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Mit Kopftuch im 'Playboy': Noor Tagouri kämpft gegen Stigmatisierung von Muslimas

Noor kämpft mit Kopftuch gegen Stigmatisierung von Muslimas
Noor kämpft mit Kopftuch gegen Stigmatisierung von Muslimas Kopftuch-Streit im US-Playboy 00:01:03
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"Egal, was die Leute über mich sagen“

Eine Muslima mit Kopftuch - nicht unbedingt das Bild, das man im 'Playboy' erwartet. Aber in der aktuellen US-Ausgabe ist Noor Tagouri genau so zu sehen: Mit langärmeliger schwarzer Lederjacke, grell geschminkten Lippen und Hidschab posiert sie vor der US-Flagge. Angesichts des redaktionellen Umfelds eine Geschmacklosigkeit? Ein quasi-feministisches Statement: Jede Frau darf sich so zeigen, wie sie will? Zeichen einer neuen Prüderie? Oder völlig egal, weil einfach nur eine Frau portraitiert wird, die etwas zu erzählen hat?

Neubesinnung beim 'Playboy'?

Von Ursula Willimsky

Nackte Frauen sucht Mann in dem US-amerikanischen Männermagazin schon seit längerem vergeblich. Statt Pornobildern gibt es nur noch erotische Fotografien und natürlich die viel zitierten "guten“ Reportagen. Manche sehen darin ein Tribut an die wachsende Prüderie in den USA, andere schlicht eine Marketing-Taktik: Harte Bilder gibt es woanders für umsonst, wer aber auf Facebook vertreten sein will oder seine Leserschaft vor Strafanzeigen am Arbeitsplatz bewahren will, muss eben gewisse Regeln einhalten.

'Playboys' Neubesinnung schlägt sich auch in der Oktober-Ausgabe nieder, die recht aufreizend 'Renegades', die Abtrünnigen, betitelt ist. Ihre Stars – neben der obligatorischen Miss Oktober: Schauspielerin und Sängerin Sky Ferreira, ein Skate-Boarder, ein Transgender-Mensch, ein Schriftsteller und eine Journalistin. Besagte Noor Tagouri. Ausgewählt wurden insgesamt acht "unkonventionelle Männer und Frauen“ ('Playboy'-Eigenwerbung), die sich nicht scheuen, Regeln zu brechen.

Tagouri berichtet von den Schwierigkeiten, die sie als Tochter libyscher Einwanderer und Muslima in den USA hatte – und wieso genau diese Probleme ihr die Kraft geben, ihre Karriere voranzutreiben. Ihr großes Ziel: Sie will als erste Frau mit Kopftuch eine Hauptnachrichten-Sendung moderieren. Mit ihren 'Playboy'-Fotos möchte sie der Stigmatisierung verschleierter Muslima in der Gesellschaft entgegenwirken: "Ich versuche so gut es geht, mich nicht um Leute zu kümmern, die sich darüber aufregen, was ich trage.“

Aber weshalb sagt sie das gerade im 'Playboy'? Im Zentralorgan der papiergewordenen Männerphantasien? Das versteht nicht jeder: Ein muslimisches Online-Magazin zum Beispiel kommentierte, der 'Playboy' sei ein "Synonym für Pornografie“ und degradiere seit Jahrzehnten Frauen zu Objekten, verwandele sie in Ware und sexualisiere sie. "Wir können nicht anfangen, mit dieser Plattform zusammenzuarbeiten, nur weil ihr Image weicher geworden ist.“ Ein Satz, den wir uns übrigens problemlos genauso in einem feministischen Magazin vorstellen könnten.

Kritik von jeder Seite

Tolle Überleitung, mit der wir nach dem Dauerbrenner "Frauen als Objekt“ einen weiteren Lieblings-Streitpunkt aufgreifen möchten: Das Kopftuch. Einige Kritiker stören sich nämlich vor allem daran, dass Tagouri durch ihr Engagement und nun eben auch durch ihr Erscheinen im 'Playboy' das Kopftuch salon- und öffentlichkeitsfähig machen will. Ein Bekleidungsstück also, in dem viele vor allem ein Symbol der weiblichen Unterdrückung sehen. Gerade durch das Verhüllen des Körpers würde die Frau zum Objekt degradiert.

Fassen wir zusammen: Der 'Playboy' bekommt Vorwürfe, weil er Frauen mit zu wenig (Stichwort: frauenfeindlich!) oder zu viel Kleidung (Stichwort: frauenfeindlich!) zeigt. Der portraitierten Journalistin wird die Zusammenarbeit mit dem freizügigen Männermagazin (frauenfeindlich!) und das selbstbewusste Tragen eines Kopftuches (frauenfeindlich!) vorgeworfen.

Und irgendwo haben sie alle Recht, die Kritiker genauso wie Protagonisten. Weil wir jetzt auch nicht weiter wissen, versuchen es mit einem soften Mittelweg, der akzeptiert, dass es verschiedene Lebensentwürfe gibt. Manche Frauen werden gerne Miss Oktober, manche Frauen tragen gerne Kopftuch.

So gesehen kann Tagouris Erscheinen im 'Playboy' durchaus als positives Statement interpretiert werden: Was Ihr auf den Seiten vor und hinter mir macht, ist mir egal. Ich sage, was ich denke und will. Und ich ziehe an oder aus, was ich will. Ende der Durchsage.

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