelt. Fast jeder fünfte Jugendliche wurde schon mal Opfer von Cybermobbing, ihre Peiniger sind häufig diejenigen, die sie auch schon auf dem Schulhof fertig machen - aber nicht nur. Etwa zehn Prozent der Cybermobber bleiben in der Klasse unauffällig, legen aber dann zu Hause vor dem Computer los.

Mobbing: Ist auch mein Kind Opfer?

Mobbing an sich ist nichts Neues, diese fiese Form der Hetze gibt es wahrscheinlich schon seit es Schulen gibt. Aber die Qualität hat sich verändert, meinen viele Experten. Die Ausgrenzungen gehen heute oftmals über gemeine Sprüche oder einen platten Reifen am Fahrrad hinaus, da werden Todesdrohungen ausgesprochen, da wird bis aufs Blut geschlagen und getreten, da fehlt oft jegliche Empathie.

Den Grund dafür sehen einige Fachleute auch im unkontrollierten Medienkonsum der Kinder: Wer jeden Tag vor dem Computer oder auf Smartphone Zugang zu Killerspielen, Hinrichtungsvideos oder anderen menschenverachtenden Medien hat und ohnehin schon eine aggressive Grundhaltung an den Tag legt, der kann für andere gar kein Mitgefühl mehr empfinden. Kein Wunder, dass es heute Schulleiter gibt, die von den "unempathischsten Kindern" sprechen, die sie je erlebt haben.

Wenn man als Elternteil fürchtet, dass das eigene Kind Opfer von Mobbing oder "Bullying" wird, hilft es, auf folgende Anzeichen zu achten: Ist das früher fröhliche Kind plötzlich oft traurig, erzählt es kaum noch aus der Schule? Zieht es sich immer mehr zurück? Isst es nicht mehr oder zu viel? Klagt es über Kopfweh oder Bauchschmerzen? Will es nicht mehr in die Schule? Treten all diese Symptome häufiger auf, sollte man mit dem Kind reden und Vertrauen schaffen. Dann muss der Lehrer informiert und gemeinsam überlegt werden, wie man mit der Situation umgeht, ohne dass das Kind noch tiefer in die Opferrolle gedrängt wird. Mittlerweile gibt es an den meisten Schulbehörden Beratungsstellen, an die man sich wenden kann. Das Wichtigste aber bleibt: hingucken, zuhören, da sein.

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